19.08.2001 · Das neu entdeckte Planetensystem um den Stern Ursae Majoris weckt den Jagdinstinkt der Forscher. Ist dort ein lebensfreundlicher Planet?
Es geht wieder einmal um die alte Menschheitsfrage: Sind wir allein im All? Wann immer sich eine Chance bietet, einen lebensfreundlichen Planeten - eine „zweite Erde“ - zu finden, herrscht Aufregung unter den Wissenschaftlern. Die jüngsten Planetenentdeckungen im Sternbild Großer Wagen nähren einmal mehr die Hoffnung, endlich eine Antwort auf die Fragen aller Fragen zu bekommen.
Zielpunkt künftiger Bemühungen so genannter Planetenjäger ist der Stern 47 Ursae Majoris. Dort fand man jüngst bereits einen Planeten, der etwa drei viertel so groß ist wie der Jupiter, der größte Begleiter unserer Sonne. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt war ein Trabant von Ursae Majoris entdeckt worden, der die doppelte Größe Jupiters hat.
Nahezu kreisförmige Umlaufbahnen
Entscheidend für das neuerliche Jagdfieber nach einer zweiten Erde ist aber nicht die bloße Existenz dieser Himmelskugeln, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich diese Planeten ebenso wie die neun Begleiter der Sonne in nahezu kreisförmigen Bahnen um ihren Stern bewegen. Dies gilt als eine wichtige Voraussetzung für stabile Verhältnisse auf einem Planeten. Viele der mehr als 70 bisher aufgespürten extrasolaren Planeten bewegen sich dagegen auf exzentrischen, stark elliptischen Bahnen, so dass sie ihrer Sonne mal sehr nahe kommen, mal sehr weit von ihr entfernt sind. Dadurch entstehen derart riesige Temperaturunterschiede auf diesen Planeten, dass Leben auf ihnen unmöglich scheint.
Anders verhält es sich offenbar bei dem System von Ursae Majoris, einem sonnenähnlichen Stern, der 51 Lichtjahre von uns entfernt ist. Diese Sonne umkreisen - wie die aktuellen Funde zeigen - nicht nur Planeten von der Größe wie sie in unserem System existieren, sondern sie tun dies eben auf stabilen Bahnen. Damit ist kein bisher bekanntes Planetensystem unserem System ähnlicher. Grund genug zu glauben, dass es dort auch kleinere, erdähnliche Himmelskörper zu finden sind, die zudem den Stern in einem lebensförderlichen Abstand umkreisen.
„Planet Finder“ soll Sternenlicht ausblenden
Um derartige Planeten zu entdecken, wollen die Forscher nun gezielt danach suchen. Vorgehen will man nach zwei Strategien. Zum einen soll ein Weltraumteleskop permanent Aufnahmen von Ursae Majoris und ähnlichen Sternen machen. Auf diese Weise glaubt man entdecken zu können, wenn kleine Planeten sich auf ihrer Umlaufbahn vor den Stern schieben und dessen Licht leicht vermindern. Zum anderen plant man bereits die Konstruktion eines so genannten „Planet Finders“. Dieser soll ein riesiges multiples Weltraumteleskop sein, dass das Licht des zu beobachtenden Sterns ausblenden kann, so dass die schwach leuchtenden Planeten zu sehen wären. Spektrometer könnten gleichzeitig die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren, so dass man Rückschlüsse auf eine lebensfreundliche oder -feindliche Umwelt ziehen könnte. Ein solches Gerät könnte die Nasa 2010 in den Weltraum bringen.
„Es ist erstaunlich, aber es scheint, dass wir einige Antworten auf unsere Fragen noch zu unseren Lebzeiten erhalten werden“, freut sich Planetenforscher Paul Butler von der Carnegie Institution in Washington bereits. Die Fortschritte der Wissenschaftler scheinen allerdings immens. Erst vor gut zwei Jahren - im April 1999 - wurde erstmals ein extrasolares Planetensystem gefunden. Nun geht man bereits die Suche nach einer „zweiten Erde“ an.