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Papstbesuch in Kolumbien : Franziskus ruft Bürgerkriegsparteien zur Versöhnung auf

  • Aktualisiert am

Trotz Veilchen: Papst Franziskus hält die Abschlussmesse seiner Kolumbienreise am 10. September 2017 im Containerhafen von Cartagena. Bild: DI MEO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Schrecksekunde zum Ende seiner Kolumbienreise: Der Papst holt sich im Papamobil ein „Veilchen“. Das hindert ihn nicht daran, gegen den Drogenhandel zu wettern und mehr Chancengleichheit zu fordern.

          Papst Franziskus hat seinen fünftägigen Kolumbien-Besuch beendet und befindet sich auf dem Rückflug nach Rom. Seit Mittwoch hatte er die Kolumbianer in Bogota, Villavicencio, Medellin und am Ende in Cartagena aufgefordert, sich nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs endlich zu versöhnen.

          Auch bei der Schlussmesse am Sonntagabend im Hafen von Cartagena rief der Papst vor Hunderttausenden Gläubigen zum Frieden auf. Kolumbien müsse „dringend einen Schritt tun in Richtung Gemeingut, Chancengleichheit, Gerechtigkeit, Achtung der menschlichen Natur und ihrer Bedürfnisse“, so Franziskus.

          Kultur des Verbrechens überwinden

          Der Papst rief bei der Messe am Containerhafen Cartagenas im Schatten von Containern und Kränen dazu auf, eine Kultur des Verbrechens für immer zu überwinden. Getreu des Mottos der Reise betonte er: „Machen wir den ersten Schritt.“ Dieser müsse von allen getragen in eine gemeinsame Richtung getan werden. Worte reichten dabei nicht aus. Es brauche „Hände und Taten“. Besonders scharf ging er mit dem Drogenhandel ins Gericht – das meiste Kokain kommt aus Kolumbien. „Ich verurteile diese Geißel, die so viele Leben gekostet hat und von skrupellosen Leuten gesteuert wird.“

          Für eine Schrecksekunde sorgte Franziskus, als er sich bei einer wackeligen Fahrt mit dem Papamobil ein blaues Auge zuzog. Der 80-Jährige stieß mit dem Kopf gegen einen vorderen Pfosten des Glasaufbaus. Er verletzte sich an der Augenbraue, setzte aber die Fahrt fort, ein Begleiter tupfte die blutende Braue ab. Anschließend wurde die Wunde mit einem Pflaster versorgt, der Papst trug ein Veilchen davon.

          Appell an Venezuelas Präsident

          Am letzten Tag hatte der Papst auch einen indirekten Appell an den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gerichtet, auf jede Art von Gewalt zu verzichten und eine Lösung der Krise zu finden. Dem Sozialisten wird die Errichtung einer Diktatur vorgeworfen. „Ich bekunde meine Nähe jedem einzelnen der Söhne und Töchter dieses geliebten Landes wie auch denen, die hier in Kolumbien Aufnahme gefunden haben“, sagte Franziskus mit Blick auf die nach Kolumbien geflüchteten Menschen. Vergeblich hatte Franziskus Maduro zum Verzicht auf die Einsetzung einer Verfassungsgebenden Versammlung aufgerufen. Diese hat als übergeordnetes Staatsorgan das von der Opposition dominierte Parlament entmachtet und trifft alle Entscheidungen. Oppositionspolitikern drohen lange Haftstrafen.

          Anfang August hatte der Papst in einer ungewöhnlich politischen Stellungnahme mitteilen lassen, dass der Heilige Stuhl bitte, diese Initiative zu stoppen oder auszusetzen, Menschenrechte und fundamentale Freiheitsrechte zu achten. Angesichts der steigenden Zahl von Toten, Verletzten und Festgenommenen beobachte man die „Radikalisierung und Verschärfung der Krise“ in dem südamerikanischen Land mit „großer Sorge“. Rund 95 Prozent der Venezolaner sind katholisch. Noch 2016 hatte der Papst Maduro im Vatikan empfangen.

          Treffen mit venezolanischen Bischöfen

          Franziskus traf sich in Kolumbien auch mit Bischöfen aus Venezuela. „Er ist bestürzt über den verbreiteten Hunger, das Fehlen von Medikamenten und die Flucht Zehntausender Venezolaner“, berichtete der Venezuela-Referent des Hilfswerks Adveniat, Reiner Wilhelm, unter Berufung auf Teilnehmer des nicht-öffentlichen Treffens.

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