Hershey ist auf Schokolade gebaut. Die Stadt in Pennsylvania, in der sich der Duft nach dem Kakaoprodukt oft bis in die letzten Häuserritzen verbreitet, wirbt damit, „der süßeste Platz auf Erden“ zu sein. Hershey wird von Hershey’s beherrscht, einem der größten Schokoladenhersteller der Welt.
Milton S. Hershey gründete im Jahr 1894 nicht nur das Unternehmen. Er baute auch für seine Mitarbeiter Amerikas „Chocolatetown“ - mit Häusern, Straßen, Bibliotheken, Krankenhäusern und Schulen. Weil Milton S. Hershey und seine Frau keine Kinder hatten, lag ihnen das Wohl anderer Kinder besonders am Herzen, gerade wenn sie aus so armen Verhältnissen stammten wie Milton Hershey selbst, der auf seine Karriere als Selfmade-Millionär sehr stolz war.
Gut 1800 Schüler - vom Kindergartenalter bis zur zwölften Klasse - hat die Milton-Hershey-Schule heute, und noch immer zahlen die nicht so gut gestellten Eltern kein Schulgeld. Das übernimmt der Hershey-Konzern. Aufgenommen wird jedes in Amerika geborene Kind, „egal welcher Rasse, Farbe, Religion, Nationalität oder ethnischen Herkunft“. Umso erstaunlicher war die Zurückweisung eines Dreizehnjährigen im Dezember mit der Begründung, er sei „eine direkte Bedrohung für die Gesundheit und Sicherheit der anderen“. Der Junge aus Philadelphia ist HIV-positiv.
Ein Fall für den Kongress
Das war mehr als 25 Jahre nach dem berühmten Fall des Jugendlichen Ryan White, der Mitte der Achtziger aufgrund einer HIV-Infizierung von der Schule gewiesen wurde - eine Sensation und ein Skandal zugleich. Die Geschichte von White, der 1990 mit 18 Jahren an Aids starb, beschäftigte sogar den Kongress und den damaligen Präsidenten George H. W. Bush - First Lady Barbara Bush kam zu Whites Beerdigung. Seither durfte kein HIV-infiziertes Kind mehr einer Schule verwiesen werden.
Daher klagten die Eltern des Dreizehnjährigen gegen die Milton-Hershey-Schule. Amerikas größte Aids-Organisation, die Aids Healthcare Foundation, rief auf zum Schokoriegel-Boykott unter dem Motto: „Keine Küsse für Hershey“. Die Aktion zeigte Wirkung, und nicht nur bei Schokoküssen von Hershey’s. Am Montag gab die Schulleitung bekannt, künftig HIV-infizierte Bewerber wie alle anderen zu behandeln und den jetzt 14 Jahre alten Jungen noch aufnehmen zu wollen. Damit ist der Rechtsstreit, wie der Anwalt des Jungen mitteilte, aber noch nicht beendet. Wichtiger könnte Hershey’s sein, dass seine Riegel wieder guten Gewissens gekauft werden können.
Aus Deutscher Sicht...
Marcel Pabst (teaki)
- 08.08.2012, 12:33 Uhr