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Pinguine in der Antarktis Hier herrscht jetzt Sommer

01.02.2012 ·  In der Antarktis ziehen die Pinguine gerade ihren Nachwuchs auf. Dabei hilft ihnen eine Wärmeregulation, von der wir durchaus lernen könnten.

Von Carl-Albrecht von Treuenfels
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© Carl-Albrecht von Treuenfels Nestwärme in der Antarktis: Ein männlicher Zügelpinguin hütet die Jungen.

Kälte? Für die Jungtiere, von denen es in der Antarktis gerade nur so wimmelt, ist das kein Thema. Neben Robben nutzen viele Vögel den Sommer auf der südlichen Erdhälfte zur Aufzucht ihres Nachwuchses - und unter diesen Vögeln sind die vielen Pinguin-Arten am zahlreichsten. Wenn man sich zum Ausbrüten und zur Aufzucht des Nachwuchses eine der kältesten Regionen der Welt aussucht, dann muss man sich vor Kälte gut schützen können, und zwar von Kindesbeinen an.

Vier der insgesamt 17 Pinguin-Arten, die es auf der Welt gibt, sind besonders an den eisigen Lebensraum gebunden. Unter ihnen ist der Kaiserpinguin mit einer Körperlänge von einem Meter der größte. Er brütet dem Südpol am nächsten. Gemeinsam mit dem etwas kleineren Königspinguin, der in zum Teil großen Kolonien auf verschiedenen Inseln rund um die Antarktis seine Jungen aufzieht, gehört er einer eigenen Gattung innerhalb der Familie an, den Großpinguinen.

Der Adéliepinguin, mit mehr als 30 Millionen Vögeln vermutlich die häufigste aller Arten, der Zügelpinguin und der Eselspinguin sind in einer weiteren der sechs Gattungen zusammengefasst. Ihre Brutkolonien entlang der Küste der antarktischen Halbinsel sind das Ziel der vielen Schiffsreisen in die Randgebiete der Antarktis, die um diese Jahreszeit vornehmlich von Argentinien und Chile aus unternommen werden. Nicht selten brüten Adélie-, Zügel- und Eselspinguine nahe beieinander, doch achten die drei Pygoscelis-Arten strikt darauf, dass ihre Territorien voneinander getrennt sind.

Nur der Zügelpinguin, wegen seines schwarzen Streifens am Hals auch Kehlstreifpinguin genannt, weist mit seinem zweiten wissenschaftlichen Namen „antarctica“ auf seine Heimat hin. Anders als die Adéliepinguine, die zirkumpolar brüten, bevorzugen die Zügelpinguine die Küsten der antarktischen Halbinsel und einiger vorgelagerter Inseln.

Ausgeklügeltes System der Wärmedämmung

Die Wärmeregulation funktioniert bei allen Pinguinen gleich. Sie steuern ihre Körpertemperatur über die Füße. Ein Mechanismus im Bein des Vogels reguliert die Durchblutung des Fußes, indem der Durchmesser der Arterien verändert wird. Bei Kälte wird die Durchblutung auf ein Minimum verringert, bei Wärme wird sie wieder erhöht. Auf diese Art gibt der Pinguin bei Kälte so wenig Wärme wie möglich über die Füße an die Umgebung ab. Ein zweiter Mechanismus, den die Tiere dem Menschen voraus haben, ist das Gegenstromwärmeprinzip. Kaltes venöses Blut, das von den Füßen zurück in den Körper fließt, wird erwärmt, weil die Arterien, gefüllt mit warmem sauerstoffreichen Blut, Wärme an die zurückführenden Venen abgeben. Wenn doch nur die weiblichen Exemplare des Homo sapiens über ein so ausgeklügeltes System der Wärmedämmung verfügten!

Sobald im September Tauwetter einsetzt, kommen die Vögel an Land und besetzen eine kleine Geröllfläche. Hier beginnen die Paare mit der Balz: Durch das Strecken ihrer Hälse und das Spreizen ihrer schmalen Flügel, die Schwimmflossen ähneln, durch Trippelschritte und heisere Rufe versichern sich Männchen und Weibchen gegenseitiger Zuneigung. Die Übergabe kleiner Steine zeigt die Bereitschaft zum Nestbau und zur Paarung. Mehr als eine kleine Mulde auf hartem Untergrund mit einer Umrandung kommt dabei allerdings nicht heraus. Doch der Ringwall verhindert das Volllaufen des Brutplatzes mit Schmelzwasser und flüssigem Kot. Das lautstarke Zeremoniell dient gleichzeitig zur Revierabgrenzung. So bauen mehrere hundert Pinguine auf recht kleiner Fläche innerhalb kurzer Zeit ihr Nest.

Das dichte Zusammenrücken gilt vor allem der Sicherheit: Eier- und Jungenräuber wie Raubmöwen, Riesensturmvögel oder Scheidenschnäbel lassen sich im Verbund besser abwehren. Aber das enge Nebeneinander führt auch zu manchem Streit. Küken, die sich versehentlich einem fremden Nest nähern, werden erbarmungslos vertrieben. Auch deshalb bleibt einer der beiden Elternvögel stets am Nest. Wie seine beiden nächsten Verwandten legt der Zügelpinguin zwei Eier, die Männchen und Weibchen abwechselnd rund sechs Wochen in ihren Bauchfalten ausbrüten, mehr liegend als stehend.

Verständigung noch immer ein Rätsel

Die Jungen tragen anfangs ein flauschiges Gefieder, das einem Fell ähnelt. Es ist noch nicht wasserabweisend wie das harte Federkleid der Altvögel, das sich kurz vor dem Aufbruch ins Meer nach der ersten Mauser bildet. Das wasserundurchlässige Federkleid ist ein drittes Mittel für die Tiere, ihr Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Dabei konzentriert sich die Wärmeerhaltung vor allem auf die Körpermitte mit den lebenswichtigen Organen. Der Gefiederwechsel bei den Jungtieren kann bis zu einem Monat dauern.

Erst dann, im Alter von frühestens zehn Wochen, können sich die Küken ins Wasser wagen. Bis dahin werden sie abwechselnd von ihren Eltern mit Krill versorgt. Männchen und Weibchen machen lange Schwimmausflüge, um Leuchtgarnelen zu fangen. Es kann mehrere Tage dauern, bis der Partner mit gefülltem Bauch und Kehlsack in die Kolonie zurückkehrt und nach langem Watschelgang durch das Geröll am Nest eintrifft, um den Jungen die halbverdaute Nahrung in den Schnabel zu würgen. Weibchen und Männchen erkennen sich an ihren Rufen, ebenso die Jungen. Wie sie es bei dem tausendfachen „Krook, krook“ in der Kolonie schaffen, die richtige Adresse zu finden, ist ein bislang ungelöstes Rätsel.

Sind die Jungen aus dem Gröbsten heraus, schließen sie sich zu Kindergärten zusammen, kommen aber sofort bettelnd angelaufen, wenn ihre Eltern mit Nahrung erscheinen. Kaum sind sie selbständig, machen die Altvögel einen Gefiederwechsel durch. In dieser Zeit bleiben sie an Land und verlieren bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts von vier Kilogramm. Mit erneuertem Tauchanzug gehen sie wieder in ihr eigentliches Element: Bis zu acht Monate bleiben sie im Meer.

Während die meisten anderen Pinguin-Arten auch außerhalb der Brutzeit immer wieder einmal an Land kommen, verbringen die Zügelpinguine den größten Teil ihres Lebens in Gemeinschaft schwimmend und tauchend. Mindestens drei Jahre dauert es, bis die nächste Generation brütet und dazu häufig das Koloniegelände aufsucht, auf dem sie selbst aus dem Ei geschlüpft ist. Mindestens 20 Jahre alt können die auf antarktischem Eis lebenden Pinguine dank guter Wärmedämmung werden. Man weiß nicht einmal, ob die Artgenossen der wärmeren Lebensräume, etwa der Galápagospinguin am Äquator oder der Zwergpinguin an der südaustralischen und neuseeländischen Küste, älter werden.

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