Home
http://www.faz.net/-gum-qhno
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Popstars gegen das Elend „Die Welt verändern“

03.07.2005 ·  Zehn Konzerte auf vier Kontinenten, Millionen Menschen hörten zu - „Live 8“ war das größte Pop-Spektakel der Geschichte. Zwischen den Liedern verkündeten Musiker ihre Botschaft, und Besucher schickten per SMS einen Aufruf gegen die Armut in der Welt.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)

Mit den „Live 8“-Konzerten in London und der amerikanischen Metropole Philadelphia ist das größte Musikereignis der Geschichte am frühen Sonntag morgen mitteleuropäischer Sommerzeit zu Ende gegangen.

Mit der weltumspannenden Konzertreihe in acht Städten auf vier Kontinenten wollte die internationale Pop- und Rockelite ein Zeichen gegen Armut und Elend setzen. Musiker wie Paul McCartney, Bono, Elton John, Jon Bon Jovi, Madonna und Robbie Williams appellierten an die Staats- und Regierungschefs des bevorstehenden G8-Gipfels in Schottland, mehr für die Ärmsten der Armen zu tun (siehe auch FAZ.NET-Spezial: Vor dem G8-Gipfel).

„Das Tor zur Hoffnung“

Beim deutschen „Live 8“-Konzert in Berlin drängten sich mehr als 200.000 Menschen. Im Londoner Hyde Park demonstrierten eben so viele Fans ihre Solidarität. Das weltweit größte „Live 8“-Event eröffnete am Abend Hollywoodstar Will Smith in Philadelphia vor rund einer Million Fans.

Live 8: Pop gegen Armut in aller Welt

In einer Anzeige in der britischen Zeitung „The Times“ hatten die beteiligten Musiker geschrieben: „Die 8 von Live 8 sind nicht etwa 8 Musiker oder Bands, sondern Sie - die 8 G8-Führer.“ UN-Generalsekretär Kofi Annan dankte in London allen engagierten Musikern: „Ich glaube, daß Ereignisse wie diese wirklich dazu beitragen können, die Welt zu verändern“, sagte er. Zum Abschluß des Konzertes in Johannesburg in Südafrika appellierte Ex-Präsident Nelson Mandela an die Industrienationen, keine leeren Versprechungen zu machen: „Sie haben die historische Gelegenheit, das Tor zur Hoffnung aufzustoßen.“

„Das kann nicht so weitergehen“

Die Konzerte in London und Philadelphia waren mit Stars der internationalen Film- und Musikszene am hochkarätigsten besetzt: Ex-Beatle McCartney hatte „Live 8“ in der britischen Hauptstadt eröffnet und auch zu Ende gehen lassen. Nur für den „Live 8“-Auftritt hatten sich Pink Floyd wiedervereinigt.

„3.000 Afrikaner, die meisten davon Kinder, sterben jeden Tag an einem Mückenstich. Wir können das ändern“, mahnte U2-Frontmann Bono. Der Schauspieler Brad Pitt ergänzte später: „Wenn dieses Konzert endet, werden 30.000 Afrikaner an extremer Armut gestorben sein. Morgen abend wieder 30.000. Das kann nicht so weitergehen.“ Microsoft-Gründer Bill Gates, der über seine Stiftung mehr als eine Milliarde Dollar für Sozial- und Gesundheitsprojekte weltweit gespendet hat, sagte, wenn die Ziele verwirklicht würden, für die „Live 8“ stehe, wäre dies „das Beste, was die Menschheit jemals getan hat“.

„Die Bürde des Schuldenerlasses“

Der irische Musiker, Sir Bob Geldof, der auch schon das legendäre „Live Aid“-Konzert vor 20 Jahren (Bilder des Konzertes von 1985: Live 8: Singen für Afrika) organisiert hatte, bedankte sich bei den Zuschauern: „Wenn keiner gekommen wäre, sähen wir jetzt ganz schön alt aus.“

In der schottischen Hauptstadt Edinburgh, wo sich die Regierungschefs der G8-Länder in der kommenden Woche treffen, demonstrierten am Samstag 120.000 Menschen für die Bekämpfung der Armut. In einer vom schottischen Kardinal Keith O'Brian verlesenen Botschaft forderte Papst Benedikt XVI.: „Die Völker der reichen Länder müssen dazu bereit sein, die Bürde des Schuldenerlasses der armen Länder auf sich zu nehmen.“

„Man muß sie schubsen, schubsen, schubsen“

In Berlin hatten Die Toten Hosen mit Campino den Musikmarathon vor dem Brandenburger Tor eröffnet. Dabei waren mehr als 20 Bands und Künstler wie Green Day, BAP, Die Söhne Mannheims, Wir sind Helden, Juli, „Beachboy“ Brian Wilson und Herbert Grönemeyer. „Man sieht, daß die Mächtigen dieser Welt dabei sind, leicht einzuknicken. Aber man muß sie schubsen, schubsen, schubsen“, sagte Campino.

Das erste „Live 8“-Konzert hatte am Morgen bei Tokio begonnen - dort jubelten die Fans der isländischen Sängerin Björk zu. In Johannesburg sangen vor 40.000 Menschen überwiegend südafrikanische Musiker. Mehr als 200.000 Fans tanzten in Rom bei sommerlicher Hitze zu Zucchero und Duran Duran. Im französischen Versailles traten der aus dem Kongo stammende Rapper Passi und Shakira auf. In Barrie in Kanada eröffnete der einheimische Sänger Tom Cochrane das Konzert, für das 35.000 Tickets verteilt worden waren. In Moskau kamen rund 20.000 Fans auf den Roten Platz, unter anderem zu den Pet Shop Boys.

„Die größte Textsammlung der Welt“ - per SMS

Zur Unterstützung der „Live 8“-Kampagne haben mehr als 26,4 Millionen Menschen weltweit übers Telefon SMS-Kurzbotschaften versendet - die Veranstalter werten das als Weltrekord.

„Das ist definitiv der größte politische Aufruf, aktiv zu werden“, sagte Ralph Simon, der den Eingang der Botschaften in Philadelphia in den Vereinigten Staaten koordinierte. „Das beweist, daß man mit dem Daumen einen Abdruck hinterlassen kann, der zu einer Stimme wird, die zu einem Aufruf, die Armut auf der Welt zu beenden, wird.“ Bono und Geldof könnten zum G8-Treffen gehen und sagen: „Wir haben die größte Textsammlung der Welt erstellt.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und Reuters
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel