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Veröffentlicht: 24.04.2013, 17:45 Uhr

Pheromon-Party Ich würd’ sagen, die ist es schon mal nicht

Auf Deutschlands erster Pheromon-Party kann man erschnuppern, wer zu einem passt. Gerochen wird an getragenen Baumwoll-Shirts. Lässt sich dort die große Liebe finden?

von Kathrin Klette, Berlin
© dpa Pheromon-Party: Liebe geht durch die Nase.

Meine große Liebe, sie könnte tatsächlich irgendwo dort versteckt sein, in diesem Berg getragener T-Shirts. In durchsichtigen Plastikbeuteln sind sie verpackt: weiße Shirts, graue, blaue. Sie stapeln sich auf zwei Tischen, links die Frauen-Shirts, rechts die der Männer. Es ist Freitagabend, im hintersten Raum des „Bitte & Danke“, einer Bar im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Der DJ spielt Elektro-Musik, und ich stehe in einer Traube junger Männer und Frauen, greife eine Plastiktüte vom Männer-Tisch, halte meine Nase in das T-Shirt und atme tief ein.

Ich bin auf einer sogenannten Pheromon-Party, zu der die Online-Partnerbörse „Shop A Man“ eingeladen hat. Solche Partys sind der neueste Trend im Dating-Geschäft: Flirtwillige Gäste sollen ihren Traumpartner anhand des Körpergeruchs finden können. Dabei dreht sich alles um Pheromone, also die Botenstoffe, die Lebewesen absondern, um das jeweils andere Geschlecht anzulocken. Die Natur hat es so eingerichtet, dass man nur die Partner gut riechen kann, die auch biologisch zu einem passen. Das ist geschickt, denn biologische Kompatibilität verspricht eine stabile Beziehung und gesunde Nachkommen.

Berlin, die Hauptstadt der Singles

Drei Nächte lang habe ich deshalb ein T-Shirt getragen, damit es meinen Körpergeruch aufnimmt. Tagsüber lag es im Gefrierfach, um den Duft zu erhalten. Zu Beginn der Party bekam jedes T-Shirt eine Nummer, in meinem Fall die Sieben auf einer pinkfarbenen Karte. Die Karten der Männer sind blau. Die Möglichkeiten, die große Liebe zu finden, scheinen heute unendlich zu sein - erst recht in Berlin, der Hauptstadt der Singles. Online-Partnerbörsen präsentieren eine Fülle an potentiellen Partnern, und in Berlin, dem derzeitigen Sehnsuchtsort der europäischen Jugend, könnte die große Liebe prinzipiell auf jeder Party oder im nächsten Café warten.

Dieses Überangebot kann überfordern, und vielleicht taucht deshalb auch gerade jetzt so etwas wie eine Pheromon-Veranstaltung auf, weil sie wegführt von der rationalen Partnersuche, die nach Bildungsabschlüssen, Musikgeschmack und Hobbys fragt, und stattdessen hinführt zu einer intuitiven Entscheidung, die da nämlich lautet: Ich mag deinen Duft, also bist du der Richtige. Wir sind müde, Online-Profile auszufüllen, bei Dates immer wieder dieselben Anekdoten von uns zu erzählen, dieselben Fragen zu stellen, dieselben Witze zu machen. Wir wollen niemanden kennenlernen, sondern denjenigen finden, der zu uns passt. Vielleicht ist es einfacher, wenn die Natur für uns entscheidet.

Ein Bücher-Liebhaber wäre schön

Dennoch ahne ich schnell, dass auch diese Form der Partnersuche ihre Grenzen hat. 111 Männer und Frauen hatten sich zu der Party angemeldet; die meisten sind in den Zwanzigern. Mit meinen 34 Jahren gehöre ich zu einer Minderheit. Während ich mich durch den Berg T-Shirts grabe, stelle ich mir vor, was wäre, wenn ich den Duft des einen Jungspundes mit der stacheligen Frisur oder des anderen Dunkelhaarigen mit dem im Fitnessstudio trainierten Oberkörper anziehend fände. Biologische Kompatibilität, schön und gut, denke ich mir, trotzdem gibt es bestimmte Eigenschaften, die mein Traummann haben muss, da kann er auch noch so gut riechen. Ein Bücher-Liebhaber und Naturbursche wäre schön, im selben Alter oder etwas älter.

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