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Online-Dating : Perfekt ist perfekt ist perfekt

Amor im Internet: Wirkt sich die Online-Partnersuche auf Beziehungen aus? Bild: Isabel Klett

Auf dem Kontakthof Internet wimmelt es nur so von möglichen Partnern. Aus der Wahl wird die Qual. Verändert das Online-Dating unsere Beziehungen im wirklichen Leben?

          Stellen Sie sich vor, sagt der Mann, der Erfahrung hat mit der Liebe im Internet, Sie wollen sich ein neues Kleid kaufen. Im Geschäft hängen ein rotes, ein gelbes, ein grünes und ein lilafarbenes Modell. Sie probieren an. Lila steht Ihnen nicht besonders. Das Grüne sitzt nicht perfekt. Sie streifen das Gelbe über. Zuletzt drehen Sie sich in dem roten Kleid vor dem Spiegel. „Und was passiert dann?“, fragt der Mann. „Sie kaufen keins.“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nennen wir den Mann Martin Birkenbeck. Er ist 37 Jahre alt und Banker in Berlin. Zehn Jahre lang war Birkenbeck fest liiert, dann verließ ihn seine Frau. Birkenbeck ging in Diskotheken und lernte Mädchen kennen. Er suchte im Freundeskreis, aber da war nichts Ernsthaftes dabei. Vor ein paar Jahren dann entdeckte er den Kontakthof Internet. Singlebörsen, Flirtseiten, Partnervermittlungen; Kandidatinnen wie Sand am Meer. „Vorher war mir gar nicht bewusst, was alles geht“, sagt Birkenbeck.

          Dann erzählt er von der hübschen Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie war jünger als er, schlank, kurzhaarig und - Birkenbeck zögert, Oberflächlichkeiten seien schließlich nicht sein Ding - durchaus sexy. Man hatte sich etwas zu sagen. Ihm gefiel, wie sie aus ihrem Studentendasein plauderte. Ein ähnlicher Hintergrund, intakte Elternhäuser.

          Die immer gleichen Mechanismen

          Wie immer in solchen Fällen traf Birkenbeck die Frau zunächst am Hackeschen Markt. Man ging essen und anschließend noch etwas trinken. „Das sind immer die gleichen Orte“, sagt Birkenbeck, „nach ’ner Weile entwickelt man so Mechanismen.“ Wenn es gut läuft, dann läuft mehr. Man trifft sich wieder, besucht einander, bleibt über Nacht. Ein-, zweimal landete Birkenbeck mit der Wirtschaftswissenschaftlerin im Bett. Das war’s. Eine SMS beendete die Affäre. „Ich hatte schon bessere Nächte erlebt“, sagt Birkenbeck fast entschuldigend. Er weiß, dass guter Sex auch mit Vertrautheit zu tun hat, weshalb das erste Mal kein Maßstab sein dürfte. „In der Offline-Welt hätte ich mich vielleicht mehr drauf eingelassen“, gibt er zu.

          Aber Birkenbeck war online. Frauen gab es genug; mit einigen mailte er längst. „Mit dem nächsten Klick wartet die nächste potentielle Partnerin“, sagt Birkenbeck. Und: „Wenn etwas nicht gefällt, wird weitergeklickt.“ Wenige Wochen später saß Birkenbeck wieder in seinem Stammrestaurant am Hackeschen Markt - mit einer anderen Frau.

          In Amerika hat Anfang des Jahres ein Buch für Wirbel gesorgt, in dem der Journalist Dan Slater den Birkenbecks seines Landes nachgespürt hat. Slater stellt steile Thesen auf. Er behauptet, dass die virtuelle Anbahnung von Liebesbeziehungen reale Partnerschaften verändere. „Der Aufstieg von Online-Dating wird zu einem generellen Rückgang an Verbindlichkeit führen“, schreibt der Autor in einem Kapitel, das provokant, jedoch durchaus ernst gemeint mit „Bessere Beziehungen, aber mehr Scheidungen“ überschrieben ist.

          Unendlich viele attraktive Mädchen

          Genüsslich ergeht sich Slater, der mehr als einhundert Online-Dater befragt hat, in der Beschreibung eines Birkenbeck-Verschnitts: Entzückt von der schier unendlichen Verfügbarkeit attraktiver Mädchen, die er sonst nie kennengelernt hätte, gibt sein Protagonist jegliche Bindungsabsichten auf und frönt einem promisken Leben. Außerdem zitiert der Journalist die Führungsriege der einheimischen Dating-Industrie, die den Niedergang von Ehe und Monogamie besingt. Wer wollte schon in einer mittelmäßigen Partnerschaft verharren, wo sich in den Weiten des Netzes doch eine bessere finden lassen wird? Dass diese Botschaft perfekt zum Geschäftsmodell einer Branche passt, die sich in Nordamerika zu einem Zwei-Milliarden-Dollar-Markt gemausert hat, problematisiert Slater nicht.

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