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Prinzenhochzeit Tillykke! Ganz Dänemark gratuliert Frederik und Mary

15.05.2004 ·  Es war ein Fest in Rot und Weiß: ein zu Tränen gerührter Kronprinz, eine wunderschöne Braut und ein festlich herausgeputztes Kopenhagen. Prinz Frederik und Mary Donaldson schenkten den Dänen eine Märchenhochzeit.

Von Robert von Lucius
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Frederik und Mary wie auch das dänische Volk könnten sich freuen, daß beide sich gefunden haben: Der Bischof von Kopenhagen, Erik Norman Svendsen, setzte mit seiner bewegenden Trauansprache einen besonderen Akzent bei der dänischen „Hochzeit des Jahrhunderts“. Dabei hatte er, wie er sagte, nur dem „süßen, engagierten und vielbegabten Paar“ eine „typische dänische Familienhochzeit“ gestalten wollen: Ganz gelang ihm das nicht.

Dazu trug nicht nur bei, daß um das Brautpaar herum fast alle gekrönten Häupter Europas wie auch Farah Diba und der japanische Kronprinz da waren, zudem Hofmarschall, Zeremonienmeister, Blechbläser der Leibgarde und Reiter in Gardeuniform das Bild prägten. Der Kronprinz und nun auch seine Frau lebten, so der Bischof, nach dem Motto „Nie unbesonnen, nie furchtsam“, entnommen der Marine, deren Galauniform Frederik zur Hochzeit trug.

Einzug der Braut rührt den Prinzen

Das königliche Brautpaar gehöre, sagte der Bischof, nun allen. Dafür, daß sie im Mittelpunkt standen, sorgten beide auf ihre Art: die sich verhalten-kontrolliert gebende Mary durch ihr bis zuletzt als Staatsgeheimnis gehütetes dezent-elegantes cremefarbenes Seidenkleid eines dänischen Modekünstlers mit einer gigantischen Schleppe und dem Schleier, den Frederiks Großmutter Ingrid 1935 zur Hochzeit trug, Frederik durch sein Verhalten. Fast vierzig Minuten stand er am Altar neben seinem Bruder Joachim - er ist zugleich, wie er sagt, sein bester Freund - auf Mary wartend, anfangs scherzend mit seinem bübischen strahlenden Lächeln. Als dann Marys Vater in Schottenrock sie in die Domkirche führte, wurde er ernst, Tränen flossen. Das Lächeln gewann er erst wieder, nachdem beide die Kirche verließen, zuvor hielt er beständig streichelnd ihre Hand. Und dann fuhren sie in offener Kutsche (1906 in Berlin gebaut) weiträumig durch die Innenstadt, vielen hunderttausend Dänen zuwinkend. Den ersten Kuß gab er, noch verhalten, schon bei ihrer Ankunft, den „richtigen“ am Ende des Gottesdienstes, nachdem sie ihre Eheringe, aus dem ersten grönländischen Gold geschmiedet, überstreiften.

Tillykke! Ganz Dänemark gratuliert Frederik und Mary

Alle trugen auf ihre Art dazu bei, daß Dänemark am Freitag trotz kühlen Wetters die erste Kronprinzenhochzeit seit 1743 in der Hauptstadt in Pracht und Glanz feiern konnte, die „Fräulein Mary Donaldson“ zur Kronprinzessin Mary machte. Frederik wußte beim Ablauf seine Akzente zu setzen. Er verband Hergebrachtes und Neues und sorgt damit weiterhin dafür, daß in der weltoffenen dänischen Gesellschaft die tausend Jahre alte Monarchie, die älteste Europas, nie ernsthaft in Frage gestellt wurde. Frederik wich in scheinbar kleinen Dingen ab von der Familientradition, etwa mit der Wahl der Hochzeitskirche, die die von ihm angestrebte Volkstümlichkeit bestätigen sollte. Bisher heirateten Angehörige der Königsfamilie überwiegend in der Kapelle des Familienschlosses Fredensborg. Die 1829 eingeweihte Domkirche „Unsere Frau“ wählte Frederik vor allem, weil sie 1500 Menschen Platz bietet und so das Kronprinzenpaar neben anderen Königsfamilien Vertreter der dänischen Elite aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kunst sowie Freunde um sich haben konnte. Er dachte aber vielleicht auch daran, daß in der Vorgängerkirche eine königliche Trauung stattfand: König Valdemar Atterdag vermählte dort 1363 seine zehnjährige Tochter Margrete mit dem doppelt so alten norwegischen König Haakon.

So viel Tuchfühlung wie möglich

Zudem erlaubte die Trauung in der Domkirche die Kutschenfahrt durch die Innenstadt. Überfüllt war sie von fahnenschwingenden Schaulustigenauch, weil nicht nur viele Läden und Fabriken schlossen, sondern auch alle Staatsangestellten am Nachmittag frei erhielten. Fast alle: Die 3000 Polizisten, ein Drittel aller dänischen Sicherheitskräfte, waren gefordert und gingen am Freitag nach der Devise vor „so viel Sicherheit wie nötig, so viel Tuchfühlung wie möglich“.

Eine weitere kleine Neuerung: Das dänische Fernsehen setzte erstmals „live“ Zeichensprache ein für eine halbe Million hörgeschädigter Dänen. Wohl nie gab es in Dänemark eine solche umfassende, alles andere verdrängende Berichterstattung über ein Ereignis. Allein der erste Kanal des dänischen Fernsehens übertrug die Feierlichkeiten und alle Vorbereitungen von morgens acht Uhr an fast ununterbrochen. Insgesamt mehr als eine Milliarde Menschen hätten die Hochzeit sehen können.

Ein Tropfen Wikingerblut

Der Abschluß war wie alles andere auf die Minute festgelegt: Nach dem Brautwalzer im Kuppelsaal der Fredensborg vor 430 Gästen und den Festreden im Zelt ein Feuerwerk nach Mitternacht und die stillfeierliche „Abfahrt“ des Brautpaares. Selbst jener Brautwalzer war schon lange vorher bekannt gewesen: Sie schritten zu den Klängen des Balletts „eine Volkssage“, an die sich viele dänische Brautpaare halten.

Anklänge an das Märchenhafte und an Sagen kamen immer wieder, nicht nur bei der Fülle der Berichte in jeder erdenkbaren Nischenpublikation und in den Kneipen, die in dieser Woche allerorten die Hochzeit mit Galaessen und Fernsehübertragungen feierten. Der Sprecher des Parlaments war da Handfester in seinen Vergleichen und wich statt auf Hans Christian Andersen auf die Wikinger aus bei seiner Rede am Vorabend der Hochzeit: Die schottischen Ahnen von Mary Donaldson seien Grund ihres starken Wesens, aber sie könne auch ein wenig Wikingerblut in sich haben und sei schon deshalb die richtige Frau für den Kronprinzen Frederik, der über viele Jahre hinweg seinen Wikingermut gezeigt habe.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Mai 2004, Nr. 113
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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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