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Prozessbeginn in München Der Albtraum in der U-Bahn

 ·  Mit einem Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Montag der Prozess um den brutalen Überfall auf einen Rentner in einer Münchner U-Bahn-Station begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Tätern versuchten Mord vor. Der Fall hatte eine Debatte über ein verschärftes Jugendstrafrecht ausgelöst.

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Es ist der Albtraum vieler, die abends allein mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren - für die Politik wurde es deshalb ein Fall, der mit großer Schärfe debattiert wurde: Kurz vor Weihnachten verprügelten der 20-jährige Serkan A. und der 17-jährige Spyridon L. in der Münchner U-Bahn wegen eines Streits ums Rauchen einen 76-jährigen Rentner. Sie hätten den Mann mit ihren Schlägen fast getötet.

Seit diesem Montag müssen sich die Angreifer wegen versuchten Mordes in München vor Gericht verantworten. Die deshalb vor allem von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im Wahlkampf geführte Debatte um Verschärfungen im Jugendstrafrecht ist derweil fast im Sande verlaufen.

„Scheiß Deutsche, Sau, Schwein“

Die Vorgeschichte des Überfalls begann am 20. Dezember gegen 22.00 Uhr an der Haltestelle Max-Weber-Platz, die auch zum bayerischen Landtag führt: Dort stiegen Bruno N. und die beiden jungen Männer in den gleichen U-Bahnwaggon. Als der 17-jährige L. sich eine Zigarette anzündete, wies ihn der Rentner auf das Rauchverbot in der U-Bahn hin. Mit „Scheiß Deutsche, Sau, Schwein“, habe der Jugendliche den Mann daraufhin angepöbelt und bespuckt, heißt es in der Anklageschrift. Um den Angriffen auszuweichen, setzte sich der Rentner auf einen anderen Platz.

Zu den Schlägen kam es wenig später an der U-Bahn-Endstation, wo der ehemalige Lehrer und die beiden jungen Männer ausstiegen. Eine Überwachungskamera filmte den Angriff: Zunächst stieß der heute 21-jährige A. den ahnungslosen Mann mit einem Schlag gegen den Kopf zu Boden. Anschließend trat auf ihn ein. Der vor gut zwei Wochen in Untersuchungshaft 18 Jahre alt gewordene L. verpasste dem wehrlosen Mann acht wuchtige Faustschläge ins Gesicht und gegen den Oberkörper und setzte anschließend zur finalen Attacke an. „Mit voller Wucht nach Art eines Fußballers“ habe L. den Kopf des Rentners wie einen Ball getreten, heißt es in der Anklageschrift.

Rettung nur durch Not-OP

Nachdem die alkoholisierten Männer auch noch den Rucksack ihres Opfers gestohlen hatten, ließen sie dieses schwer verletzt in seiner Blutlache liegend zurück. N. erlitt Hämatome im Kopf- und Rumpfbereich, sein Schädel und sein Jochbein waren gebrochen, außerdem erlitt er Gehirnblutungen - nur durch eine Not-OP konnte er gerettet werden. Verzeihen kann N. die Attacke nicht. „Ich würde ihnen nur sagen: 'Ihr wolltet mich töten'“, sagte er der „Bild“-Zeitung und forderte eine Abschiebung des aus der Türkei stammenden Serkan A. und des aus Griechenland stammenden Spirdon L. Dem älteren der beiden droht als Höchststrafe lebenslang, dem jüngeren zehn Jahre Jugendhaft.

Um die Themen Abschiebung und Verschärfungen des Jugendstrafrechts drehte sich auch die bundesweite politische Debatte, die der Fall auslöste. Nachdem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) den Anfang gemacht hatte, wollte Koch das Thema für seinen Landtagswahlkampf in Hessen ausnutzen. Obwohl Nachwahlanalysen ergaben, dass vor allem die Bildungspolitik Kochs dramatischen Einbruch bei der Wahl Ende Januar verursachte, hatte auch diese Debatte einen Anteil daran. Etwa die Hälfte der Wähler teilte zwar seine Auffassungen, die andere Hälfte lehnte sie aber ab - ein für Experten schlechter Wert für einen Law-and-Order-Politiker wie Koch.

Kein Thema für die Landtagswahl

Nachdem auch die Münchner CSU im Kommunalwahlkampf im März das Thema hatte ausschlachten wollen und ein Debakel erlitten hatte, hüten sich die Christsozialen, daraus ein Thema für die bayerische Landtagswahl im September zu machen. Eher wie eine Pflichtübung wirkt es, dass die CSU mit einer erneuten Bundesratsinitiative leichtere Möglichkeiten zur Abschiebung ausländischer Straftäter erreichen will.

Der Überfall hatte dafür Folgen für das Münchner U-Bahnnetz: Bisher kann in der bayerischen Landeshauptstadt in der U-Bahn nicht telefoniert werden, weil die städtischen Betreiber Ruhe in den Waggons wollen. Doch weil N. sich per Handy hätte Hilfe holen können, soll dies geändert werden. Wann steht noch in den Sternen.

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