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Veröffentlicht: 19.02.2015, 15:46 Uhr

Politisches Schlagwort Nicht Churchill prägte den Begriff „Eiserner Vorhang“


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Ein mit „cl Lissabon“ signierender Verfasser befasste sich mit den Folgen der Konferenzen von Moskau im Oktober 1944 und Jalta Anfang Februar 1945. Der entsprechende Satz lautete: „Ein eiserner Vorhang vollendeter bolschewistischer Tatsachen ist, trotz Churchills Bittgang nach Moskau vor der Roosevelt Wahl, vor ganz Südosteuropa niedergegangen“. Dieser senke sich seit der Jaltaer „Dreierkonferenz unaufhaltsam“ über Europa.“ Außerdem meinte „cl“ über die Außenministerien in Washington und London: „Staatsdepartement und Foreign Office wetteifern zwar in der Erfindung einer diplomatischen Maschinerie, um zu Hause den Eindruck zu erwecken, dass die Westmächte den eisernen Vorhang irgendwie noch mitbedienen, bevor ganz Europa dahinter verschwunden ist. \[...\] Dennoch sitzen im Rücken schon Moskauer Regisseure für den nächsten Akt kommunistischer Durchsetzung Englands und Amerikas.“

Ein Fabrikantensohn aus Offenburg

Auf den Wochenzeitungsbeitrag von „cl“ machte der Historiker Karl-Heinz Minuth (1927 bis 1999) bereits 1964 in der Zeitschrift „Geschichte in Wissenschaft und Unterricht“ aufmerksam. Allerdings fand er nicht heraus, wer sich hinter dem Kürzel verbarg. Da ist jetzt Georg Meyer, der 1937 geborene und pensionierte Wissenschaftliche Direktor am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr, weitergekommen, zumal er „cl“ noch persönlich kennenlernen konnte. Wie Meyer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, handelt es sich bei dem Korrespondenten in Lissabon um Max Walter Clauss (1901 bis 1988), einen Fabrikantensohn aus Offenburg.

Clauss studierte Germanistik, Romanistik, Geschichte und Soziologie, wurde 1926 in Heidelberg (bei Alfred Weber und Ernst Robert Curtius) promoviert, war 1933 erfolgloser Kandidat der Deutschen Staatspartei für den Reichstag, anschließend Schriftleiter der Agentur „Dienst aus Deutschland“ und 1938 vorübergehend außenpolitischer Ressortleiter des „Berliner Tageblatts“, das alsbald mit der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ fusionierte. Von 1943 an war Clauss in Lissabon. Seine Tätigkeit für „Das Reich“ wurde nach 1945 tunlichst verschwiegen. In einem Nachruf hieß es über ihn: „Als Auslandschef der Hannovermesse (1960–66) arbeitete er eng mit Wirtschaftsminister Ludwig Erhard zusammen.“ Und: „Als Fraktions-Sekretär der Deutschen Staatspartei erlebte Clauss, Verfasser mehrerer Bücher, im Kreis der süddeutschen Demokraten um Theodor Heuss 1932/33 in Berlin das Ende der Weimarer Republik.“

Sein bekanntestes Buch erschien 1952: „Der Weg nach Jalta. Roosevelts Verantwortung“. Damals lebte Clauss immer noch in Lissabon, wo er nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Gründern der Deutschen Handelskammer in Portugal zählte. Dadurch war er in Verbindung mit der Hannovermesse gekommen, deren Vertretung für Portugal er von 1951 bis 1956 innehatte. Anschließend kehrte er nach Deutschland zurück, war Leiter der Außenwirtschaftsabteilung der Industrie- und Handelskammer Stuttgart und wechselte von dort zur Hannovermesse.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb Ende 1952 ein Rezensent über das Jalta-Buch: „Die Unbefangenheit, mit der der Autor vielleicht halb unbewusst, in einer Zeit, in der es kein (oder zwei) Deutschland gibt, rückblickend einen deutschen Standpunkt vertritt, und mit der er etwa auch die Rolle der jüdischen Racheforderungen in Washington beschreibt, zeigt ihn als einen der seltenen Deutschen, für die das Jahr 1945 keinen Bruch im Denken brachte.“ Die „Inlandsdeutschen“ hätten durch die „Umerziehung“ und die „Auseinandersetzung mit dieser Umdrehung von Wertungen und Geschichtsbildern eine Wandlung durchgemacht“. Demgegenüber zeige sich, „dass ein Mann wie Clauss von seinem Standpunkt in Lissabon aus einen unzerrissenen Faden weiterspinnt“. Im Frühjahr 1956 verfasste Clauss, der alte „Feindbilder“ wohl konserviert hatte, auch einige Artikel zu außenpolitischen Themen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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