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Playmate : Liebe Esther!

Esther Welvaarts ist Playmate Mai 2009 Bild:

Wenn Du nicht Gesicht und Körper der Krise bist, wer dann? Wie Du da kniest, stehst, sitzt! Dein Name bedeutet „die Leuchtende“, „die Strahlende“, aber das hast Du wahrscheinlich längst gewusst - ein Liebesbrief.

          Esther! Wenn Du nicht Gesicht und Körper der Krise bist, wer dann? Wie Du da kniest, stehst, sitzt! Mal nur mit langen und schwarzen Stiefeln bekleidet, die, wenn man nur auf sie achtet, aussehen, als müssten wir uns im kommenden Sommer warm anziehen; ein andermal nur mit Schühchen, die deine pedikürten Zehen freilegen, gerade so, als wollten sie sagen: Fußpflege darf, ja muss auch in der Krise sein! Schon wegen der Fußpflegerinnen!

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Dein Höschen, das von keinem Rock und keiner Hose verdeckt wird, ist ein Höschen der Marke Björn Borg, der es heute, nach zeitweiligen Schwierigkeiten, ganz gut gehen soll. Und dann Deine Brüste, die uns, auch wenn sie sich der Natur verdanken mögen, in ihrer künstlichen Anmutung das Vertrauen in Machbarkeit und Märkte zurückgeben.

          Bescheiden geblieben

          So, wie Du aussiehst, Esther, lässt Du uns glauben, Du könntest Dir fast nichts leisten – und dann doch wieder alles. Könnte es in der Krise eine schönere Dialektik geben? Was meinst Du? Jedenfalls bist Du anders als die ganzen Investmentbanker und Börsenbroker bescheiden geblieben oder bescheiden geworden.

          Als Deinen Traum gibst Du, die Du 1977, vier Jahre nach der einen und zwei Jahre vor der anderen Ölkrise, geboren bist, an, dass Du in den nächsten zehn Jahren Kinder bekommen wollest und in noch näherer Zukunft Deine Ausbildung zum Wedding-Planer zu Ende bringen. Eben das tut momentan not, und Deine Formen, in Umgang wie Erscheinung, werden Dir beides zum Leichtesten werden lassen.

          Genauso Deine Haare, die mal liegen, mal fliegen. Deine Fingernägel, Dein Bauchnabel, Deine Haut! Schließlich Dein Name: Esther. Eine der großen Retterinnen des Alten Testaments heißt so; und weißt Du, was Dein Name bedeutet? Die Leuchtende, die Strahlende. Du wirst es längst gewusst haben – so, wie Du lächelst.

          Der Zeit voraus

          Schon im April hast Du Dir noch vor den Kindern und dem Abschluss der Wedding-Planer-Ausbildung einen anderen Traum erfüllt und bist – Deiner Zeit auch hier weit voraus – das sogenannte Playmate des Monats Mai geworden; in einem Zeitraum also, der uns außer der Sonne, die auch für die Ärmsten der Armen scheint, nur Schlechtes gebracht hat: Die Bank UBS musste Mitarbeiter entlassen, Woolworth ging pleite, und was Dich, Esther, am meisten berührt haben wird: Das KaDeWe soll verkauft werden.

          Was das alles mit Dir und der wirtschaftlichen Lage zu tun hat, wirst Du fragen. Gar nicht so wenig! Nach einer Studie von Terry F. Pettijohn II. und Brian J. Jungeberg, vielleicht kennst Du sie ja, sie erschien 2004 im „Personality and Social Psychology Bulletin“, sind in sozial und ökonomisch schwierigen Zeiten wie diesen die Playboy-Playmates, die ja ein Abbild des männlichen Massengeschmacks sein sollen, älter, größer und (deshalb) auch schwerer als in den guten Zeiten.

          Alles richtig gemacht

          Wenn Krise ist und Schönheit die härteste aller Währungen, dann verzehren sich die Männer offenbar nach röhrenförmigen Frauen mit im Verhältnis zu den Hüften und zu den Brüsten breiterer Taille, kleineren Augen, weniger Kurven. Je stärker uns der Wind ins Gesicht bläst, meinen die Forscher, desto größer wird das Sicherheitsbedürfnis von Männern, das sie bei einem Frauentyp befriedigt zu finden glauben, der Reife und Unabhängigkeit ausstrahlt – so wie Du, die Du mit Deinen 32 Lenzen zumindest älter bist als die meisten anderen Playmates und mit Deinen 1,77 Metern auch recht groß. Kann es da noch verwundern, dass Du selbst auf „große, ältere“ Männer stehst, die den Eindruck machen, krisenfest zu sein?

          Etwas kommt noch hinzu, Esther. Nach der Studie ist es nämlich so, dass die Aussicht, sich reproduzieren zu können, in Krisenzeiten weniger starken Eindruck auf Männer macht als die Präsenz einer Frau, der man ohne Weiteres zutraut, dass sie ihr eigenes Geld verdienen kann. Insofern, Esther, machst Du alles richtig: erst in den „Playboy“, dann die Ausbildung, dann die Kinder.

          Quelle: F.A.Z.

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