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Prêt-à-porter in Paris Schlapphüte und andere Schlappen

Hedi Slimane, Chefdesigner für Yves Saint Laurent, präsentierte beim Prêt-à-porter erstmals eine Kollektion - und konnte damit nicht überzeugen. Dafür gab es in Paris zahlreiche gute Auftritte deutscher Designer.

© Fricke, Helmut Vergrößern Céline: Designerin Pheobe Philo gewinnt dem Minimalismus wieder neue Seiten ab

Mit einem Fuß stieß sie die Wiege an, mit dem anderen bediente sie die Nähmaschine. Vor 90 Jahren gründete die Mutter von Max Kriemler in St. Gallen das Modeunternehmen Akris. Und 90 Jahre später steht ihr nunmehr 90 Jahre alter Sohn stundenlang kerzengerade im Palais de Chaillot in Paris, um mit Hunderten Gästen das Jubiläum zu begehen. Weil es gerade Abend wird, zeichnet sich die Beleuchtung des Eiffelturms riesig in den Fenstern ab. Ganz Paris scheint mitzufeiern.

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Gründe dafür gäbe es genug. Denn das Luxusunternehmen aus der Schweiz, das heute von Max Kriemlers Söhnen Albert und Peter geführt wird, ist ein Mode-Modell aus fast vergessenen Zeiten. In Paris beherrschen seit Jahren Großkonzerne die Szene. Die Konkurrenzspiele um die Debüts von Hedi Slimane für Yves Saint Laurent und Raf Simons für Dior in der Prêt-à-porter-Woche, die nach mehr als 100 Schauen am Mittwoch zu Ende ging, verdanken sich der Marktmacht des herrschenden Kapitals. Das Feuerwerk an Marketing blendet die Mode-Menschen so sehr, dass sie sogar glauben, bei Yves Saint Laurent sei gerade die Revolution ausgebrochen - dabei war es gerade einmal ein Revolutiönchen.

Düsterter Hippie- und Westernlook

Ohne viel Geld im Rücken wird es für Neugründer und Familienunternehmer immer schwieriger, überhaupt noch durchzudringen. „Für neue Marken ist es geradezu unmöglich, in einen großen Department Store zu kommen“, sagt Peter Kriemler in seiner Rede zum Jubiläum, zu dem auch Charlène von Monaco als Kundin und die Bundesrätin Doris Leuthard als Schweizerin gekommen sind. „Denn wer kann schon beweisen, dass er viel Umsatz pro Quadratmeter macht, wenn er gerade anfängt?“

Jubiläen sind ein guter Grund für Feste. So rückten sich dieses Mal Chloé (60 Jahre) mit einer Ausstellung und die wiederbelebte Marke Vionnet (100 Jahre) mit einem festlichen Dinner in den Mittelpunkt. Es half aber nichts: Denn einen noch besseren Grund zum Feiern hatten Yves Saint Laurent und Dior, die ihre großen Premieren groß inszenierten. Raf Simons hatte für Dior am vergangenen Freitag eine starke und stringente Linie vorgestellt. Und Hedi Slimane?

Prêt-à-porter Paris - Mehr als 100 Internationale Designer präsentieren  in Paris ihre Mode-Kollektionen der Saison Frühjahr/Sommer 2013. Hedi Slimane zeigte als Chefdesigner für Yves Saint Laurent während der Prêt-à-porter Woche erstmals eine Kollektion © Fricke, Helmut Bilderstrecke 

Markenführung hat er im Konzern jedenfalls noch nicht gelernt. Er erfindet das neue Kürzel SLP (Saint Laurent Paris). Die Internetseite aber heißt weiterhin ysl.com. Und am Grand Palais hängen zur Schau am Montagabend die großen Buchstaben „YSL“. So ähnlich geht er mit der Mode um, nimmt die Stimmung der Siebziger auf mit Schluppenblusen, Volantkaskaden und weiten Jacken (den schönsten Teilen der Kollektion), macht aber einfach auch mit seinen altbekannten Zigarettenhosen weiter. So erneuert er weder YSL noch sich selbst - höchstens um den für eine Sommerkollektion äußerst düster und materialreich gestalteten kalifornischen Hippie- und Westernlook, den er zwar gut variierte, der aber mit seinen Fransen und den ewigen Schlapphüten einen Besucher an die selbst in Paris unvermeidliche kalifornische Stylistin Rachel Zoe erinnert.

Das Debüt kommt in der Kritik denn auch viel schlechter weg als die Dior-Premiere. Die Kritikerin Cathy Horyn von der „New York Times“ war wegen Jahre alter kritischer Töne gar nicht erst eingeladen worden. (Voll bekommen hat Slimane den überhitzten, überdunkelten und überbeschallten Saal natürlich doch, wenn auch nur mit Bloggern wie Susie Bubble.) Als Cathy Horyn die Kollektion aufgrund der Online-Bilder kritisierte, nannte Slimane sie am Dienstag per Twitter einen „schoolyard bully“ und - in Anspielung auf ihre Zuneigung zu Raf Simons - „eine verkleidete PR-Frau“: „Wenn es nach mir geht, bekommt sie nie wieder einen Platz bei Saint Laurent.“ Sie wird es verkraften.

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