22.02.2009 · Schauspieler, Achtung: Wer den Oscar erhält, sollte mit dem Ärgsten rechnen: Karriereknick, Ehedrama, Unglück aller Art. Schon wird in Hollywood gewettet, wen es diesmal trifft. Favoriten sind Brad Pitt und seine Frau Angelina Jolie.
Von Christiane Heil, Los AngelesHugh Jackman dürfte es an diesem Sonntagabend bei der Oscar-Verleihung in Hollywood schwer haben. Als Zeremonienmeister des legendären Filmfests soll der "Sexiest Man Alive" ein paar Millionen neue Zuschauer(innen) vor den Fernseher locken, dem kriselnden Amerika Glamour in die Wohnzimmer zaubern und dabei auch noch finstere Mächte vertreiben.
Seit Heath Ledger ausgerechnet am ersten Jahrestag seines Todes für einen Oscar als bester Nebendarsteller in "The Dark Knight" nominiert wurde, erlebt der "Oscar Curse" dieses Jahr eine Renaissance. Der vielbeschworene Fluch, der der goldenen Trophäe anhaften soll, scheint die 81. Academy Awards heimzusuchen - und das, noch bevor der rote Teppich vor dem Kodak Theatre überhaupt ausgerollt ist.
Erschütternde Bilder, mysteriöser Tod
Tatsächlich steht die Oscar-Verleihung in diesem Jahr unter keinem glücklichen Stern. Unmittelbar vor der Premiere des Oscar-Favoriten "Milk" schafften die Kalifornier Anfang November die gleichgeschlechtliche Ehe in ihrem Bundesstaat wieder ab und erteilten damit den Rechten von Homosexuellen und ihrem getöteten Verfechter Harvey Milk, dem Helden in Gus Van Sants Film, eine unerwartete Absage.
Auch das Bollywood-Spektakel "Slumdog Millionaire", nominiert für immerhin zehn Oscars, verströmt bei der Zeremonie nicht jene Unbeschwertheit, wie es ansonsten seine indischen Klänge und farbenprächtigen Kostüme tun. Zu deutlich hat Los Angeles noch die erschütternden Bilder vom Drehort Bombay vor Augen, das im Herbst nach Ende der Filmarbeiten Schauplatz einer Attentatsserie wurde.
Und schließlich der mysteriöse Tod von Heath Ledger, Favorit in der Kategorie "Bester Nebendarsteller": Ausgerechnet in seiner oscarwürdigen Rolle als Joker in der Batman-Saga "The Dark Knight" brillierte der Australier, bevor er durch einen allzu starken Medikamentencocktail mit nur 28 Jahren starb. Für Hollywood ist der Fluch der Oscars gegenwärtiger denn je.
Unbeliebt „über Nacht“
Dabei gehört der "Oscar Curse" zu der Filmmetropole wie ihre Partys, Paparazzi und Skandale. Was jedoch nicht ausschließt, dass er immer aufs Neue überrascht. "Es war eine traumatische Erfahrung", erinnert sich die sehr blonde Gwyneth Paltrow. Nach einem Oscar als beste Hauptdarstellerin in dem Kostümfilm "Shakespeare in Love" geriet ihre Karriere heftig ins Trudeln. Auf Paltrows Rolle als Shakespeares Muse Viola De Lesseps vor zehn Jahren folgten schräge Komödien ("Schwer verliebt") und Flops ("Der Beweis"), die nicht einmal echte Gwynnie-Fans in die Kinos lockten.
"Über Nacht wurde ich von jemandem, den die Leute mochten, zu jemandem, den sie nicht ausstehen konnten", klagt Paltrow über den Oscar-Fluch, den sie bis heute nicht recht loswerden konnte. Ihre Trophäe habe sie für viele Filmstudios einfach "zu teuer" gemacht. Böse Zungen meinen dagegen, der Karriereknick könne auch mit Paltrows peinlicher Dankesrede zu tun haben, bei der ganz entgegen den Gepflogenheiten in Hollywood ein "Grandpa Buster" erwähnt wurde.
„Jeder denkt, man könne alles“
Dass die goldene Oscar-Statue auch Cuba Gooding Jr. wenig Freude bringen würde, deutete sich schon am Abend der Academy Awards 1997 an. "Ich liebe Euch. Tom Cruise, ich liebe Dich, Bruder. Ich lieb' Dich, Mann. Alle. Ich liebe Euch. Ich liebe Euch alle", ließ er die Welt wissen und war selbst durch ein besonders lautes Orchester nicht zu bremsen. Nach seinem Oscar als bester Nebendarsteller in "Jerry Maguire", einem Football-Drama, ging es mit Goodings Karriere steil bergab. "Ich habe mein Talent ausgebremst und auf die eine, die beste Rolle gewartet", erzählt Gooding, der immer noch wartet. Selbst als Starregisseur Steven Spielberg den damals Neunundzwanzigjährigen anrief, um ihm einen Part in "Amistad" anzubieten, lehnte Gooding ab. Bei vielen gilt er seitdem als fleischgewordener "Oscar Curse".
Schon in den dreißiger Jahren soll der Fluch manche getroffen haben. Für ihre Rolle als Anna Held in dem Musical "Der große Ziegfeld" gewann die deutsche Schauspielerin Luise Rainer 1936 ihren ersten Oscar, ein Jahr später folgte der zweite für "Die gute Erde". Es war ihr letzter Film. "Der Oscar selbst ist kein Fluch", kommentierte Rainer später. "Der Fluch ist, dass jeder denkt, man könne alles - nur weil man einen Oscar hat."
Unbehagliche Nebenrolle
Halle Berry dagegen stapelt bewusst niedrig, um eine Bauchlandung à la Paltrow und Gooding zu vermeiden. "Da ich nicht vom Oscar-Fluch eingeholt werden möchte, versuche ich gar nichts Großes mehr", meint Berry, die vor sieben Jahren für ihre Hauptrolle in "Monster's Ball" mit der Statuette belohnt wurde. "Ich möchte Rollen spielen, die Spaß machen und eine Herausforderung sind." Eine solche Herausforderung war offenbar ihre Rolle als "Catwoman", die ihr 2005 den "Golden Raspberry Award" eintrug. Bei der Verleihung dieses Anti-Oscars für die schlechteste Schauspielerei nannte Berry "Catwoman" ohne Reue "einen grottenschlechten Film".
"Mr. Halle Berry" alias Eric Benét hat den vermeintlichen Oscar-Segen weniger gut verdaut. Schon als seine Frau ihn in der Dankesrede unter Tränen "Freude meines Lebens" nannte, habe ihm seine Nebenrolle gar nicht behagt, wie der Sänger später zugab. Einige Monate nach den Academy Awards 2002 fiel die Ehe denn auch dem Oscar-Fluch zum Opfer - ein wenig unterstützt durch Benéts angebliche Sexsucht.
„Goldener Mann zu Hause“
Doch Benét ist nicht der einzige Mann in Hollywood, der durch eine goldene Trophäe seine Frau verlor. Der Fluch der Oscars scheint häufig die Beziehungen der Celebrities einzuholen - besonders in der Kategorie "Beste weibliche Hauptrolle". In den vergangenen zehn Jahren hat das Gros der prominenten Verbindungen den Oscar nicht überlebt.
Wie Carrie Fisher, Prinzessin Leia in "Krieg der Sterne" zugibt, werden in Hollywood inzwischen Wetten darüber abgeschlossen, welche Beziehungen nach den Academy Awards auf der Strecke bleiben: "Sobald die Frau die Statue bekommt, sind die Tage der Ehe gezählt." Kaum ein Mann könne den kleinen Goldenen neben sich dulden. "Wenn sie den Oscar vor sich herträgt, fühlt er sich entmannt."
Das scheint nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein. Benjamin Bratt, der Mann an der Seite von Julia Roberts, packte drei Monate nach ihrem Oscar für "Erin Brockovich" 2001 die Koffer - obwohl "La Roberts" noch unmittelbar vor dem Filmspektakel bei Talker David Letterman einen Treueschwur leistete: "Ich muss keinen Oscar gewinnen. Ich habe meinen eigenen kleinen goldenen Mann zu Hause."
Blitzhochzeit und Blitzscheidung
Mr. Helen Hunt, dem Synchronsprecher Hank Azaria, erging es ähnlich. Nach Hunts Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin 1998 in "Besser geht's nicht" geriet die Beziehung sofort ins Schlingern. Azaria, bekannt vor allem als Stimme von Barkeeper Moe bei den "Simpsons", schien der knapp 35 Zentimeter hohen Trophäe nicht gewachsen: "Der Oscar starrt mich immer an, als wolle er sagen, dass ich ihn nie haben kann." Auf die Blitzhochzeit folgte nach einem Jahr die Blitzscheidung.
Besonders übel mitgespielt hat der Oscar-Fluch Mr. Hilary Swank, dem eher unauffälligen Schauspieler Chad Lowe. Als Swank im Jahr 2000 für "Boys Don't Cry" ausgezeichnet wurde, vergaß sie ihn in der Dankesrede und setzte Lowe damit dem Spott ganz Hollywoods aus. Noch heftiger traf den Einundvierzigjährigen, der durch Fernsehserien wie "CSI: Miami" und "Emergency Room" tingelt, der zweite Oscar seiner Frau für "Million Dollar Baby". Nur wenige Monate nach den Academy Awards 2005 nahm Hilary Swank ihre beiden goldenen Trophäen und verließ das gemeinsame Liebesnest in New Yorks schickem West Village.
Trifft es diesmal „Brangelina“
Bei den Academy Awards vor drei Jahren brauchte Carrie Fisher gar nicht erst zu wetten. Als Reese Witherspoon für das Johnny-Cash-Epos "Walk the Line" gewann, hielt die Kamera schon im Kodak Theatre das versteinerte Gesicht ihres Partners Ryan Phillippe fest. Witherspoon dankte ihrem "wunderbaren Ehemann", der dabei gequält lächelte. Noch am selben Abend ließ der Schauspieler seiner Frustration freien Lauf, als ihm der Einlass zu einer der Oscar-Partys versagt wurde: "Meine Frau ist meine Eintrittskarte." Heute turtelt Witherspoon mit ihrem Kollegen Jake Gyllenhaal, während Phillippe sich anderweitig vergnügt.
Auch bei den 81. Academy Awards an diesem Sonntag könnte es eines von Hollywoods Traumpaaren treffen. Da Brad Pitt für seinen Part in "Der seltsame Fall des Benjamin Button" nominiert ist und seine Frau Angelina Jolie für "Changeling", stehen die Chancen für einen Oscar-Fluch im Hause Brangelina besonders günstig. Carrie Fisher dürfte bereits Wetten abgeschlossen haben.