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Ostseeautobahn : Wie die A20 zu ihrem Namen kam

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Bei allen Autobahnen mit zweistelligen oder sogar dreistelligen Nummern bedeutet die erste Ziffer einen Großraum, also: 1 steht für Berlin, 2 für Hamburg, 3 für Hannover, 4 für Düsseldorf, 5 für Köln, 6 für Frankfurt, 7 für Nürnberg, 8 für Stuttgart und 9 für München. Die A 20 wird dem Hamburger Großraum zugeordnet.

          Das Automobil wurde zwar schon im 19. Jahrhundert erfunden, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg fuhren so viele Autos in Deutschland, daß auch über den Straßenbau nachgedacht werden mußte. Zuvor ging es bei Verkehrsplanung fast ausschließlich um Eisenbahnverbindungen. Die wichtigen Straßen wurden Reichsstraßen genannt und numeriert. So war die Reichsstraße 1 die Verbindung zwischen Aachen und Königsberg. In den zwanziger Jahren entstand die Idee, Autobahnen zu bauen. Italien war das Vorbild. 1929 wurde erstmals das Wort Autobahn verwendet. Aber schon zwei Jahre zuvor hatte ein Verein den Plan für ein Netz von Nur-Autostraßen vorgestellt. 1932 war die erste dieser Straßen fertig, zwischen Köln und Bonn. Sie hieß Kraftwagenstraße, weil der Mittelstreifen fehlte. Erst 1959 wurde sie zur Autobahn. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zum großen Teil Autobahnpläne verwirklicht, die aus den zwanziger Jahren stammten. Auch damals bekamen die Autobahnen keine Nummern, sondern Namen.

          Das hing unter anderem damit zusammen, daß Eisenbahner diese Strecken bauten. Sie bildeten die einzige Berufsgruppe, die es in den Jahrzehnten zuvor mit großen Verkehrsprojekten zu tun gehabt hatte und also über entsprechende Erfahrungen verfügte. Eisenbahner aber numerieren ihre Strecken nicht, sondern geben ihnen Namen. Hans-Christoph Seebohm, Verkehrsminister in Bonn von 1949 bis 1966 und aus Oberschlesien stammend, sagte damals, er wolle keine Nummern, weil diese immerzu an die Teilung Deutschlands erinnern würden. Das galt noch bis in die siebziger Jahre hinein. Die Autobahn zwischen Bremen und Dortmund etwa, die heute zur A 1 gehört, wurde Hansa-Linie genannt. In den siebziger Jahren wurde in Deutschland das Netz von Autobahnen so dicht, daß es ohne Nummern nicht mehr ging. 1970 erging der Auftrag aus dem Verkehrsministerium, ein System aus Nummern zu schaffen. 1975 wurde es verwirklicht.

          Danach gibt es die A 1 bis zur A 9, die, wie früher die Reichsstraßen, große Räume durchschneiden und von zentraler Bedeutung sind. Die A 1 etwa führt aus dem Norden Schleswig-Holsteins bis nach Saarbrücken. Bei allen Autobahnen mit zweistelligen oder sogar dreistelligen Nummern bedeutet die erste Ziffer einen Großraum, also: 1 steht für Berlin, 2 für Hamburg, 3 für Hannover, 4 für Düsseldorf, 5 für Köln, 6 für Frankfurt, 7 für Nürnberg, 8 für Stuttgart und 9 für München. So erklärt sich auch die A 20, die dem Hamburger Großraum zugeordnet wurde. Der Name A 20 entstand erst, als mit den Planungen für die Autobahn begonnen wurde. Allerdings hat gerade diese Autobahn sogar einen richtigen Namen erhalten, wenn auch nur inoffiziell: „Ostseeautobahn“.

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