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Prozess 22 Jahre Haft für Geiselnehmer von Wasserbillig

"Der böse Onkel", wie ein Vater sagte, ist verurteilt. Der Geiselnehmer von Wasserbillig muss für 22 Jahre ins Gefängnis.

© dpa Vergrößern Der Kindnapper von Wasserbillig wird abgeführt

Der brutale Geiselnehmer von Wasserbillig muss wegen des Überfalls auf einen Kindergarten 22 Jahre in Haft. Das Luxemburger Bezirksgericht verurteilte den 40-Jährigen am Mittwoch wegen Vergewaltigung einer Erzieherin, Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Laut dem Urteil hatte der 40 Jahre alte Luxemburger Ende Mai 2000 insgesamt 52 Kinder und Erzieher fast 30 Stunden lang in seiner Gewalt, bis er von der Polizei überwältigt wurde. Neji Bajaoui war bei seiner Tat in dem kleinen luxemburgischen Ort Wasserbillig mit Pistole, Handgranate und Benzinkanister bewaffnet.

Bejaoui, der tunesischer Abstammung ist, wurde in Abwesenheit in allen Punkten für schuldig befunden. Das Gericht folgte dem Antrag von Verteidiger Philippe Penning und erkannte die psychischen Probleme Bejaouis als strafmildernd an. Richter Prosper Klein ordnete zudem eine Therapie für den Geiselnehmer an. Lässt er sich in den ersten vier Jahren seiner Gefängnisstrafe behandeln, kann er mit einer Haftverschonung von vier Jahren rechnen. Die Verteidigung hatte kein konkretes Strafmaß gefordert. Die Staatsanwaltschaft hingegen beantragte die Höchststrafe von 25 Jahren.

"Böser Onkel" endlich bestraft

Die Erzieher und Eltern der überfallenen Kinder bezeichneten das Urteil als angemessen. „Mit der Strafe können wir leben - vor allem, weil wir lange vor ihm Ruhe haben“, sagte die Direktorin des überfallenen Kindergartens „Spatzennest“, Marthy Schmitz. Der Fördervereinsvorsitzender Albert Kirch meinte: „Meinen beiden Kindern kann ich sagen, dass der böse Onkel endlich nach anderthalb Jahren bestraft wurde.“ Das Gericht gestand den Opfern, die eine Zivilklage angestrengt hatten, Schmerzensgeld zu. Allein die Familie Kirch erhält rund 15.000 Mark.

Der Täter sei mit „beispiellos hemmungsloser Brutalität“ vorgegangen, sagte Richter Klein in der Verhandlung. Der Überfall sei von langer Hand geplant gewesen und mit kühler krimineller Berechnung durchgezogen worden. Erzieherinnen schilderten an den sieben Verhandlungstagen, wie sie geschlagen und geschubst wurden. Bejaoui habe Warnschüsse abgefeuert und einer Erzieherin die Pistole in den Mund gesteckt. Zur Abschreckung hatte der Geiselnehmer ein Kind aus dem Fenster gehalten und immer wieder gedroht, Geiseln umzubringen.

Täter entschuldigte sich

Der 40-Jährige äußerte sich kaum zu seinen Motiven. Nach Zeugenaussagen wollte sich der Sozialhilfeempfänger am Luxemburger Staat rächen, weil er kein Sorgerecht für seine beiden Kinder bekommen hatte. Mehrere Gutachter hatten Bejaoui „depressives und paranoides Verhalten“ bescheinigt. Bejaouis Verteidiger Philippe Penning schilderte seinen Mandanten als einen einsamen und kranken Mann, dem keiner in seiner Verzweiflung mehr zugehört habe. Bejaoui entschuldigte sich während des Prozesses bei den Opfern. Er sagte nur, er sei bei der Tat nicht bei klarem Verstand gewesen.

Quelle: dpa

 
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