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Pistorius-Prozess Cowboy mit Polizeimarke

Neue Volte im Fall Oscar Pistorius: Nun wird der Chefermittler, Detective Hilton Botha, wegen Mordversuchs angeklagt. Die Polizeichefin hat Botha von dem Fall abgezogen.

© Getty Images Selbst unter Verdacht: Detective Hilton Botha am Mittwoch als Zeuge der Anklage – und noch nicht auf der Anklagebank.

Eigentlich sollte am Donnerstag vor dem Magistratsgericht in Pretoria abermals darüber verhandelt werden, ob der wegen vorsätzlichen Mordes an seiner Freundin angeklagte Profisportler Oscar Pistorius bis zur Hauptverhandlung gegen Kaution auf freien Fuß kommt. Doch um den Angeklagten ging es zumindest am Vormittag vor Gericht nur am Rande. Im Rampenlicht stand vielmehr der Chefermittler im Fall Pistorius, Detective Hilton Botha, der, wie am Donnerstag bekannt wurde, selbst wegen siebenfachen Mordversuches angeklagt ist. Dem Kriminalbeamten und zwei Kollegen wird vorgeworfen, im November 2011 ohne triftigen Grund das Feuer auf einen mit sieben Personen besetzten Kleinbus eröffnet zu haben.

„Ablösung hat keine Auswirkungen auf den Fall“

Thomas Scheen Folgen:

Am Freitag wurde Botha auf Geheiß der Polizeichefin Riah Phiyega von dem Pistorius-Fall abgezogen, womit die Anklage den zweiten Tiefschlag in zwei Tagen kassierte. Demselben Detective Botha waren am Mittwoch von Pistorius’ Verteidigung schlampige Ermittlungen nachgewiesen worden und das hitzige Kreuzverhör hatte mit Bothas Eingeständnis geendet, nichts am Tatort widerspreche der Darstellung von Pistorius, er habe Reeva Steenkamp aus Versehen erschossen, weil er sie für einen Einbrecher gehalten habe. Zwar beeilte sich die Staatsanwaltschaft zu versichern, die Ablösung Bothas habe keine Auswirkungen auf den Fall Pistorius. Die Glaubwürdigkeit der polizeilichen Beweisführung hat trotzdem gelitten, zumal die Vorwürfe gegen Botha, sofern sie der Wahrheit entsprechen, den bisherigen Chefermittler als Cowboy mit Polizeimarke erscheinen lassen.

Die Anschuldigungen gegen den Polizisten, der seit 24 Jahren für das Morddezernat der Polizei in Pretoria arbeitet, beziehen sich auf Ermittlungen zu einem Mordfall im November 2011. Damals war die 55 Jahre alte Büroangestellte Denise Stratford in Pretoria auf dem Parkplatz ihrer Firma überfallen und erschossen worden. Die Leiche wurde zwei Tage später in einer Sickergrube unweit ihres Arbeitsplatzes gefunden. Die Spurensicherung brauchte sieben Stunden, um die Leiche zu bergen. Drei Tage nach dem Mord nahmen die Ermittler unter der Leitung von Hilton Botha einen 23 Jahre alten Mann fest, der als Wachmann auf dem Gelände der Firma arbeitete. In seinem Besitz wurde das Auto der Ermordeten gefunden, dazu persönliche Gegenstände von Frau Stratford, eine nicht lizensierte Schusswaffe sowie blutverschmierte Kleidung.

23308166 © AFP Vergrößern Um ihn ging es am Donnerstag im Gericht nur am Rande: Oscar Pistorius

Ein widersprüchlicher Dezembertag

Das Blut wurde später als das des Opfers identifiziert. Der Festgenommene behauptete, nicht alleine gehandelt zu haben, sondern in Täterschaft mit einem anderen Wachmann, dem 30 Jahre alten Ode Gaueh. Den suchten Botha und seine zwei Kollegen Lawrence Nicolas und Adriaan Bester eigenen Angaben zufolge an jenem Tag Anfang Dezember 2011, als es zu den Schüssen auf den Kleinbus kam. Auf einem Busbahnhof in der Provinz Mpumalanga - und damit außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs - glaubten die Polizisten aus Pretoria ihn gefunden zu haben, als sie einen Gaueh ähnlich sehenden Mann beim Besteigen eines Kleinbusses beobachteten. Die Beamten versuchten, das Fahrzeug zu stoppen. Die Schilderungen des Folgenden gehen weit auseinander.

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