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Playmobil „Damit verarbeiten die Kinder, was sie tagtäglich erleben“

Playmobil hat ein Spielset auf den Markt gebracht, das eine blonde Bankräuberin beim Überfall zeigt. Kritiker werfen Playmobil vor, Kindern damit eine falsche Botschaft zu vermitteln. Die Unternehmenssprecherin hält die Vorwürfe für unbegründet.

© Hersteller Vergrößern Gefährliche Blondinen: Playmobil-Set „Bank mit Geldautomat“

Frau Weingart, ein Playmobil-Spielset für Kinder ab vier Jahren hat für ein wenig Aufregung gesorgt, sogar in amerikanischen und englischen Zeitungen. Es heißt ganz harmlos „Bank mit Geldautomat“, zeigt aber tatsächlich die durchaus unheimliche Szenerie eines Banküberfalls. Was haben Sie sich dabei gedacht?

Es ist immer schwierig, wenn ein Playmobil-Produkt aus dem Zusammenhang gerissen wird. Playmobil ist ein Spielzeugsystem, das mehr als 25 verschiedene Spielwelten anbietet. Dazu gehört die Polizei. Und da braucht es natürlich auch einen Bösewicht, den die Polizei verhaften kann. In früheren Versionen gab es mal einen Museumsräuber und einen Dieb mit Geldkoffer. In diesem Fall ist es die Bankräuberin. Wenn Raubritter den Goldschatz der anderen Ritter rauben, dann ist das eine ähnliche Situation, die allerdings zeitlich und ideell weiter weg ist. Deswegen rückt möglicherweise jetzt dieser Artikel in den Fokus.

In England werfen Waffengegner Ihnen vor, Kindern eine falsche Botschaft zu vermitteln.

Der Erfinder von Playmobil, Hans Beck, ist ein friedliebender Mensch gewesen. Er wollte, dass die Cowboys und Indianer keine Waffen tragen. Aber es gab so viele Konsumentenbriefe, dass das ja wohl nicht sein könne, dass man sich dann anders entschieden hat. Es geht auf der einen Seite um eine gewisse Realitätsnähe, also um die Authentizität einer Situation, und es geht beim Rollenspiel um die Szenerie Gut gegen Böse. Das gibt Kindern die Möglichkeit, auch mal der Böse und auch mal aggressiv zu sein, aber eben im Rollenspiel. Damit verarbeiten die Kinder, was sie tagtäglich erleben. Und eine Polizei ohne eine Pistole, mit der sie sich gegen die Bösen durchsetzen kann, ist auch in den Augen der Kinder nicht glaubwürdig. Wir haben uns da durchaus nach den Wünschen der Kinder gerichtet.

Playmobil muss 2011 leichten Umsatzrueckgang hinnehmen Seit Jahrzehnten finden sich die bunten Figuren in vielen Kinderzimmer. © dapd Bilderstrecke 

Das Bankraub-Set ist seit einem Jahr auf dem Markt - aber ist es nicht schon jetzt total veraltet? Die Zahl von Banküberfällen geht seit Jahren zurück, vor allem wegen der besseren Videoüberwachung.

Die Entscheidung, eine Bankräuberin als die Böse darzustellen, geht auch sicher schon einige Jahre zurück, das ist ein Entwicklungsprozess, der zwei bis drei Jahre dauert. Wir haben in dem Jahr, in dem der Artikel auf dem Markt ist, überhaupt keine nennenswerten Zuschriften bekommen, und es gab zuvor keine Berichterstattung in den Medien.

Der Bankräuber ist eine blonde Frau. Ist das der Beitrag von Playmobil zur Emanzipation?

Es gibt ganz viele Frauenrollen im Playmobil-Sortiment: Es gibt Feuerwehrfrauen, Piratinnen, Ärztinnen. Es gibt alle möglichen Rollen, die Frauen heute in der Gesellschaft haben. Warum soll nicht eine Frau auch mal der Bösewicht sein?

Nur fünf Prozent aller Banküberfälle werden von Frauen verübt, die Zahl der Blondinen darunter dürfte noch mal geringer sein. Das ist doch eine Scheinwelt, die Sie hier errichten.

Bei den Themen, die sich mit dem modernen Leben auseinandersetzen, wie Feuerwehr, Polizei oder auch Krankenhaus, versuchen wir natürlich, realitätsnah zu sein. Aber es ist immer noch ein Spielzeug. Und ob es die ideale Wahl war, eine Bankräuberin auszusuchen oder einen Bankräuber, das überlasse ich einfach der Mehrheit der Kinder. Die sind ja sowieso sehr flexibel und tauschen die Figuren, wie sie gerade möchten. Es kann ja auch sein, dass in der Bank plötzlich der Pirat steht.

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Polizisten gehören nicht zu dem Set, die muss man extra dazukaufen. Eine Kapitulation vor dem Verbrechen?

Nein. Playmobil ist ein Systemspielzeug. Da gehört eins zum anderen, und nur eins zum anderen macht Sinn.

Das Set ist in der Serie „City Action“ erschienen, da gibt es ein weiteres Set namens „Diebstahl im Museum“. Was dürfen die Kinder als Nächstes erwarten: Spielsets zur Geldfälschung, Brandstiftung oder Schutzgelderpressung?

Was die Brandstiftung angeht: Viele Feuerwehren verwenden die Playmobil-Feuerwehrprodukte für die moderne Brandschutzerziehung. Sie brauchen also nichts zu befürchten.

Die Fragen stellte Jörg Thomann.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.02.2013, 17:10 Uhr

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