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Serie über Hitler : „Warum eigentlich nicht?“

Monster, Spottfigur und Ikone des Bösen: An der Verkörperung Hitlers haben sich schon zahlreiche Schauspieler versucht. Hier, Bruno Ganz in „Der Untergang“. Bild: dpa

Darf man Adolf Hitler als Menschen zeigen – oder muss man es sogar? Niki Stein und Hark Bohm wagen sich an ein Projekt, das polarisieren wird: die erste deutsche Serie über Hitler. Wir haben mit den Filmemachern gesprochen

          Er ist wieder da? Er war doch gar nicht weg. Obwohl seit siebzig Jahren tot, ist Adolf Hitler in diesem Lande in einer Weise präsent wie keine andere historische Figur. Hitler findet man im Buchhandel mit der kritischen Edition von „Mein Kampf“, auf der Titelseite von „Bild“, weil er angeblich nur einen Hoden hatte, auf der Titelseite der „Titanic“ Arm in Arm mit Helene Fischer, im Kino mit „Er ist wieder da“. Und auch an diesem Vormittag in einem Besprechungszimmer der Ufa Fiction in Berlin wird es um ihn gehen, denn die Produktionsfirma plant etwas, was es noch nicht gegeben hat: eine fiktionale Fernsehserie, deren Arbeitstitel schlicht „Hitler“ lautet. Voraussichtlich vier Folgen à 120 Minuten, mit einem Budget von zwanzig Millionen Euro produziert für den deutschen wie den internationalen Markt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die beiden Männer auf dem Sofa kennen sich lange. Niki Stein und Hark Bohm sind Freunde, Stein hat einst bei Bohm in Hamburg Filmregie studiert. Brisante Stoffe gescheut haben weder der Autorenfilm-Veteran Bohm noch Stein, der neben einem Dutzend „Tatorten“ Filme über Scientology oder Hitlers Vorzeige-General Rommel gedreht hat. Nichts aber scheint so waghalsig wie die Hitler-Serie, zu der beide gemeinsam die Drehbücher geschrieben haben. Nach vier Jahren Vorarbeit steht das Projekt kurz vor der Verwirklichung; es wird seinen Schöpfern ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit, aber auch vehemente Kritik einbringen.

          Herr Bohm, Herr Stein, haben Sie sich in den vergangenen vier Jahren häufiger mal gefragt, ob Sie womöglich wahnsinnig sind?

          Stein: Wahnsinnig sind oder wahnsinnig werden?

          Bohm: Nein. Ich habe in den vier Jahren immer das Gefühl gehabt, dass ich mich mit dem Wichtigsten beschäftige, was mein Berufsleben mir geboten hat - und das in einem Alter über siebzig. Das habe ich als großes Glück empfunden. Als extrem mühsam und zum Teil frustrierend, aber das gehört nun mal zur Arbeit. Und dass ich das mit Niki zusammen mache, ist ein Schicksalsgeschenk.

          Stein: Bei meinem ersten Projekt mit Nico Hofmann, dem Produzenten, bekam ich von ihm einen Anruf: Willst du einen Film machen über Scientology und die Organisation beim Namen nennen? Als ich anfing, mich damit zu beschäftigen, kriegte ich dann doch öfter Angst. Beim zweiten Projekt, „Rommel“, dachte ich: Damit kann man sich nur in die Nesseln setzen. Das war dann auch in Teilen so. Als Nico Hofmann nach langen Gesprächen mit Frank Schirrmacher auf mich zukam mit der Frage, ob man Hitler seriell ambivalent erzählen kann, antwortete ich ganz fatalistisch: Warum eigentlich nicht? Doch ähnlich wie bei Hark war meine Faszination schnell da.

          Wer braucht eine Fernsehserie über Hitler - und warum?

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