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Plage : Die Rückkehr der Ratten

  • -Aktualisiert am

Wo ist die Nahrung? Ratten sind immer auf der Suche Bild: AP

Der Winter fiel aus, der Sommer ist schon da: Beste Bedingungen für die Horden der Nager, die die Städte heimsuchen. Schon kommen Horrormeldungen über Rattenplagen aus aller Welt. Das Gefährlichste ist: Gegen viele Gifte sind die Tiere längst resistent.

          München rattenfrei? „Das wäre schön“, seufzt Michael Hayn, der leitende Gesundheitsaufseher der Stadt. Um dann eilig zu versichern: „Wir haben das Problem fest im Griff.“ In den Ordnungsämtern der meisten deutschen Kommunen bekommt man ganz andere Auskunft. Von einer Rattenplage mag dennoch niemand sprechen. Oder nur hinter vorgehaltener Hand.

          Der Hambuger Maler und Illustrator Hinnerk Bodendieck kann das Wort „Rattenbefall“ nicht mehr hören, seit er aus einem Kurzurlaub nach Hause zurückkehrte und sein Atelier „verdreckt und verwüstet“ vorfand: „überall Rattenkot, alle Vorräte aufgefressen, die Tetrapacks angenagt und ausgelaufen“.

          Verendetes Tier stank wie die Pest

          Eine „komplette Familie“ war auf dem Ausflug von den Alster-Niederungen in die Innenstadt durch ein Loch in der Kanalisation in den Wohnblock eingedrungen und auch mit Kammerjägerhilfe erst nach Wochen aus dem Haus zu bringen. „Ich habe in der Küche den Fußboden herausreißen müssen“, stöhnt Bodendieck, „weil ein verendetes Tier wie die Pest gestunken hat - aber einfach nicht zu finden war“.

          Schnellrestaurants geschlossen: New York hat ein Rattenproblem
          Schnellrestaurants geschlossen: New York hat ein Rattenproblem : Bild: picture-alliance/ dpa

          Ein Apotheker in Ostwestfalen, der nun fürchtet, dass ihm die Kundschaft wegbleibt, „wenn sich das herumspricht“, rief erst Polizei und Feuerwehr, als er der Ratteninvasion in Hinterhof und Treppenhaus nicht mehr Herr wurde. Dann lief er zum Kadi und klagt jetzt gegen den Hausherrn - weil nach dem Infektionsschutzgesetz der Grundbesitzer bei der Bekämpfung der schädlichen Nager in der Pflicht wäre, aber seit Wochen nichts unternommen hat.

          Eine Ratte pro Einwohner - mindestens

          Zwar mache ein milder Winter tatsächlich noch keine Rattenplage, glaubt der Biologe Heinz Peper vom Naturschutzbund „Nabu“ in Hamburg. Doch Ratten und Mäuse sind anscheinend mehr geworden, nicht nur in den großen Städten. Denn „nicht nur die Mülleimer und die Komposthaufen quellen über von Speiseresten“, sagt Rainer Gsell, der Vorsitzende des Verbands der Schädlingsbekämpfer in Deutschland. „Für Ratten sind auch die Fußgängerzonen mit den zahllosen Imbissbuden und Fast-Food-Restaurants längst zu einem Abfallparadies geworden.“

          Natürlich habe man Rattenbefall, verlautet es aus dem Frankfurter Römer. Auch in Mainz will man in diesem sommerlichen Frühjahr deutlich mehr Ratten und Mäuse an den Ufern von Rhein und Main beobachtet haben als in den Jahren zuvor. Eine Ratte pro Einwohner - das war lange Zeit eine gültige Hochrechnung, die auch von professionellen Rattenfängern nie bezweifelt wurde. In Wiesbaden liegen die Schätzungen längst bei vier Ratten pro Kopf der Bevölkerung, in ländlichen Regionen sogar noch deutlich darüber. Obwohl „keiner die Viecher zählt und präzise Zahlen darum nirgendwo zu bekommen sind“, wie Rainer Gsell zugibt, der seit 25 Jahren in der „Igitt-Branche“ tätig ist.

          Rudelweise durch die Vorratskammern

          Rattenplage? Anita Plenge-Bönig, Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt, hält das Wort für unangemessen. Ein Viertel mehr Anzeigen aus der Bevölkerung als üblich seien es nach dem warmen Sommer des Jahres 2006 zum Beispiel in Hamburg gewesen. Vielleicht tatsächlich ein Hinweis auf einen Zuwachs der Rattenpopulation - vage genug allerdings. Das will die gelernte Infektionsepidemiologin gern einräumen.

          Die Rückkehr der Ratten in die großen Städte hat sich inzwischen zum globalen Phänomen ausgewachsen. So muss jedenfalls denken, wem die Horrormeldungen der vergangenen Monate noch in Erinnerung sind. In New York werden Schnellrestaurants wegen Rattenbefalls geschlossen. In einem dieser Lokale wird eine Kellnerin ins Bein gebissen, in einem anderen fällt eine Ratte von der Decke, in einem dritten, so zeigen Fernsehbilder, laufen die Tiere rudelweise durch die Vorratskammern.

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