Home
http://www.faz.net/-gum-70ad7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Private Weltraummission geglückt Der Drache ist gelandet

 ·  Nach einer gemeinsamen Woche mit der ISS ist der Weltraumtransporter „Dragon“ wieder auf der Erde gelandet. Ohne Hilfe der Nasa wäre dieser Flug jedoch nicht denkbar gewesen.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (3)
© REUTERS Der Weltraumtransporter „Dragon“ dockt an die ISS an

Eine Woche lang flogen sie in orbitaler Eintracht miteinander, der Drache („Dragon“) und die Internationale Raumstation (ISS). Es war die Hochzeit eines Riesen - mit ihren Sonnenzellen ist die ISS etwa so groß wie ein Fußballfeld - und eines im Durchmesser knapp vier Meter kleinen Zwerges. Zum ersten Mal hatte ein privates Raumschiff die ISS-Besatzung mit Nachschub versorgt. Am Donnerstag nun landete der unbemannte Weltraumtransporter wie geplant im Pazifik südwestlich der kalifornischen Küste, mit mehr als 600 Kilogramm Ladung von der ISS an Bord, darunter ausrangierte Geräte. Vom Erfolg der Mission zeigen sich die Nasa und die Betreiberfirma Space Exploration Technologies („SpaceX“) überaus begeistert.

Es ist ja auch gewiss eine technische Meisterleistung, an die Raumstation anzulegen. Wer beim Einparken mit dem Auto in eine Parkbucht einen Fehler macht, holt sich vielleicht einen Kratzer an der Stoßstange. In der erdnahen Umlaufbahn kann aber schon die kleinste Abweichung eine Katastrophe bedeuten, denn die ISS umrundet die Erde mit 28.000 Kilometern pro Stunde.

Historisch ist das Rendezvous zwischen den beiden ungleichen Raumvehikeln aber dennoch nicht. Es ist vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung der Raumfahrtindustrie, die sich schon im sechsten Lebensjahrzehnt befindet. Private Raketen-Hersteller gibt es in Amerika und Europa schon lange. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis ein Unternehmen nicht nur die Raketen und Kapseln herstellt, sondern auch die damit möglichen Dienstleistungen anbietet.

Selbst die Finanzierung der Aktivitäten der in Kalifornien ansässigen Firma SpaceX ist nur zu einem Teil privat. Immerhin stellt die Nasa für die Entwicklung von privaten Raketen und Kapseln zur Versorgung der ISS Zuschüsse von 800 Millionen Dollar bereit. Den Betrag teilt sich SpaceX mit einem weiteren amerikanischen Unternehmen, der Orbital Sciences Corporation. Außerdem kann SpaceX einen großen Teil der Entwicklungskosten für Dragon und die Trägerrakete Falcon-9 durch einen lukrativen Auftrag der Nasa amortisieren.

Die amerikanische Raumfahrtbehörde zahlt nämlich 1,6 Milliarden Dollar für zwölf Versorgungsflüge mit Dragon. Ein Drachen-Flug ist damit zwar etwa nur halb so teuer wie der Start eines Space Shuttle, aber billig sind diese Frachtraten keineswegs. Außerdem konnten die inzwischen ausrangierten Raumtransporter auch noch bis zu sieben Astronauten mitnehmen, während der Drache auf absehbare Zeit unbemannt fliegen wird.

Als der frühere Präsident Georg Bush die Stilllegung der Shuttle-Flotte ankündigte und damit den Weg für die privaten Weltraum-Spediteure freimachte, wollte er auch der Nasa eine neue Zielrichtung geben. Die Weltraumbehörde sollte sich wieder um ihre ursprünglichen Aufgaben kümmern, nämlich die Erforschung des Weltraums.

Unbemannte Planetenmissionen, neue Umweltsatelliten, bessere Weltraum-Teleskope und schließlich bemannte Flüge zum Mond und Mars waren vorgesehen. Allerdings hat die Nasa das Einmotten der Raumtransporter viel schlechter verdaut als erwartet. Im Moment dümpelt die Behörde recht ziellos vor sich hin. Viele Projekte kommen über das Planungsstadium nicht hinaus oder sind um Jahre verzögert.

Der Flug war also gewiss ein bemerkenswerter Erfolg. Historisch wird es aber erst, wenn SpaceX-Gründer Elon Musk seine Ankündigung wahrmacht, innerhalb eines Jahrzehnts Astronauten zum Mars und wieder zur Erde zurück zu befördern. Wenn er das schafft, wäre das ein Coup vergleichbar mit Craig Venters Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Denn mit seinem Privatunternehmen Celera war Venter bei der DNA-Sequenzierung wesentlich schneller als das aus dem Staatshaushalt finanzierte „Human Genome Project“.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1954, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Jüngste Beiträge