14.09.2005 · Im Prozeß um einen „Ehrenmord“ an einer jungen Deutschtürkin in Berlin hat ihr 19 Jahre alter Bruder die Tat gestanden. Die 23 Jahre alte Hatin S. wurde im Februar mit drei Pistolenschüssen in den Kopf getötet, weil ihr westlicher Lebenswandel von der Familie mißbilligt wurde.
Im Prozeß um den sogenannten „Ehrenmord“ an einer jungen Deutschtürkin in Berlin hat einer der Angeklagten ein Geständnis abgelegt. Der jüngste der drei angeklagten Brüder des Mordopfers ließ am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht durch seinen Anwalt erklären: „Ich habe meine Schwester getötet, ich habe die Tat allein begangen.“
Er bereue inzwischen, was geschehen sei. „Ich verstehe meine Tat heute selbst nicht mehr“, sagte der 19 Jahre alte Ayhan S. Zugleich entlastete er seine mitangeklagten Brüder.
Damit widersprach Ayhan S. den Angaben der Staatsanwaltschaft, die alle drei Angeklagten als Täter sieht. Sie hat die drei Brüder der getöteten Deutschtürkin wegen „gemeinschaftlichen Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen“ angeklagt.
Diskussion über „Ehrenmorde“
Die jungen Männer sollen ihre 23 Jahre alte Schwester Hatin S. im Februar umgebracht haben, weil sie sich aus ihrer Ehe gelöst und in Berlin ein eigenständiges Leben begonnen hatte. Der Fall hatte eine bundesweite Diskussion über „Ehrenmorde“ in moslemischen Familien und Zwangsehen ausgelöst.
Hatin S. war in Deutschland aufgewachsen und nach Angaben der Staatsanwaltschaft 1998 in der Türkei zu einer Ehe mit einem Cousin gezwungen worden. Sie brachte im Mai 1999 in Berlin einen Sohn zur Welt und weigerte sich, in die Türkei zurückzukehren. Ein halbes Jahr später verließ sie die Wohnung ihrer Eltern und machte sich selbstständig: Sie begann eine Ausbildung als Elektrotechnikerin und weigerte sich beharrlich, wieder in die elterliche Wohnung zurückzukehren. Die Selbstständigkeit ihrer Schwester veranlasste die streng gläubig erzogenen Brüder offenbar zu der brutalen Tat.