Ein Berliner Küchenhelfer, der angeklagt ist, im vergangenen Sommer 102 Autos in Brand gesetzt zu haben, hat sich am Freitag für seine Taten entschuldigt. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Berlin verlas der Anwalt des 28 Jahre alten André H. eine Erklärung, in der es hieß: „Ich bitte die Geschädigten sowie die Öffentlichkeit nachhaltig und ernsthaft um Vergebung.“ Ein Fall Ende Juli, in dem die Flammen auf den Dachstuhl eines Einfamilienhauses übergegriffen hatten, belaste ihn besonders stark. Bei dem Gedanken an mögliche Folgen leide er unter „heftigsten Gewissensbissen“.
Schon in seinen Vernehmungen hatte der Mann zu Protokoll gegeben, er habe nie gewollt, dass Personen zu Schaden kommen. In der Erklärung heißt es weiter: „Ich weiß, dass ein Anzünden eines Fahrzeuges der gehobenen Klasse nicht das Auseinanderklaffen der sozialen Schere verhindert.“ Er wisse ebenfalls, dass die Eigentümer der Fahrzeuge hart für ihr Vermögen arbeiten müssten und nicht für seine eigene schwierige soziale Lage verantwortlich seien.
Nach Aussage des Angeklagten stammte die Idee zu den Brandstiftungen allein von ihm selbst. Niemand sonst habe von seinen nächtlichen Streifzügen gewusst. Einer Fernseh-Reportage habe er die Methode entnommen, nämlich einen Grillanzünder auf dem Autoreifen abzulegen und mit dem Feuerzeug zum Brennen zu bringen. Er sei frustriert gewesen und habe aus einer allgemeinen Lebenskrise heraus gehandelt. Nach seiner Festnahme hatte André H. die Brandanschläge nicht nur gestanden, sondern freiwillig weitere Taten eingeräumt.
Der gelernte Maler und Lackierer war über einen längeren Zeitraum arbeitslos gewesen und hatte Geldsorgen. Mit seiner krebskranken Mutter und einer älteren, behinderten Schwester teilte er sich eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Moabit. Kurz vor seiner ersten Tat hatte ihm ein Mädchen eine Abfuhr erteilt. Auch als Missionsleiter der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ - der Mormonen - sei es zuletzt schlechter gelaufen als zuvor. Hochwertige Autos - mehrheitlich Fahrzeuge der Marken Mercedes, BMW und Audi - seien ihm da für die „Frustabfuhr“ gerade recht gekommen.
Von Anfang Juni bis Ende August war André H. zeitweise jede Nacht mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Bisweilen zündete er nacheinander bis zu sechs Fahrzeuge an. Die Anschlagsserie beendete er nach eigenen Angaben, als er über eine Zeitarbeitsfirma einen Job als Küchenhelfer fand. Die Tatsache, dass die Polizei just zu diesem Zeitpunkt damit begonnen hatte, ihn zu observieren, weil er auf Videoaufzeichnungen auf einem U-Bahnhof aufgefallen war, stellte er als Zufall dar.
Die Serie von Autobrandstiftungen in der Hauptstadt hatte vergangenes Jahr vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus einen Höhepunkt erreicht und heftige politische Kontroversen hervorgerufen. Ein Großaufgebot der Polizei versuchte, die Täter zu fassen. Insgesamt gingen 2011 etwa 750 Wagen in Flammen auf. Bisher gab es Verurteilungen nur in Einzelfällen. Neben Taten, die mutmaßlich aus dem linksextremen Spektrum heraus begangen wurden, standen zuletzt immer mehr Brandanschläge ohne erkennbares Motiv. Auch vor dem Landgericht blieb am Freitag vage, welchen Nutzen André H. aus seinen Taten gezogen haben mag. Anders als klassische Pyromanen will er sich die von ihm verursachten Brände nie angesehen haben. Die Berichterstattung in den Medien habe ihn einerseits erschreckt, andererseits stolz gemacht. Gegenüber einem Ermittler hatte er angegeben, die Tat habe eine Art Kick bei ihm hervorgerufen.
Strafrahmen
Chris Frank (Chris_55)
- 10.03.2012, 23:07 Uhr
Lascher Richter wird Nachsicht üben
Frank Weiss (nochbesserwisser)
- 10.03.2012, 15:26 Uhr
Solche Taten müssen geächtet werden
Herbert Sax (H.Sax)
- 10.03.2012, 12:28 Uhr
Mir hat die Farbe nicht gefallen haben, wäre für einen
gelernten Lackierer nachvollziehbar
klaus keller (klkeller)
- 09.03.2012, 19:43 Uhr
Tja,
Madeleine Pyka (meineigen)
- 09.03.2012, 18:24 Uhr