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Oscar 2013 Going for Goldjunge

 ·  Hollywood bereitet sich auf die größte Show des Jahres vor – und zittert vor den möglichen Ausfällen des diesjährigen Oscar-Moderators Seth MacFarlane.

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© AFP Vergrößern Vor dem Dolby Theatre in Los Angeles laufen die letzten Vorbereitungen für die Verleihung

Einige Mitglieder der Filmakademie sollen den Blick auf das Hollywood & Highland Center seit Tagen scheuen. Auf dem Bau am Hollywood Boulevard beunruhigt ein Poster des Komikers Seth MacFarlane die Gemüter, der in der Nacht zu Montag im nahen Dolby Theatre die Verleihung der Oscars moderiert. Obwohl der Erfinder der Trickfilmserien „Family Guy“ und „American Dad!“ einen „satirischen Ton mit weichen Kanten“ versprochen hat, fürchtet die Academy of Motion Picture Arts and Sciences um die politische Korrektheit der als langatmiger Trophäen-Marathon verschrieenen Gala.

Der Lehrersohn MacFarlane hatte schon bei der Nominierung der Oscar-Kandidaten Anfang Januar mehr als nur Augenbrauen zucken lassen, als er während der knapp zehnminütigen Veranstaltung in Beverly Hills seine Mitmoderatorin Emma Stone beleidigte, Hollywoods Star-Regisseure belächelte („Das sind die Fünf, die am besten auf einem Stuhl sitzen können, um anderen beim Filmemachen zuzusehen“) und mit einem Witz aneckte.

„Lincoln“ sorgt für Verstimmung

„Ich habe gelesen, dass ,Amour‘ von Österreich und Deutschland koproduziert wurde. Bei der letzten Zusammenarbeit der beiden Länder kam Hitler heraus, aber der Film ist viel besser“, hatte der 39 Jahre alte Regisseur („Ted“) das verlegene Publikum aufgeklärt. „Seth MacFarlane hat Hollywood gezeigt, dass er bei den Oscars einen Saftsack abgeben wird“, prophezeite die amerikanische Internetseite „The Atlantic Wire“ prompt. Seit Joseph Courtney, ein demokratischer Abgeordneter aus Connecticut, vor drei Wochen mit seiner Ehefrau Audrey im Kino war, sorgt auch das Historiendrama „Lincoln“ von Los Angeles bis Hartford für Verstimmung.

Da in Steven Spielbergs Film zwei der drei Vertreter aus Courtneys Heimatstaat im Januar 1865 gegen die Abschaffung der Sklaverei stimmten, machte der Abgeordnete den Regisseur auf die „historische Ungenauigkeit“ aufmerksam: „Ich habe meinen Augen und Ohren nicht getraut, als sich die Mitglieder der Delegation im Film für die Sklaverei entschieden. Wie die Aufzeichnungen des Kongresses zeigen, haben sich damals alle Mitglieder des Repräsentantenhauses aus Connecticut für die Abschaffung der Sklaverei eingesetzt.“

Als der Drehbuchautor Tony Kushner die Bitte um Korrektur mit dem Verweis auf Dramaturgie und künstlerische Freiheit abbügelte, verlieh die streitbare „New York Times“-Kolumnistin Maureen Dowd dem für zwölf Goldtrophäen nominierten Favoriten „Lincoln“ umgehend einen„Oscar für das beste Lügenmärchen“. „In diesem Jahr gibt es gleich mehrere Kandidaten, die mit der vermeintlichen Echtheit hausieren gehen.

Filmakademie setzt auf „Schnuckelchen-Faktor“

Aber sobald die Authentizität in Frage gestellt wird, heißt es, es sei ja nur ein Film“, wetterte Dowd. Wie die Journalistin recherchierte, stutzte Hollywood auch die Geiselnahme in Teheran („Argo“) und die Jagd auf Usama bin Ladin („Zero Dark Thirty“) für die Leinwand zurecht. Neben Spielbergs „Lincoln“ nominierte die Academy die Thriller der Regisseure Ben Affleck und Kathryn Bigelow dennoch für die Königsdisziplin Bester Film. Die Academy Awards, nach der als Rebranding kaschierten Verjüngungskur in diesem Jahr erstmals auch offiziell „Oscars“ genannt, versprechen dennoch hohe Einschaltquoten.

Gleich sechs der neun Anwärter für die „Best Picture“-Trophäe haben an den amerikanischen Kinokassen bislang mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt.  Zudem setzt die überwiegend männliche Filmakademie bei der Gala im frischrenovierten Dolby Theatre auf den „Schnuckelchen-Faktor“. Neben Blickfängen wie Kristen Stewart, Jennifer Garner und Jessica Chastain luden die Veranstalter auch Jennifer Lawrence, laut Internetportal Askmen.com die begehrenswerteste Frau des Jahres 2013, als Präsentatorin ein.

Da der 22 Jahre alte Nachwuchsstar immer wieder durch Schlagfertigkeit und Wortwitz auffällt, hoffen viele Zuschauer schon wegen der erwarteten Dankesrede auch auf Lawrence’ Oscar-Gewinn für ihre Hauptrolle in der Tragikömodie „Silver Linings“. Um den Oscars trotz nostalgischer Showeinlagen wie einem Musical-Medley und dem Auftritt Barbra Streisands frische Impulse zu geben, stehen in der Nacht zu Montag auch sechs Filmstudenten auf der Bühne.

Neil Meron und Craig Zadan, die Produzenten der Gala, wählten sie durch einen Wettbewerb aus, bei dem die Nachwuchsregisseure in einem 30 Sekunden langen Video ihren Beitrag zur Zukunft des Filmemachens schilderten. „Die Tradition vollbusiger Mädels, die den Präsentatoren die Goldstatuen überreichen, hat sich überholt. Warum sollen wir nicht Menschen einladen, die tatsächlich cineastische Ambitionen haben?“ fragte Meron im Vorfeld der Preisverleihung.

Ob auch die etwa 5800 stimmberechtigten Mitglieder der Academy mit einem Durchschnittsalter von fast 62 Jahren den frischen Wind aushalten, wird spätestens die Oscar-Verleihung im Jahr 2014 zeigen.  Falls Komiker Billy Crystal im nächsten Jahr dann zum zehnten Mal als Zeremonienmeister auf der Bühne des Dolby Theatre stehen sollte, haben Meron, Zadan und Schock-Moderator Seth MacFarlane das vielbeschworene Rebranding nicht überstanden.

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22.02.2013, 15:31 Uhr

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