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Veröffentlicht: 05.12.2013, 08:03 Uhr

Orkan „Xaver“ Wetterdienst warnt vor schwerem Unwetter – Flüge gestrichen

Gleich drei schwere Sturmfluten befürchten die Meteorologen durch das Orkantief „Xaver“ an den Küsten Norddeutschlands. Viele Schulen und Weihnachtsmärkte bleiben geschlossen, Fähren zu den Inseln und auch Flüge in Hamburg fallen aus.

© dpa In der Nacht hat die erste Flutwelle des Orkantiefs «Xaver» die größte nordfriesische Hallig Langeneß noch nicht überspült

Orkantief „Xaver“ soll am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag mit heftigen Böen bis Windstärke 12 über Norddeutschland hinwegfegen. Der Deutsche Wetterdienst hat wegen des herannahenden Orkans „Xaver“ eine Unwetterwarnung für Sachsen-Anhalt herausgegeben. Es sei mit orkanartigen Böen bis zu 115 Kilometer pro Stunde aus südwestlicher und westlicher Richtung zu rechnen. Der Sturm könne Bäume entwurzeln und Dächer beschädigen. Die Unwetterwarnung gelte zunächst von 15 Uhr bis zum späten Abend. Eine Verlängerung sei aber sehr wahrscheinlich.

Wenige Wochen nach dem Oktober-Orkan „Christian“ versetzte „Xaver“ bereits vor seiner Ankunft Feuerwehren und Verkehrsbetriebe in Alarmbereitschaft. Fähren zu den Nordseeinseln sollen ihren Betrieb teilweise einstellen, in vielen norddeutschen Schulen fällt der Unterricht aus. Auch Weihnachtsmärkte bleiben am Donnerstag geschlossen.

In Hamburg soll der große Winter-Jahrmarkt und alle Weihnachtsmärkte von Donnerstag an zunächst geschlossen bleiben. Dies haben die Bezirksämter beziehungsweise die Wirtschaftsbehörde am Mittwoch angeordnet. Die Marktbetreiber wurden aufgefordert, ihre gesamte Ausstattung zu sichern und den Betrieb vorübergehend ab Nachmittag einzustellen, sagte eine Sprecherin des Bezirksamtes Mitte. Der Hamburger Winterdom lockte seit dem diesjährigen Start am 8. November über 1,5 Millionen Besucher zum größten Volksfest in Norddeutschland.

Am Hamburger Flughafen wurden zunächst etwa 20 Landungen und Abflüge gestrichen, wie eine Sprecherin am Donnerstagmorgen sagte. Weitere Ausfälle wurden erwartet. Betroffen waren vor allem Verbindungen innerhalb Deutschlands, etwa nach München oder Frankfurt am Main. Passagiere wurden gebeten, sich regelmäßig über die Wettersituation zu informieren und die Fluggesellschaften zu kontaktieren. Auch im Bahnverkehr wurden Behinderungen erwartet. Bei der stürmischen Wetterfront „Xaver“ wurde mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 140 Kilometern pro Stunde gerechnet.

So fegt „Xaver“ über Deutschland © Windfinder.com Bilderstrecke 

Mehrere schwere Sturmfluten

Über eineinhalb Tage soll „Xaver“ Meteorologen zufolge über Norddeutschland wehen - und damit noch länger als „Christian“, der im Oktober für umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und abgetragene Sandstrände gesorgt hatte.

An den Küsten soll es bis einschließlich Freitag zu mehreren schweren Sturmfluten kommen. „Es können drei hintereinander sein“, hieß es am Mittwoch beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. Die höchste der Sturmfluten wird nach BSH-Einschätzung in der Nacht zum Freitag - nach Mitternacht - in Ostfriesland und an der Nordseeinsel Borkum erwartet. In Hamburg und Bremen soll die Sturmflut am frühen Freitag ankommen.

Vorbereitung auf Orkan Xaver © dpa Vergrößern Auf Norderney bereiten sich die Menschen auf den nahenden Sturm vor

Ab Donnerstagnachmittag sei an der Nordseeküste mit Böen der Stärke 12 zu rechnen und im Binnenland mit Stärke 11, sagte Rüdiger Hartig, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). An der Nordsee sind laut DWD extrem starke Böen von mehr als 140 Kilometern je Stunde möglich.

Nach Einschätzung des DWD wird der Orkan voraussichtlich in Schleswig-Holstein am stärksten wüten. Besonders im nördlichen Niedersachsen sowie in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sei mit Einschränkungen oder auch Einstellungen des Zugverkehrs zu rechnen, teilte die Deutsche Bahn mit.

Infografik / Karte / Orkantief Xaver © dpa Vergrößern

Behinderungen und Ausfälle im Fährbetrieb

Wegen der Orkanwarnungen kündigten die Fährbetriebe zu den nordfriesischen Inseln sowie den Halligen im Wattenmeer Behinderungen und Ausfälle an. Der „Sylt Shuttle“ der Bahn schränkt sein Angebot ein. Der Fährbetrieb zur ostfriesischen Insel Juist wird eingestellt, die Insel Norderney nach Donnerstagmorgen nicht mehr bedient. Für die Insel Borkum sowie für Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland gab es zunächst keine Einschränkungen.

Die 1400 Freiwilligen und vier Berufsfeuerwehren in Schleswig-Holstein sind nach Angaben ihres Landesverbandes auf „Xaver“ vorbereitet. Die Bürger wurden aufgefordert, während des Orkans im Haus zu bleiben und Wälder selbst nach dem Sturm zu meiden.

DWD-Vorhersagekarte Orkantief «Xaver» © dpa Vergrößern Vorhersagekarte des Deutschen Wetterdienstes für das Orkantief „Xaver“

Auch in der Hansestadt Hamburg wurden Vorkehrungen getroffen. Alle U-Bahn-Strecken sowie Buslinien werden verstärkt, wie die Hochbahn mitteilte. In der Hafenstadt könnten rund 400 Berufsfeuerwehrkräfte und etwa 2500 freiwillige Feuerwehrleute ausrücken, kündigte ein Sprecher an.

Auch der Flugbetrieb könnte beeinträchtigt werden

Die Deutsche Bahn hat ihre Bereitschaftsdienste zum Räumen von Bahnsteigen und Gleisen sowie zur Reparatur von Oberleitungen mobilisiert. Der Orkan könnte auch den Flugbetrieb beeinträchtigen, teilte der Flughafen Hamburg mit. In Amsterdam geht man derweil von bis mindestens 80 gestrichenen Flügen aus.

Der Hamburger Innenbehörde ging zunächst von einem Wasserstand von mindestens fünf Metern - möglicherweise auch 5,10 oder 5,20 Meter - über Normal Null (NN) in Hamburg-St. Pauli aus. Die Deiche seien auf 7,30 Meter ausgelegt.

Die Weihnachtsmärkte in Bremen sollten am Donnerstag geschlossen bleiben. In Mecklenburg-Vorpommern warnte der Deutsche Wetterdienst die Betreiber von Weihnachtsmärkten, Buden und Stände zu sichern. Vor Rügens Küste ist ein Schwimmkran schon am Mittwoch von der Ostsee abgezogen worden, der an der Offshore-Baustelle des Windparks Baltic II im Einsatz war.

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Vom leisen Hauch zum Orkan

Die Windgeschwindigkeiten werden nach der Beaufort-Skala gemessen. Sie wurde 1806 von dem englischen Admiral Francis Beaufort (1774-1857) entwickelt.

Die einzelnen Windstärken:

0: Windstille, unter 1 km/h pro Stunde, Rauch steigt senkrecht auf.

1: leiser Luftzug, 1 bis 5 km/h, Windrichtung am Zug des Rauches erkennbar. 

2: leichte Brise, bis 11 km/h, Blätter bewegen sich.

3: schwache Brise, bis 19 km/h, Wind bewegt dünne Zweige.

4: mäßiger Wind, bis 28 km/h, Wind hebt Staub und loses Papier.

5: frische Brise, bis 38 km/h, Bäume beginnen zu schwanken, Schaumkronen bilden sich auf Seen.

6: starker Wind, bis 49 km/h, Schirme nur schwer zu halten, starke Äste schwanken.

7: steifer Wind, bis 61 km/h, ganze Bäume bewegen sich.

8: stürmischer Wind, bis 74 km/h, Zweige brechen von Bäumen.

9: Sturm, bis 88 km/h, kleinere Schäden an Häusern, Dachziegel werden abgehoben.

10: schwerer Sturm, bis 102 km/h, größere Häuserschäden, Wind bricht Bäume.

11: orkanartiger Sturm, bis 117 km/h, entwurzelte Bäume, verbreitet Sturmschäden.

12: Orkan, ab 118 km/h, schwere Verwüstungen.

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