Dem Artisten Nik Wallenda ist die tollkühne Überquerung der Niagarafälle auf einem Drahtseil geglückt. Damit ist er Dreiunddreißigjährige der erste Mensch, der auf diese Art die Schlucht mit einem Durchmesser von 550 Metern überquert hat.
Den Stunt habe er „ganz sicher durch eine Menge Gebet“ über die Bühne bringen können, sagte Wallenda nach seinem Drahtseilakt. „Aber es dreht sich alles um die Konzentration, den Fokus und das Training“, fügte er hinzu. Wallenda entstammt der bekannten Artistenfamilie der aus dem damaligen Österreich-Ungarn kommenden Fliegenden Wallendas und hatte den Stunt schon seit langem geplant.
„Das ist der Stoff, aus dem Träume gemacht sind, Leute“, rief Wallenda schließlich, während er gemessenen Schrittes auf dem Seil über den nebligen Wasserfällen balancierte. Dabei betete er. Unterdessen verfolgten rund 125.000 Schaulustige auf der kanadischen und 4.000 auf der amerikanischen Seite das Geschehen. Als Wallenda wieder festen Boden unter den Füßen hatte, umarmte er erst einmal seinen Onkel.
Der Fernsehsender ABC übertrug live, bestand dafür aber darauf, dass Wallenda einen Haltegurt trage. Zuvor hatten die Behörden dem Vater dreier Kinder grünes Licht für seinen Stunt erteilt.
Wallenda legte die 550 Meter lange Strecke über die Horseshoe Falls (Hufeisenfälle) in unerwartetem Tempo zurück. Statt der geplanten 45 brauchte er nur 25 Minuten für das Jahrhundertabenteuer Hochseil hoch über den tosenden Wassermassen. Meteorologen hatten ihn vor heftigen Böen und Wirbelwinden gewarnt.
Schon rund ein Dutzend Wagemutige hatten sich mit einem Drahtseil an die Überquerung der gewaltigen Niagarafälle gemacht - allerdings nur stromabwärts. Direkt über das Naturschauspiel ist jedoch noch niemand gelaufen. Seit 1896 hatten die örtlichen Behörden zudem derartigen Stunts ihre Zustimmung verweigert. Wallenda brauchte zwei Jahre, um die Erlaubnis zu bekommen.
Gute Reklame für Niagara
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 16.06.2012, 20:45 Uhr