12.12.2001 · Nur wenige Deutsche sind bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Dabei kann ein Spenderorgan Leben retten, und die Operation ist reine Routine.
Die Deutschen sind beim Thema Organspende noch immer zurückhaltend. Nur 15 Prozent der Verstorbenen hätten einen Spenderausweis, sagte der Vorstandsvorsitzende des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation, Wilhelm Schoeppe, in Neu-Isenburg. Liege keine schriftliche Erklärung vor, müsse man die Hinterbliebenen um Erlaubnis fragen. „Doch wenn ein Mensch gestorben ist, denken die Angehörigen an etwas anderes, als daran, ob man den Verstorbenen in die OP zur Entnahme schieben darf“, bemängelte Schoeppe.
Nach seinen Angaben wird der Import von Spenderorganen immer seltener. Das liege daran, dass gespendete Nieren zumeist in der Region benötigt würden. Nur bei „best passenden Konstellationen“ zwischen Spender und Empfänger gebe es einen grenzüberschreitenden Austausch. Der habe jedoch Tradition seit den ersten Transplantationen. Bei einem Defizit an Spendern suche man seit jeher im Ausland über eine spezielle Agentur nach Organen.
Nierentransplantation eine Routine-Operation
Schoeppe betonte, Nierentransplantationen seien „Routine-Operationen“. Die Chancen seien „hoch“, dass eine Operation erfolgreich sei. Das Risiko, dass das gespendete Organ nicht funktioniere, sei dagegen „minimal“, sagte der Vorstandsvorsitzende im Hinblick auf die erfolgreich verlaufende Nierentransplantation bei Stardirigent Kurt Masur.
Zahl der Transplantation stagniert
Nach Angaben des Arbeitskreises Organspende ist die Zahl der Nierentransplantationen in den vergangenen Jahren nahezu gleich geblieben. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland 2.219 Nieren übertragen, 1999 waren es 2.275, 1998 2.340. In den 80er Jahren war die Zahl der Operationen dagegen stark angestiegen von 670 im Jahr 1980 auf 2.358 zehn Jahre später. Eine Nierentransplantation kostet inklusive der Nachbehandlung 100.000 Mark. Dazu kommen jährliche Kosten von bis zu 20.000 Mark.