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Oktoberfest Nasdorowje, München!

 ·  Ab diesem Samstag ist wieder alle Welt zu Gast auf dem Oktoberfest. Aus Russland kommen vor allem eingefleischte Liebhaber der Wiesn.

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Die russischen Momente auf dem Oktoberfest sind bisher rar gesät: als Lückenfüller zwischen Liedern wie „Anton aus Tirol“, „Resi, i hol Di mit mei’m Traktor ab“ oder dem diesjährigen Wiesn-Hit-Anwärter „Yvonne, die Kuh“. Doch wenn die Bierzeltkapellen das alte Lied „Kalinka“ oder die russische Romanze „Schwarze Augen“ anstimmen, fallen sich die Besucher an den Biertischen regelmäßig in die Arme – egal, ob sie aus München-Neuhausen, Neuseeland, Italien oder den Vereinigten Staaten kommen. Oder eben aus dem Herkunftsland der volkstümlichen Weisen: aus Russland.

Zwar existiert noch keine offizielle statistische Erhebung, die belegt, dass immer mehr Russen das Oktoberfest besuchen. Doch heißt es in der Pressestelle des größten Volksfest der Welt, dass ihre Zahl in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen habe. Und das, obwohl nach Angaben der Deutschen Zentrale für Tourismus in Frankfurt 2009 die Ankunftszahl aus Russland zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 gesunken war: auf rund 460.000 Ankünfte für ganz Deutschland. Neuere Zahlen liegen nicht vor.

Wenn an diesem Samstag gegen zwölf Uhr der Münchner Bürgermeister Christian Ude (SPD) zum finalen Schlag ausholt, um das erste Fass des Oktoberfests anzustechen, werden deshalb auch viele russische Gäste auf dem Festgelände sein. Dennoch sei die Wiesn nach wie vor ein „bayerisches Fest“, stellt das Münchner Tourismusamt fest. Bei der letzten offiziellen Erhebung 2008 kamen 60 Prozent der sechs Millionen Oktoberfestbesucher aus München, weitere zwölf Prozent aus dem übrigen Bayern. Gut ein Zehntel kommt aus anderen deutschen Bundesländern, die übrigen aus dem Ausland.

„Vergesst euer Handy!“

Die größte Gruppe waren dabei wie immer die Italiener, die etwa ein Fünftel der ausländischen Besucher stellten, vor Amerikanern, Engländern und Australiern. Die russischen Besucher machten bei der letzten Besucherbefragung weniger als zwei Prozent der ausländischen Besucher aus. Das waren umgerechnet aber immerhin etwa 23.000 Personen.

In Russland arbeiten große Reiseveranstalter daran, dass sich diese Zahl erhöht. So bietet das Moskauer Reisebüro „Mosintour“ zur Zeit sechs Tage im Zweisternehotel für rund 950 Euro an – inklusive Flug und einem Sitzplatz in einem der beliebten Zelte. „Das Oktoberfest genießt sehr hohes Interesse bei russischen Touristen“, sagt Irina Keyko, die das Moskauer Büro der Deutschen Zentrale für Tourismus leitet. Auch mehrere russischsprachige Reiseveranstalter in der Ausrichterstadt des größten Volksfests der Welt bieten Fest-Pakete an. Das Reiseunternehmen „Aerolink“ offeriert ein Fünf-Tage-Programm für 600 Euro – ein Ausflug zum Schloss Neuschwanstein eingeschlossen. Tatjana Beliak vom Münchner „Belta Tour Reisebüro“ berichtet ebenfalls von vermehrten Anfragen mittelgroßer Gruppen, denen sie aber selten nachkommen könne: Die großen Reiseveranstalter aus Russland erhielten bei deutschen Partnern oft den Vorzug, etwa bei den knappen Sitzplätzen in den 16 großen Bierzelten.

Der Münchner Reisebüro-Inhaber Thomas Krügl, der sich auch um russische Gäste in der bayerischen Landeshauptstadt kümmert, hat aber bemerkt, dass individuell reisende russische Oktoberfestbesucher durchaus das Potential zum Stammgast haben. „Einige kommen jedes Jahr aufs Neue“, sagt Krügl. Bislang sei es noch ein kleiner Markt. „Und ganz generell sind eher Amerikaner für das Laute und Überfüllte zu haben.“ Ausführliche Ratschläge, wie sich die Lärm- und Leute-Resistenten unter seinen Landsleuten am besten verhalten sollen, gibt Dmitrij Sheslow auf dem privaten russischsprachigen Reiseportal vagante.ru. „Geht auf die Theresienwiese, kauft euch einen albernen Hut in Form eines Bierkrugs, trinkt Bier und vergesst euer Handy“, schreibt er in seiner „Bedienungsanleitung für das Oktoberfest“. Der Beitrag ist auch für andere Nationalitäten hilfreich. „Ihr werdet das Klingeln sowieso nicht hören unter so vielen Leuten und wegen der lauten Musik.“

Als „Russenrad“ bekannt

Was Essen und Trinken betrifft, soll sich der Besucher an den „Oktoberfest-Klassiker“ halten, wie Sheslow es nennt: eine Brezn und ein Brathendl, von dem im vergangenen Jahr die 6,4 Millionen Besucher exakt 505.921 Stück verputzt haben, dazu natürlich ein Bier. Im Jubiläumsjahr 2010 flossen genau 7,1 Millionen Liter in die Kehlen. Allerdings müssen sich alle Besucher dieses Jahr abermals auf höhere Getränkekosten einstellen: Der Maßpreis ist um 3,7 Prozent gestiegen. Im Schnitt kostet der Liter 8,97 Euro.

Wichtig sei außerdem, schreibt der russische Wiesn-Fachmann in seiner Gebrauchsanweisung, so wenig wie möglich mitzunehmen. Wohl auch, damit es seinen Landsleuten nicht so geht wie anderen Besuchern im Vorjahr: 4800 Fundsachen verzeichneten die Organisatoren 2010. Neben 930 Ausweisen und 455 Mobiltelefonen fanden sich auf der fast 34 Fußballfelder großen Festwiese: ein Mops, ein Kaninchen, ein Tennisschläger, eine Tuba, ein Rollstuhl und ein Gebiss.

Zum Abschluss empfiehlt Sheslow den Besuch eines der vielen Fahrgeschäfte. 172 Schaustellungen sind dieses Mal zugelassen, darunter auch wieder das kleine Riesenrad, das schon seit 1925 zum Oktoberfest gehört. Eine Fahrt könnte für die Besucher dann allerdings zu einem weiteren russischen Moment führen. Sein Vorläufer war ein Fahrgeschäft, das laut Pierers Universallexikon von 1862 vor allem im Zarenreich beliebt war. Bis heute spiegelt sich das im Namen des kleinen Riesenrads wider. Auf der Wiesn ist es nur als „Russenrad“ bekannt.

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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