09.10.2001 · Zum vierten Mal in Folge ist ein Nobelpreis an einen deutschen Forscher gegangen, der in den USA arbeitet. Die Deutsche Forschungsgesellschaft spürt offenbar Rechtfertigungsdruck.
Der vierte Nobelpreis in Folge für Wissenschaftler aus Deutschland, die in den USA arbeiten, ist nach Ansicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kein Hinweis auf Defizite in der deutschen Forschungspolitik. Der diesjährige Preisträger Wolfgang Ketterle habe sich 1990 seinen den Wechsel in die USA nicht leicht gemacht, sagte DFG-Sprecherin Eva-Maria Streier am Dienstag in Bonn.
Ketterle hätten auch gute Angebote hiesiger Forschungsinstitute vorgelegen, sagte sie. Der Umzug des deutschen Physikers im Alter von rund 30 Jahren in die USA sei zu einem üblichen Zeitpunkt erfolgt. Nach Ansicht des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Hubert Markl, muss Deutschland ein Einwanderungsland für junge Wissenschafts-Eliten werden. Das sagte er bereits im Vorfeld der Nobelpreis-Vergabe im September. Die Kombination von „Weltoffenheit“ und Hochleistungsinstitutionen habe in den USA zu der derzeit relativ hohen Anzahl von Nobel-Preisträgern geführt, sagte Markl.
Elite-Sammeleffekt bei US-Universitäten
Eine Ursache für die vielen Nobel-Preise an Wissenschaftler in den USA sei der „Elite-Sammeleffekt“ von amerikanischen Spitzenuniversitäten, sagte Markl. Viele deutsche Hochschulen hätten hervorragende Ausbildungsqualität, die Absolventen dieser Universitäten würden Deutschland von den USA förmlich „aus der Hand gerissen“. Deutschland sollte von den USA lernen, die Hochschulsysteme auf mehr Spitzenqualität auszurichten, ohne dabei auf eine gute Breitenausbildung zu verzichten.