29.06.2009 · Parship-Chef Arndt Roller über Partnervermittlung im Netz, die Vorlieben der Singles und warum 358 Euro Jahresbeitrag gut angelegt seien: „Der Mauerblümchenanteil ist extrem klein“, sagt er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im Interview.
Parship-Chef Arndt Roller über Partnervermittlung im Netz, die Vorlieben der Singles und warum 358 Euro Jahresbeitrag gut angelegt sind.
Herr Roller, Sie sind verheiratet. Haben Sie Ihre Frau im Urlaub oder beim Sport kennengelernt?
Sie werden es nicht glauben: bei Parship.
Ich hatte nichts anderes erwartet.
Na ja, es ist nicht so, wie Sie denken. Ich habe meine Frau nicht im Internet gefunden, sondern in der Firma. Sie hat hier mal als Studentin gejobbt. Allerdings habe ich einen eisernen Grundsatz: Mit Mitarbeiterinnen würde ich nie anbandeln. Wir haben uns aber drei Monate später zufällig wiedergetroffen, und da hat es Klick gemacht.
Dann sind Sie der beste Beweis dafür, dass man keine Online-Partnervermittlung braucht.
Das sehen in Europa acht Millionen Mitglieder von Parship anders.
Können Ihre Mitglieder nicht rechnen? Der Jahresbeitrag kostet 358 Euro, für dieses Geld könnte ich dutzendmal in einem Café sitzen und Menschen kennenlernen.
Hm, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Aber bei uns treffen Sie Singles, ohne Angst haben zu müssen, dass Sie schroff abgewiesen werden. Und Sie wissen, dass der, den Sie treffen, auch zu Ihnen passt. Dafür halte ich 30 Euro im Monat für ein überschaubares Investment.
Wenn ich keinen Mann fürs Leben finde, bekomme ich dann mein Geld zurück?
Nein, Sie können auch nicht ein Jahr lang einen Fitness-Club benutzen und dann sagen, ich will mein Geld zurück. Was wir Ihnen versprechen, sind mindestens 15 Kontakte – aber nicht den Gang vor den Traualtar. 38 Prozent unserer Mitglieder finden bei uns einen Partner.
Sind es nicht bloß die Restposten der Heiratswilligen, die zu Ihnen kommen? Diejenigen, die keinen abbekommen haben?
Nein. Der Mauerblümchenanteil ist extrem klein. Sie finden viele Akademiker zwischen 30 und 50 in gutbezahlten Jobs, meist aus Städten. Denen fehlen nur zwei Dinge: die Gelegenheit und die Zeit, neue Menschen kennenzulernen. Der Zeitgeist läuft so, dass jeder immer mehr arbeitet. Bei uns können Sie auch spätnachts im Schlafanzug noch auf Partnersuche gehen.
Wer Mitglied bei Ihnen werden will, muss 80 Fragen beantworten. Ein Computer gleicht dann die Antworten mit denen anderer Mitglieder ab und macht Partnervorschläge. Wie soll eine Maschine wissen, wer zu mir passt?
Wir fragen 32 Kriterien ab, vom Charakter bis zur Lebenseinstellung. Da geht es um Gemeinsamkeiten und Gegensätze, beides ist wichtig. Wenn Sie regelmäßig Händchen halten wollen, dann sollte das bei Ihrem Partner genauso sein, sonst gibt es Probleme. Aber für eine dominante Frau, die aufbrausend ist und die sich durchsetzen will, suchen wir eher das Gegenteil, einen Partner, der ausgleicht.
Aber eines hat der Computer garantiert nicht: Menschenkenntnis.
Gar nicht wahr, die haben wir auch. Es ist ja nicht die Maschine, die den Fragebogen erfunden hat, sondern der wurde von Psychologen mit Informationen gefüttert und beruht auf einem Erfahrungsschatz von mehreren Millionen Mitgliedern. Das könnte ein einzelner Heiratsvermittler nie schaffen.
Das klingt kein bisschen romantisch!
Was wir machen, ist, Fragen zu stellen, damit die Romantik eine Chance hat. Es ist doch noch viel unromantischer, sich in einen Menschen ernsthaft zu verlieben, um dann herauszufinden, erstens will er keine Kinder und zweitens erwartet er, dass ich ihm das Mittagessen bezahle, und zwar für den Rest meines Lebens. Diese Enttäuschung ersparen wir Ihnen.
Na, und dann schlagen Sie mir tausend Partner vor, und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Wie im Supermarkt bei 20 verschiedenen Zahnpasta-Sorten.
Das stimmt nicht. Im Gegensatz zum Supermarkt legen wir nicht das nach oben, was am teuersten ist, sondern auf der Vorschlagsliste steht der ganz oben, der am besten zu Ihnen passt. Mein Rat: Fangen Sie einfach oben an.
Wie habe ich denn die besten Chancen, als Kandidat ganz oben zu landen?
Also eines ist sicher: garantiert nicht mit einem dicken Portemonnaie. Bei uns ist das anders als bei klassischen Heiratsannoncen, wo die 23 Jahre alte bildhübsche Millionärstochter einen Mann sucht. Unsere Studien zeigen: Frauen legen mehr Wert auf Bildung, die ist wichtiger als das Einkommen. Männer sind häufig bereit, mit einer Frau zusammenzuleben, die wenig oder gar kein Geld verdient.
Als Milchbäuerin sähe es für mich aber schlecht aus.
Stimmt, Bauern und Automechaniker haben ein schlechtes Image. Glückwunsch dagegen an alle Architekten: Die kommen bei Frauen super an. Als Milchbäuerin könnte es zusätzlich sein, dass Sie in einer ländlichen Region wohnen, in der es extrem wenige männliche Singles gibt. Dann wird die Partnersuche schwieriger.
Ach, und ich dachte, gerade im Internet sucht man Partner aus allen 16 Ländern, in denen Parship aktiv ist. Nach dem Motto „Liebevoller Deutscher sucht rassige Spanierin“?
Das war eine Illusion, die ich auch hatte. In Umfragen sagen viele, eine stabile Beziehung sei das Wichtigste für sie, aber dann sind sie nicht bereit, mehr als 30 Kilometer dafür zu fahren. Nur auf einer Achse klappt das gut, das ist die von Frankfurt nach London und Zürich. Wir vermitteln viele Banker, die zwischen diesen drei Städten beruflich pendeln.
Banker dürften jetzt nicht mehr besonders gefragt sein.
Das sagen Sie. Es gibt kein Ausschlusskriterium, nur wer den Fragebogen nicht ausfüllt oder anstößige Mails schreibt, hat keine Chance..
Und was ist mit dem, der lügt und sich für schöner oder reicher ausgibt, als er ist?
Lügen haben extrem kurze Beine, auch im Internet. Beim ersten Treffen kommt das doch gleich raus.
Was tun Sie gegen Heiratsschwindler?
Da weiß ich von keinem Fall. Wenn wir von einem Mitglied erfahren, dass ein anderer verheiratet ist, obwohl er behauptet, Single zu sein, schreiben wir ihn an. Unsere Maßnahmen zum Datenschutz sind TÜV-geprüft.
Und was ist mit klebrigen Anmachen und Angeboten für schnellen Sex und Affären?
Wir vermitteln Singles in langfristige Beziehungen. Wir sind genau das Gegenteil von hoppladihopp, wir sind betont langsam und sorgfältig. Wer sich anmeldet, sieht keine Bildergalerien, sondern muss einen Fragebogen ausfüllen und dann Frauen oder Männer mit Mails anschreiben. Das scheint für einige Männer auf den ersten Blick langweilig, aber das nehmen wir gerne in Kauf.
Sie fragen aber auch ab, wie wichtig den Mitgliedern Sex ist.
Sexualität ist wichtig für eine langfristige Beziehung, und deshalb wollen und müssen wir danach fragen. Bei Millionen Mitgliedern wird es immer ein paar geben, die Parship für Affären benutzen, aber das ist, als würde ich einen Porsche nehmen, um damit über einen Acker zu fahren. Wie schade um das schöne Auto!
Anscheinend kann man im Internet nur mit Liebe, Sex und Klingeltönen Geld verdienen?
Die Leute zahlen im Internet nur dann Geld, wenn ich ein wirkliches Bedürfnis befriedige. Für Nachrichten, die ich auch woanders bekomme, gibt’s keinen Pfennig.
Und Sie verdienen Geld damit?
Wir schreiben seit dem Jahr 2005 schwarze Zahlen, was für das Internet untypisch ist. Bei der Gründung 2001 durch den Holtzbrinck-Verlag haben viele gesagt, die Idee kann nicht klappen, weil sie so untypisch für das Internet ist und wenig mit Flirten zu tun hat. Diese Menschen haben das unterschätzt. Über unseren Gewinn sage ich nur so viel: Zehn Prozent vom Umsatz ist ein Wert, an dem sich viele Wettbewerber orientieren.
Das Geschäft mit den einsamen Herzen läuft also gut?
Parship wächst jedes Jahr zweistellig, auch 2009. Aus Wettbewerbsgründen reden wir über das vergangene Jahr nicht, aber 2007 hatten wir 46 Millionen Euro Umsatz.
Auch im Internet gibt es Konkurrenz, um Leute kennenzulernen: kostenlose Plattformen wie StudiVZ oder Facebook. Braucht man Parship da noch?
Natürlich, weil wir zielgerichtet Partner suchen. Beliebigkeit können ganz viele. Das Internet ist heute Normalität, und in zehn Jahren werden die Leute ihr ganzes Leben darin dokumentieren. Unser Geschäft wird in zehn, aber auch in 100 Jahren noch erfolgreich sein.
Jetzt übertreiben Sie mal nicht. Wie wollen Sie denn künftig noch wachsen?
Das ist wie bei einem exzellenten Arzt: Wir leben von der Mundpropaganda. Außerdem werden wir immer beliebter bei älteren Kunden ab 50 und haben Gay-Parship für Homosexuelle gestartet. Wir gehen noch in andere Länder in Südamerika und Osteuropa – aber alles zu seiner Zeit.
Jede zweite Ehe bricht heute auseinander. Halten die von Ihnen gestifteten Ehen länger?
Ehrlich gesagt: Das wissen wir nicht. Das liegt daran, dass Parship erst sieben Jahre alt ist. Und genau so lange dauert in Deutschland im Schnitt eine Beziehung. Fragen Sie mich in ein paar Jahren noch mal, dann kann ich es Ihnen genau sagen.
Der Kuppler
Seit 2003 ist Arndt Roller, 41, Geschäftsführer der Online-Partnervermittlung Parship. Nach BWL-Studium, Promotion und einer ersten Station bei Bertelsmann, wo er das Buchportal BOL leitete, wechselte er zu Parship, die zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehört. Roller machte das 2001 gegründete Unternehmen zur größten Online-Partnervermittlung Europas mit 46 Millionen Euro Umsatz (2007) und 180 Mitarbeitern. Eine Heiratsanzeige über sich selbst würde er so formulieren: „Positiver Mensch, neugierig, immer auf der Suche nach neuen Zielen, sucht attraktive Frau, die mich ab und zu ein wenig bremst.“