http://www.faz.net/-gum-7u5q1

Paare in Israel : Hinflug, Hochzeit, Rückflug, fertig!

  • -Aktualisiert am

Eran und Tal zeigen ihre Flohmarkt-Eheringe vor dem zyprischen Himmel. Bild: Privat

Wer in Israel heiraten möchte, muss religiös sein. Weil viele Paare das nicht sind, fliegen jedes Jahr Hunderte Israelis ins Ausland, um sich dort das Jawort zu geben.

          Als Eran und Tal sich dafür entscheiden, den Bund fürs Leben zu schließen, gehen sie gerade mit dem Hund spazieren. Es ist ein nüchterner Entschluss an einem Frühlingsabend im Jahr 2013. „Wenn man einen gemeinsamen Hund hat“, sagt Eran, „dann kann man genauso gut heiraten.“ Er hatte Tal kennengelernt, als sie an der Hebräischen Universität in Jerusalem studierten: er Geschichte, sie Linguistik. Heute sind beide Anfang 30 und arbeiten als Lehrer in Tel Aviv.

          Die Hochzeit, da waren sie sich schnell einig, sollte keine große Sache werden. „Nicht wie in amerikanischen Filmen“, sagt Tal. Keine lange Gästeliste - und bloß keine religiöse Feier. Eran und Tal sind Juden, führen aber ein säkulares Leben. „Es war klar, dass wir nicht in Israel heiraten können“, erklärt Eran. Der jüdische Staat kennt keine Zivilehe, Eheschließungen sind den anerkannten Religionen vorbehalten. Wer nicht nach den Regeln des Rabbinats oder der Kirche heiraten will, der muss kreativ werden.

          Heiraten in der Mittagspause

          Für das junge Paar aus Tel Aviv lag die Lösung für ihr Problem 40 Flugzeugminuten entfernt: Am 13. Juni 2013 starteten sie um sieben Uhr morgens in Richtung Zypern. Zwei Stunden später lagen sie bereits am Strand von Larnaka. Mittags warteten sie in der Schlange vor dem Standesamt, zusammen mit anderen Paaren, und füllten ein paar Dokumente aus. Im Hintergrund lief der Hochzeitsmarsch. Eran trug kurze Hosen, Tal ein blaugestreiftes Sommerkleid. Sie tauschten Ringe, die sie auf dem Flohmarkt in Israel gekauft hatten, zwei Euro das Stück. Zehn Minuten und 282 Euro später waren sie Mann und Frau.

          Eine unbürokratische Zeremonie, tausendfach erprobt. „Die Unterlagen für die Hochzeit waren leichter zu besorgen als die Flugtickets“, sagt Eran. Die Hochzeit verlief dann auch exakt nach Plan - in der Mittagspause, zwischen Strand- und Cafébesuch. „Trotzdem war es ein besonderer Augenblick“, sagt Eran. Vor allem der zyprische Standesbeamte in seiner Uniform hat das junge Paar fasziniert. „Er hat dafür gesorgt, dass es würdevolle zehn Minuten waren“, sagt Tal, „wie ein Offizier war er.“ Sie lacht, als sie hinzufügt: „Wir kamen uns jedenfalls sehr wichtig vor.“

          Zwar können Paare in Israel nicht zivil heiraten; im Ausland geschlossene Ehen werden dort jedoch anerkannt. Für manch einen ist das demütigend - oder zumindest nervig. Eran und Tal sagen bloß: „Wir hatten keine Wahl.“ So ähnlich geht es vielen israelischen Paaren. Manche lehnen die religiösen Traditionen ab, andere dürften nach jüdischem Recht überhaupt nicht heiraten - zum Beispiel, wenn die Partner verschiedenen Religionen angehören.

          Hochzeiten werden wie Pauschalreisen gebucht

          Die Zivilehe ist in Israel immer wieder Zankapfel zwischen orthodoxen Juden und Säkularen. Letztere kämpfen seit Jahren dafür, dass das Gesetz überarbeitet wird. Ein Teilerfolg war die Anerkennung einer besonderen Lebensgemeinschaft - der Zivilehe ähnlich, jedoch nur möglich, wenn beide Paare keiner Religion angehören.

          Weitere Themen

          Steinherz

          FAZ Plus Artikel: Synagoge in der Wetterau : Steinherz

          Die Synagoge schmückt das Dorf, aber bleibt den Leuten fremd. Das Schönste, was der Häusermarkt hergibt, will hier niemand kaufen. Eine Suche nach dem Wert der Traurigkeit.

          Deportation und Exodus Video-Seite öffnen

          Juden in Ober-Seemen : Deportation und Exodus

          Zeitzeugen erinnern sich an die Nazi-Zeit und die damit einkehrende Verfolgung der Juden in Ober-Seemen. Durch Flucht und Deportation wurde die einst große jüdische Gemeinde in dem hessischen Ort von Jahr zu Jahr kleiner.

          Der Libanon geht vor!

          Hariris Rückkehr : Der Libanon geht vor!

          Saad al Hariri ist zurück im Libanon. Das krisengebeutelte Land deutet das als Zeichen der Entspannung. Aber was ist der wahre Grund für die Heimkehr?

          Thanksgiving im All Video-Seite öffnen

          Raumstation : Thanksgiving im All

          Der Kommandant der internationalen Raumstation ISS hat die unterschiedlichen Leckereien seiner Crew zum Thanksgiving-Fest vorgestellt. Er sagte aber auch, was ihm fernab der Erdoberfläche an diesem Tag fehlt.

          Topmeldungen

          SPD bewegt sich : Große Koalition für Schulz kein Tabu mehr

          Nun soll die SPD-Basis das letzte Wort über eine mögliche dritte große Koalition mit der Union haben. Dies kündigte SPD-Parteichef Martin Schulz an. Auch die Tolerierung einer von Merkel geführten Minderheitsregierung käme als Option in Frage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.