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Präsidentschaftskandidat Peter Sodann Keine Gratis-Reise mit der „Astoria“

 ·  Peter Sodann, Tatort-Kommissar und Präsidentschaftskandidat der Linkspartei, muss an Land bleiben. Das „Ost-West“-Kabarett zusammen mit Norbert Blüm auf dem Luxuskreuzer „Astoria“ war fest eingeplant. Nun liegt das Schiff mit Motorschaden vor Barcelona fest.

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Noch sind Badehose und Sonnencreme nicht eingepackt – da duchkreuzt ein Antriebsschaden die Südsee-Reisepläne von Peter Sodann. Gemeinsam mit seiner Frau wollte er auf dem Kreuzfahrtschiff „Astoria“ vom australischen Sydney bis ins chinesische Hongkong reisen, vom 17. Januar an, fast vier Wochen lang. Und gemeinsam mit dem CDU-Politiker Norbert Blüm wollte der Präsidentschaftskandidat der Linkspartei auf dem Schiff mit Kleinkunst für Stimmung sorgen. Doch nun muss der Veranstalter absagen. Das Schiff bleibt mit einem Motorschaden in der Werft. Sodann und Blüm müssen zu Hause bleiben. Die Pointen, Volkslieder und Sketche zur aktuellen Politik auch.

Die Luxusreise auf der „Astoria“, die schon als „Arcona“ unter der Flagge der DDR über die Meere schipperte und verdienten Mitgliedern des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes der DDR zur Erholung diente, sollte den Mitreisenden vieles bieten: zwei Swimmingpools, Fitnessräume mit Meerblick, Champagnerfrühstück im australischen Regenwald, Besuch der Terrakotta-Armee, Höhenfeuerwerk. Der Preis für die Fahrt lag zwischen 3595 Euro in einer Vier-Betten-Kajüte und 10.345 Euro für die Senatorsuite.

„Ost-West“-Kabarettshow

Für Sodann, seine Frau und Blüm freilich wäre die Fahrt umsonst gewesen. Denn Sodann – der sein humoristisches Talent auch gerne bei Zeitungsinterviews zu seiner Präsidentschaftskandidatur aufblitzen lässt – wollte gemeinsam mit dem früheren Bundesarbeitsminister Norbert Blüm – dessen humoristische Höchstleistung in dem Satz „Denn eines ist sicher: die Rente“ verdichtet ist – allabendlich die „Ost-West“-Kabarettshow an Bord aufführen. Gemeinsam reisen die beiden schon seit mehr als einem Jahr als Kabarettisten über die Bühnen deutscher Städte.

Der Vertrag für das Engagement auf dem Kreuzfahrtschiff war zwar beschlossen worden, bevor die Linkspartei Sodann zu ihrem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten erkor. An der Entscheidung, als „Show-Act“ auf Kreuzfahrt zu gehen, hat die Kandidatur aber auch nichts geändert. Sodann verriet der „Bild“-Zeitung, das Kabarett-Engagement sei durchaus vereinbar mit der Kandidatur um das höchste Staatsamt. Die Frage, ob denn eine kostenfreie Kreuzfahrt nicht seine Glaubwürdigkeit beim Engagement für die Armen schmälere, tat er sogleich als „Blödsinn“ ab. Sodann wollte in der Kabarettshow gemeinsam mit Blüm die „Wirklichkeit hinter den Kulissen in Ost und West“ thematisieren. Als besonderen Höhepunkt hätten die Mitfahrer gar ein Abendessen mit den beiden gewinnen können.

Josef Ackermann als Kanzler

In dem Programm kommentieren Sodann und Blüm als Rentner im Altersheim einen fiktiven deutschen Zukunftsstaat des Jahres 2027, den der Vorsitzende der Deutschen Bank Josef Ackermann als Kanzler führt. Den würde Sodann, so sagte er es der „Sächsischen Zeitung“ vor wenigen Wochen, schon heute gerne verhaften – wenn er denn Polizeikommissar von Deutschland und nicht nur beim „Tatort“ wäre.

Doch all das musste der Reiseveranstalter, die „Transocean Tours“, jetzt absagen. Das Kreuzfahrtschiff liegt in Barcelona vor Anker und wird diesen auch in den nächsten Monaten nicht lichten. Bei einer Routinekontrolle der „Astoria“ sei ein Motorschaden festgestellt worden, der eine Weltreise unmöglich macht. Denn so ein Schiffsmotorschaden, sagt John Will, der Sprecher des Reiseveranstalters, koste nicht nur viel Geld, sondern vor allem viel Zeit. Allein für den Aus- und Einbau der Maschinenteile seien vier Wochen Arbeitszeit veranschlagt worden. Und da auch das Ersatzteil nicht auf Lager sei, müsse ein neues gefertigt werden. Das dauert dann noch mal drei Monate. Die Reisetermine seien daher nicht mehr einzuhalten gewesen, die Passagiere würden auf andere Schiffe umgebucht.

Kein Kabarett auf anderen Schiffen

Das gilt aber nicht für Sodann und Blüm: Da die beiden als Künstler und nicht als (zahlende) Passagiere eingeplant waren, wird ihnen auch keine Ersatzreise angeboten. „Wenn Herr Sodann eine Kreuzfahrt machen möchte“, sagt Will, „so kann er diese gerne regulär buchen.“ Auch ein alternatives Engagement von Sodann und Blüm auf einem anderen Schiff schloss Will aus. Die Kreuzfahrtschiffe, auf die die Passagiere umgebucht würden, hätten schließlich schon ihr eigenes Showprogramm.

Ob Sodann nun im Winter doch wieder in den Wahlkampf um die Bundespräsidentschaft eingreift oder sich ein anderes Kabarett-Engagement auf einem Kreuzfahrtschiff aufgetan hat, dazu wollte ein Sprecher Sodanns sich nicht äußern. Es sei eine „private Angelegenheit“. Die „Astoria“ aber soll mit repariertem Motor ab April 2009 noch dreimal auf Tour gehen, bevor sie saniert wird und einen neuen Namen bekommt. Für Peter Sodann dürfte es in dieser Zeit Terminüberschneidungen geben, denn zumindest einen Tag wird er sich wohl in seinem Terminkalender rot angestrichen haben: den 23. Mai 2009. An dem Tag wählt die Bundesversammlung den Bundespräsidenten.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Politik.

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