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Pirelli-Kalender 2009 : „Nur Schönheit kann die Welt retten“

  • Aktualisiert am

Titelfoto des neuen Pirelli-Kalenders: „Schöne Frauen sind fast das Letzte, was uns bleibt von der Natur” Bild: ddp / Pirelli Kalender 2009, Peter Beard

Peter Beard will den Menschen einen kleinen Hieb auf die Finger verpassen, weil sie die Natur und die Schönheit zerstören. Der Fotograf über seinen Pirelli-Kalender 2009, die Nähe zwischen Mensch und Elefant - und ein verhängnisvolles Picknick.

          Peter Beard will den Menschen einen kleinen Hieb auf die Finger verpassen, weil sie die Natur und die Schönheit zerstören. Der Fotograf über seinen Pirelli-Kalender 2009, die Nähe zwischen Mensch und Elefant - und ein verhängnisvolles Picknick.

          Herr Beard, was fasziniert Sie mehr: Frauen oder Elefanten?

          Hängt davon ab, wer zuerst vorbeikommt.

          Weil sein geliebtes Afrika von einst zerstört ist, muss Peter Beard nackte Frauen fotografieren und im Adlon auf die Menschheit schimpfen
          Weil sein geliebtes Afrika von einst zerstört ist, muss Peter Beard nackte Frauen fotografieren und im Adlon auf die Menschheit schimpfen : Bild: Matthias Lüdecke - FAZ

          Für den Pirelli-Kalender 2009 haben Sie beide fotografiert.

          Ein Traum! Das Beste aus zwei Welten! Sie müssen zugeben: Schöne Frauen sind fast das Letzte, was uns bleibt von der Natur. Weil der Mensch den Rest zerstört hat.

          Aber warum müssen die Mädchen sich im Schlamm aalen, auf Bäume klettern oder einen fetten Käfer auf der Wange ertragen?

          Ich hatte nun mal diesen Käfer: groß, aber harmlos. Und das Model, Isabeli Fontana, ist eine gute Freundin von mir. Sie hat schreckliche Angst vor Käfern. Aber da musste sie durch. Sie hat geweint.

          Warum haben Sie ihr das angetan?

          Ich wollte, dass mein Lieblingsmodel auf eins der besten Bilder kommt: ihre Schönheit zusammen mit dem Käfer mit den haarigen Beinen. Gefällt Ihnen das Bild?

          Ich mag auch keine Käfer.

          Dann ist das Foto eine Herausforderung. Der Käfer ist Teil der Natur. Er hat keinen Stachel, kein Gift, nichts.

          Was bedeutet für Sie das Zusammenspiel zwischen weiblicher Schönheit und Natur?

          Ich wüsste zehn Antworten auf diese Frage.

          Zwei würden mir reichen.

          Das Bild soll auf den Betrachter so intensiv wie möglich wirken.

          Und außerdem?

          Der Käfer steht für viele, viele hundert Millionen Jahre Evolution, wir Menschen für gerade mal acht Millionen. Wir sind nichts. Ohne Käfer würde jedes Ökosystem innerhalb von drei Monaten zusammenbrechen. Gäbe es keine Menschen, wäre das nur zum Guten. Wir sind das größte Problem dieser Welt.

          Hat Ihr Kalender also eine politische Botschaft?

          Politik ist das nicht. Mehr ein kleiner Hieb auf die Finger.

          Das Afrika auf Ihren Bildern ist das von Karen Blixen und Joseph Conrad. Ist das denn zeitgemäß?

          Ich will mich gar nicht der heutigen Zeit angemessen verhalten. Ich möchte so sein, wie es mir gefällt. Und mir gefällt das Afrika, das wir zerstört haben. Wir haben alles verändert. Wir haben Zirkusse, wir haben Zoos, selbst afrikanische Nationalparks sind eigentlich Zoos. Und trotzdem behaupten wir, Elefanten zu lieben.

          Warum lieben Sie Elefanten?

          Ich kann mir nicht vorstellen, sie nicht zu lieben.

          Immerhin hätte einer Sie beinahe umgebracht.

          Das stimmt. Aber da hatten Afrikaner die Herde beschossen. Tatsache ist: Elefanten sind uns Menschen sehr, sehr nahe. Wir haben ähnliche Charakteristika: Wir kämpfen um schwindende Ressourcen, entwickeln territoriale Neurosen, unser Verhalten degeneriert angesichts von Stress und Bevölkerungsdichte, und es kommt zu Gewalt und Vandalismus. Und dann passen wir uns dem Übel an, das wir selbst angerichtet haben.

          Haben Sie dem Elefant verziehen, der 1996 seinen Stoßzahn durch Ihr Bein gebohrt und ihre Hüfte zertrümmert hat?

          Verziehen? Das ist eine Frage von Ursache und Wirkung. Die Landnahme durch menschliche Siedlungen hat dazu geführt, dass Elefanten Felder abfressen. Darüber beschweren sich Menschen bei der Regierung, die Regierung stellt eine Abschussgenehmigung aus, und dann schießen die Leute einfach mitten in die Herde rein. Selbst wenn kein Elefant stirbt, haben sie alle Tiere wütend gemacht.

          Denken Sie noch an den Unfall?

          Jeden Tag. Ich kann nicht mehr gut laufen. Und ich bestehe sozusagen komplett aus Metall. 28 Schrauben, sieben Platten.

          Wie ist es dazu gekommen?

          Ich war damals an der Grenze zwischen Kenia und Tansania unterwegs, in Begleitung eines Jägers, aber wir hatten weder Gewehr noch Kamera dabei. Wir haben ein Picknick gemacht in dieser Gegend, wo Elefanten eigentlich selten sind, und uns deshalb im ersten Moment über die Tiere gefreut. Dann haben wir eine Warnung gekriegt, da waren sie etwa hundert Yards entfernt: Ein Elefant kam ein Stück auf uns zu und schleuderte mit gesenktem Kopf Sachen umher. Dann ist er zur Herde zurückgekehrt, wir haben uns langsam davongemacht. Und plötzlich kommt das Tier hinter uns hergerannt, bergab. Wir drehen uns um und kapieren: Der hält nicht an. Eine Fünzig-zu-fünfzig-Chance. Ich zog den Elefant.

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