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Pädophilie : Bistum Essen macht sexuellen Missbrauch vor 22 Jahren bekannt

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In Essen wurde ein weiterer Fall sexuellen Missbrauchs in der Kirche bekannt. Er liegt 22 Jahre zurück. Der geständige Priester wurden in den Ruhestand versetzt.

          Das Ruhrbistum Essen hat am Montag einen weiteren Fall sexuellen Missbrauchs in der Kirche bekannt gegeben, der 22 Jahre zurückliegt. Der Direktor der katholischen Behinderteneinrichtung Franz-Sales-Haus in Essen sei wegen sexuellen Missbrauchs an einem Jugendlichen in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden, sagte Weihbischof Franz Grave in Essen.

          Die Zahl der in pädophile Fälle verwickelten Priester in Deutschland beläuft sich einer Schätzung des Weihbischofs auf bis zu 300. Gleichzeitig wies Grave jeden Generalverdacht gegen katholische Geistliche zurück. Es handele sich um zwei Prozent der insgesamt 18.000 Priester. Zwar sei „jeder Missbrauchsfall einer zu viel“, doch handele es sich „nicht um ein Massenphänomen, das ausschließlich in der katholischen Kirche vorkommt“, sagte der Weihbischof.

          Priester hatte seine Tat gestanden

          Auch im pädagogischen Bereich komme so etwas vor. Grave äußerte sich in der bundesweiten Debatte über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche zu einem Fall, der inzwischen rund 22 Jahre zurückliegt. Der langjährige Direktor des Frans-Sales-Hauses in Essen, eines Heimes für Behinderte, hatte gestanden, vor Jahren als junger Kaplan über Jahre hinweg einen Jugendlichen missbraucht zu haben. Der Priester sei inzwischen seines Amtes enthoben und in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden, erklärte der Weihbischof.

          Gleichzeitig habe das Bistum dem heute erwachsenen Opfer psychologische Hilfe angeboten. In einem Brief an das Bistum hatte der beschuldigte Priester die Vorwürfe eingeräumt und „mein Opfer um Vergebung“ gebeten. Laut Grave begann der Missbrauch, nachdem der damals 13 Jahre alte Junge dem Kaplan von einem sexuellen Übergriff eines anderen Priesters berichtet hatte. Aus einer Zeit der Betreuung sei dann Freundschaft und schließlich in beiderseitigem Einvernehmen eine sexuelle Beziehung zwischen dem Jungen und dem Kaplan geworden, betonte der Weihbischof.

          Opfer hatte sich schon 1993 gemeldet

          Der sexuelle Missbrauch habe bis zum 18. Lebensjahr des Opfers angedauert, dann habe der junge Mann die Beziehung beendet. Der betroffene Seelsorger versicherte gegenüber dem Bistum, nach diesem Fall habe es keinen weiteren Fall von Missbrauch gegeben. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass in der Zeit als Direktor des Heimes weitere Fälle geschehen sind“, erklärte Grave.

          Schon einmal, vor neun Jahren hatte sich das Opfer an das Ruhrbistum Essen gewandt und den Fall geschildert. Damals sei nach einer internen Prüfung der Vorwürfe keine Konsequenzen gezogen worden. „Das war aus heutiger Sicht ein Versäumnis“, räumte der Weihbischof ein. Gleichzeitig betonte er, die Sichtweise der katholischen Kirche in Sachen pädophiler Priester sei „damals anders gewesen“.

          Tat ist strafrechtlich verjährt

          Im Ruhrbistum Essen gab es in den letzten zehn Jahren noch weitere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester. In zwei Fällen seien die Geistlichen zu Bewährungsstrafen und zur Zahlung von Geldbußen verurteilt worden. In einem anderen Fall seien die Vorwürfe nicht nachgewiesen worden. In dem am Montag eingeräumten Fall sei die Tat inzwischen strafrechtlich verjährt, „was aber die Schwere der Tat nicht mindert, geschweige denn ungeschehen machen kann“, sagte Grave.

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