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Papst Franziskus : Derselbe Herr soll nur noch einmal auferstehen

Ostermesse auf dem Peterplatz Bild: dpa

Ihren höchsten Feiertag begehen Christen in West und Ost mit einem Abstand von 14 Tagen. Das kann nicht angehen, sagt Papst Franziskus, und will sich mit den Orthodoxen auf einen gemeinsamen Oster-Termin einigen. Daran sind schon andere gescheitert.

          Papst Franziskus hat den orthodoxen Christen angeboten, sich auf einen gemeinsamen Termin für das Osterfest zu einigen. Bisher liegen 14 Tage zwischen beiden Terminen; und gerade in gemischten Familien, wie es sie im Nahen Osten oft gibt, muss man sich ökumenisch auf ein Datum einigen. Die unterschiedlichen Festtage nach dem älteren julianischen oder dem „neuen“ gregorianischen Kalender schwächen die ohnedies schon so kleinen christlichen Gemeinschaften innerhalb der meist muslimischen Mehrheit. Bisweilen muss das Fest ganz ausfallen, weil muslimische oder jüdische Arbeitgeber nach anderen Kalendern leben. Weltweit feiern gut eine Milliarde Westchristen nach der Kalenderreform von Papst Gregor XIII. und etwa 260.000 Ostchristen nach dem älteren Jahresplan aus der Zeit von Julius Cäsar.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Schon vor 50 Jahren hatte Paul VI. der Orthodoxie eine Vereinbarung angeboten. Er sah das als eine notwendige Folge der Aufhebung des wechselseitigen Bannes an, den sich die Vertreter Roms und Konstantinopels 1054 gegenseitig ausgesprochen hatten. Aber nur in Ausnahmefällen gab es seither lokale Übereinkünfte.

          Papst Franziskus will nun eine umfassende Neuordnung. Bei einem Gottesdienst in der Lateranbasilika sagte er am Freitagnachmittag, man müsse „ein einziges festes Datum finden, um die Auferstehung des selben Herren in Rom, Konstantinopel (Istanbul) und in Moskau am selben Tag zu feiern.“ Es gehe nicht an, dass die Kirche beim Osterfest, „dem wichtigsten Tag der Christenheit“, mit „zwei Lungen atmet“, sagte er weiter und schlug vor, dass panorthodoxe Konzil im kommenden Jahr könnte sich dieses Themas annehmen.

          Schon bei seiner Nah-Ost-Reise im Mai 2014 hatte Franziskus Journalisten gegenüber gesagt, es sei doch „ein bisschen verrückt“, dass man zum Beispiel in Bethlehem auf der Straße zwischen zwei Christen folgenden Dialog mithören könne: „Mein Christus ist letzte Woche auferstanden, und Deiner?“ Der Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus sehe das ähnlich, hatte der Papst gesagt. Man habe sich beim Gespräch in Jerusalem an die erste historische Begegnung eines Papstes mit einem Patriarchen der Ostkirche erinnert, als 1964 - auch in Jerusalem - Athenagoras auf Paul VI. traf. Damals habe der Patriarch der Ostkirche gescherzt, man sollte doch alle Theologen auf eine Insel schicken – „dann könnten die dort diskutieren und streiten, während wir gemeinsam - Ost und West - unser Leben praktisch ändern“.

          Papst Gregor XIII. reformierte die Zeitrechnung

          Die östlichen Kirchen verweisen auf das erste gemeinsame Konzil aller Christen, das Kaiser Konstantin in seiner kleinasiatischen Sommerresidenz in Nicäa 325 zusammenrief. Dabei legten die wohl 1800 aus allen Teilen des Römischen Reiches angereisten Bischöfe unter Führung des Kaisers den gemeinsamen Ostertermin so fest, dass er nie mit dem jüdischen Passahfest zusammenfallen kann, sondern auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsneumond fällt. Grundlage war der Kalender von Julius Caesar, der 45 vor Christus in Kraft getreten war. Er besteht aus elf Monaten mit je 30 oder 31 Tagen sowie einem Monat mit 28. Die frühen Christen wollten sich von den Juden absetzen; und so wie schon der Kaiser wohl keine judenchristlichen Bischöfe mehr nach Nicäa eingeladen hatte, sollte auch durch den Kalender deutlich werden, dass mit Jesus ein neue Zeitrechnung begonnen hatte, auch wenn Jesus als Jude zum Passahfest nach Jerusalem gepilgert, mit seinen Jüngern nach einem jüdischen Kalender das Passahmal gefeiert und dann nur Stunden vor dem Passahfest gekreuzigt worden war.

          In der westkirchlichen Welt reformierte dann Papst Gregor XIII. Ende des 16. Jahrhunderts den Julianischen Kalender. Dabei nutzte er die neuen astronomischen Kenntnisse, nach denen Caesars Jahreseinteilung, die sich weitgehend auf ägyptische Astrologen berufen hatte, dem Lauf der Sonne schon um Tage hinterherhinkte. 1582 verordnete Papst Gregor per Bulle den neuen Kalender; aber es dauerte lange, bis er in der westchristlichen Welt eingehalten wurde. Vor allem Länder der Reformation weigerten sich. Erst 1612 übernahm mit dem Herzogtum Preußen erstmals ein protestantisch geprägter Staat die „neue“ Zeitrechnung.

          Quelle: FAZ.NET

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