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Provinzial-Chef : Schraubenzieher-Angriff nur erfunden

  • Aktualisiert am

Ulrich Rüther ist seit 2009 Vorstandschef der Provinzial Nordwest Holding Bild: dpa

Der Fall des angeblich attackierten Vorstandsvorsitzenden der Provinzial Nordwest, Ulrich Rüther, hat eine überraschende Wende genommen. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft hat es keinen Angriff gegeben.

          Der Chef des Versicherungskonzerns Provinzial Nordwest, Ulrich Rüther, hat den Schraubenzieher-Angriff auf ihn nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster nur erfunden. Rüther habe dies gegenüber der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Münster eingestanden, teilten die beiden Behörden in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Dienstag mit. Die Staatsanwaltschaft ermittle nun vielmehr gegen Rüther wegen des Vortäuschens einer Straftat, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck. Sie beabsichtige aber, diese Ermittlungen gegen eine „angemessene Geldbuße“ einzustellen. Die Provinzial teilte mit, nach Rüthers Aussage habe der Angriff „in der dargestellten Form nicht stattgefunden“. Zu den Ermittlungen gegen den Manager wollte sich ein Sprecher nicht weiter äußern.

          Berichte über einen Angriff auf den Manager hatten in der vergangenen Woche bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei Münster hatte eine zwölfköpfige Ermittlungskommission eingesetzt, um den angeblichen Angriff auf Rüther aufzuklären. Der Versicherungschef war nach eigener Darstellung auf dem Weg aus einer Tiefgarage in das Gebäude des Provinzial-Firmensitzes in Münsters Norden von einem Unbekannten völlig überraschend mit einem so genannten Phasenprüfer attackiert worden. Die Polizei hatte die Öffentlichkeit danach gefragt: „Wer hat (..)verdächtige Beobachtungen rund um das Provinzialgebäude im Zentrum Nord gemacht?“

          Wirbel mitten im Verkaufspoker

          Rüthers Aussage hatte mitten im Verkaufspoker um die Provinzial Nordwest für zusätzlichen Wirbel gesorgt. Betriebsräten zufolge hatte der Münchener Allianz-Konzern seine Fühler nach der Provinzial Nordwest ausgestreckt. Rüther hätte am vergangenen Mittwoch an einer Betriebsversammlung der zweitgrößten öffentlichen Versicherung teilnehmen sollen - wo die Belegschaft über mögliche Verkaufsabsichten der Provinzial-Nordwest-Eigentümer informiert werden sollte. Rüther war stattdessen im Krankenhaus behandelt worden.

          „Gegenüber der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Münster hat Herr Rüther sein Verhalten mit den enormen Auswirkungen der Turbulenzen bei der Provinzial auf seine Familie begründet“, teilten die Behörden weiter mit. Rüther habe „die extrem belastende Phase speziell für seine Frau und seine drei Kinder zum Abschluss bringen“ wollen, gab die Provinzial Nordwest bekannt. Rüther wünsche nun den „Schutz seiner Familie in der Öffentlichkeit“, deshalb werde der Fall nicht weiter kommentiert, betonte ein Sprecher.

          Rüther ist seit Januar 2009 Vorstandschef der Provinzial Nordwest Holding. Der am 18. März 1968 in Ibbenbüren geborene Manager war über den Gerling-Konzern und den Versicherer Ergo zur Provinzial gekommen.

          Die Übernahmepläne der Allianz für die Provinzial Nordwest liegen indes auf Eis: In den kommenden Monaten soll über eine Fusion des Versicherers mit der Provinzial Rheinland verhandelt werden.

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