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Weltjugendtag in Madrid : Papst warnt vor den Gefahren des Individualismus

  • -Aktualisiert am

Der Papst forderte die Jugend auf, „die Kirche zu lieben, die Eurem Glauben zum Leben verhalf” Bild: dpa

Mit einer von Papst Benedikt XVI. zelebrierten Messe, an der mehr als eine Million Pilger teilnahmen, ist in Madrid der zwölfte Weltjugendtag zu Ende gegangen. 2013 wird das Treffen junger Katholiken aus aller Welt in Rio de Janeiro stattfinden.

          Mit einer von Papst Benedikt XVI. zelebrierten Messe, an der mehr als eine Million Pilger aus Spanien und dem Ausland teilnahmen, ist am Sonntag in Madrid der zwölfte Weltjugendtag zu Ende gegangen. In seiner Predigt auf dem Flugfeld Cuatro Vientos bei Madrid forderte der Papst die jungen Menschen auf, ihre Glaubenserfahrungen mit anderen zu teilen, auch wenn sie dabei auf Ablehnung stießen.

          Wer den Glauben „entsprechend der in der Gesellschaft vorherrschenden individualistischen Auffassung“ zu leben versuche, laufe Gefahr, Christus niemals zu begegnen oder einem Zerrbild von ihm zu folgen, mahnte Benedikt. Der Papst kündigte an, dass der nächste Weltjugendtag im Jahr 2013 in Rio de Janeiro stattfinden werde. An der Messe nahmen König Juan Carlos, Königin Sofía und ein Minister der sozialistischen Regierung teil.

          Die sechstägige „Fiesta des Glaubens“ führte Katholiken aus 193 Ländern zusammen. Bis auf eine gewalttätige Demonstration linker und „laizistischer“ Gruppen mit etwa dreitausend Teilnehmern am Mittwoch und nachfolgenden Kundgebungen mit deutlich geringerer Beteiligung verlief die Veranstaltung friedlich. Am Wochenende protestierten Homosexuelle gegen das „Familienmodell“ der Kirche.

          Benedikt XVI. begrüßt den spanischen König Jan Carlos und Königin Sofia

          Spanische Regierung bittet Vatikan um Hilfe

          Die spanische Regierung versuchte während des Weltjugendtags den Vatikan in zwei Themen einzubeziehen: das Ende des baskischen Eta-Terrorismus und die Umwandlung der Grabstätte des Diktators Francisco Franco im „Tal der Gefallenen“ in ein „Monument der Versöhnung“. Bei einer Begegnung mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone baten Zapateros Präsidialminister Ramón Jáuregi und Außenministerin Trinidad Jiménez den Vatikan, im Baskenland behilflich zu sein, die „schweren Wunden“ der Vergangenheit zu heilen. Dies könnte durch einen Hirtenbrief der Bischöfe und eine Einbeziehung der baskischen Priester geschehen.

          Bertone hörte laut Vatikansprecher Federico Lombardi „aufmerksam“ zu. Im Baskenland haben die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. unter dem Einfluss des Vorsitzenden der spanischen Bischofskonferenz Kardinal Antonio María Rouco Varela in den vergangenen Jahren für einschneidende Veränderungen gesorgt.

          Im Baskenland zählen zahlreiche Geistliche traditionell zu den radikalen Nationalisten. In den vergangenen Jahren wurden all jene baskischen Bischöfe, die zum Teil eine „Äquidistanz“ zwischen den Terroristen und ihren Opfern praktiziert hatten, durch gemäßigte Nachfolger abgelöst. Außerdem stellte sich die Kirche inzwischen deutlich auf die Seite der Opfer und ihrer Angehörigen und bat für ihre frühere Haltung um Entschuldigung.

          Bei Francos monumentaler Grabstätte, die nach dem spanischen Bürgerkrieg von republikanischen Zwangsarbeitern errichtet wurde, geht es nach Darstellung der sozialistischen Regierung um die Beseitigung eines „Symbols des Nationalkatholizismus“. Ob der tote Diktator umgebettet werden soll, ist noch unklar. Die Regierung hat eine Expertenkommission eingesetzt, die die Frage prüfen soll, wie man aus der Basilika, zu der auch ein Benediktinerkloster gehört, einen „Ort der Versöhnung“ machen könnte. Auch hier hörte Bertone mit „enormem Verständnis“ zu, zumal seine Gesprächspartner versicherten, die Kirche und das Kloster nicht antasten zu wollen.

          In einem Gespräch des Papstes mit Zapatero und einer anschließenden Unterredung mit dem konservativen Oppositionsführer Mariano Rajoy ging es um internationale Themen, wie die humanitäre Lage am Horn von Afrika und den Nahen Osten, sowie um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die spanische Jugend. Mit Blick auf die bilateralen Beziehungen, bekräftigte Zapatero die Gültigkeit des Konkordats, also der Vereinbarungen zwischen Spanien und dem Heiligen Stuhl, welche der Kirche einige Sonderrechte zugesteht.

          Wegen der Polizeieinsätze gegen demonstrierende Papstgegner hat indes eine schon durch den bevorstehenden spanischen Wahlkampf gekennzeichnete Auseinandersetzung begonnen. Der sozialistische Spitzenkandidat Alfredo Pérez Rubalcaba ließ seine Sprecherin sagen, dass die „Exzesse der Polizei“ - insgesamt waren acht „Empörte“ und drei Beamte leicht verletzt worden - untersucht werden müssten. Die konservative Regierung der Region Madrid forderte demgegenüber, dass besser die „Aggressionen und Bedrohungen“ von Pilgern seitens der „Chaoten“ untersucht werden sollten.

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