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Peru Meerschweinchen für den Fleischexport

19.10.2004 ·  Hierzulande sind die kleinen wuscheligen Nager nur als Haustiere bekannt. In Peru landen sie millionenfach auf den Grilltellern des Landes. Nun soll eine neue Züchtung auch das Ausland auf den Geschmack bringen.

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Peruanischen Agrarwissenschaftler ist nach mehr als 30jährigen Forschungen die Zucht eines besonders großen Meerschweinchens gelungen. Allerdings soll dieser Nager nicht etwa ein noch kuscheligeres Haustier abgeben, sondern eine Delikatesse auf Speisekarten in aller Welt. Eine Sonderabteilung der Universität La Molina in Lima ist nun damit befaßt, das Super-Meerschweinchens für den Export zu vermarkten. „Es schmeckt wirklich vorzüglich“, schwärmt Projektleiterin Gloria Palacios.

Archäologischen Erkenntnissen zufolge werden Meerschweinchen in Peru schon seit 2.500 vor Christus als Nutztiere gehalten. Heutzutage werden dort jährlich etwa 65 Millionen Exemplare verspeist. In vielen ländlichen Gegenden der Anden ist das Tier die wichtigste Eiweißquelle. Allerdings ist das Fleisch mitunter zäh und muß mühsam vom Knochen abgenagt werden. Der Geschmack soll dem eines Kaninchens vergleichbar sein.

Wächst schneller, schmeckt besser

Das neue Superexemplar hat nach Angaben seiner Züchter den Vorteil, daß es schneller wächst, über mehr Muskelmasse verfügt und darüber hinaus auch noch besser schmeckt. Immerhin wiege es gut ein Kilogramm, während ein herkömmliches Meerschweinchen höchstens 600 Gramm auf die Waage bringe, erläutert die Wissenschaftlerin Lilia Chauca. In der Regel werde das Nutztier vor seiner Verwertung nämlich nicht besonders gut gefüttert. Das Zuchtprojekt wurde schon im Jahre 1970 begonnen. Nun soll das Super-Meerschweinchen insbesondere in den Vereinigten Staaten vermarktet werden, rund 1.000 Exemplare werden bereits jede Woche verschifft.

Meerschweinchen haben in Peru schon seit tausenden Jahren auch eine große mythologische Bedeutung. Sie spielen eine Rolle in der Naturmedizin der Andenvölker und sind ein wichtiges Opfertier. Guaman Poma de Ayala, ein Chronist des 17. Jahrhunderts, beschreibt, wie die Inkas jedes Jahr im Juli auf dem zentralen Platz von Cuzco ihren Göttern 1.000 weiße Meerschweinchen sowie 100 Lamas opferten, um eine gute Ernte zu erzielen.

Christliches Abendmahl mit geröstetem Nager

Auch die Ankunft des Christentums in Peru hat die Sonderrolle des Tieres nicht gänzlich aufgehoben, obwohl die katholische Kirche um die Ausschaltung sämtlicher Symbole der indianischen Kultur bemüht war. In Lima und Cuzco findet man noch heute in Kirchen Darstellungen des Abendmahls, in denen Jesus und seine Jünger geröstete Meerschweinchen essen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP
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