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Neustart der Flugverkehrs „Langsam kehrt wieder Normalität ein“

21.04.2010 ·  Die großen deutschen Airlines arbeiten unter Hochdruck an der Reorganisation ihrer Flugpläne und wollen am Donnerstag wieder normal fliegen. Die Deutsche Luftraumsicherung hält erst zum Wochenende eine Rückkehr zur Norm für realistisch. Der Neustart der Flugnormalität hat erst begonnen.

Von Aljoscha Harmsen
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Nachdem sich die Aschewolke aus Island verzogen hat, ist der deutsche Luftraum wieder geöffnet - doch nicht alle Airlines können schon wieder wie gewohnt fliegen: „Die Flugpläne sind komplett durcheinander geraten“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherheit (DFS). Deshalb werde es noch eine Weile dauern, bis der Flugbetrieb wieder reibungslos laufe. Bis Mittwochmittag hatte die DFS, die alle Flüge im deutschen Luftraum koordiniert und die Wetterdaten verarbeitet, demnach 1257 Flüge koordiniert. Bis zum Ende des Tages gehe man von einer Zahl von rund 5000 aus, so die Sprecherin. Bei der DFS rechnet man erst am Wochenende damit, wieder die ursprüngliche Zahl von etwa 8500 Flugzeugen pro Tag zu erreichen - das entspreche dem Durchschnitt im April.

Vor einer noch schwierigeren Aufgabe stehen derzeit die Fluggesellschaften, etwa die Lufthansa. Denn durch die Wolke sind viele Flugzeuge an verschiedenen Orten gestrandet - und nun vielleicht nicht immer gleich dort verfügbar, wo sie gebraucht werden. „Die Kunst besteht für uns jetzt darin, dass das richtige Flugzeug und die richtige Crew mit der richtigen Lizenz am richtigen Ort ist“, sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Durch Positionierungsflüge seien am Wochenende schon einige Flugzeuge an den richtigen Ort geflogen worden. Das Problem sei aber, dass Piloten oft nur eine Lizenz für einen bestimmten Flugzeugtyp hätten. So wird die Strecke Berlin-New York nach Lambertys Angaben von verschiedenen Flugzeugtypen bedient, mal von einem Airbus A340, mal von einer Boing 747. Treffe eine Crew am Zielort ein, gehe sie in Ruhezeit und übernehme erst nach 24 Stunden das nächste eintreffende Flugzeug. „Durch die Folgen der Aschewolke mussten Crews einige Tage mehr warten, bis sie ein Flugzeug übernehmen konnten, das zu ihnen passt.“ Dieses wiederum mache es jedoch umgekehrt möglich, das Tagesgeschäft schon kurz nach der Luftraumfreigabe wieder relativ reibungslos aufzunehmen - anders als etwa bei einem Streik: „Viele Crews waren schon da, wo man sie jetzt braucht - nur die Flugzeuge nicht.“ Am Donnerstag will die Lufthansa bereits wieder 1800 bis 1900 Flüge anbieten.

„Lockerung des Nachtflugverbots war hilfreich“

Die Koordination von Crew und Maschine ist indes nicht das einzige Problem, das die Fluggesellschaften derzeit haben: Zusätzlich zur normalen Planung müssen sie zahlreiche Sonderflüge organisieren, um gestrandeten Fluggästen zu helfen - außerhalb des normalen Flugplans. „Es war sehr hilfreich, dass die Politik die Nachtflugverbote etwas gelockert hat, dadurch konnten wir auch frühmorgens und nachts fliegen“, sagt Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack. So sei es nach dem letzten planmäßigen Flieger von Berlin nach Frankfurt um 20.50 etwa möglich gewesen, bei Bedarf mit einer neuen Crew anschließend nach Palma de Mallorca zu fliegen, um gestrandete Pauschalgäste zurück nach Deutschland zu fliegen. Bei Air Berlin gab es demnach etwa 100.000 gestrandete Passagiere, davon allein auf Mallorca 24.000 bis 25.000. Davon seien 3500 Montagnacht zurück geflogen worden. Die zusätzlichen Übernachtungen der Gestrandeten in den Hotels übernähmen die Fluglinien in der Regel nicht, sagt Noack, darum kümmerten sich die Reiseveranstalter: „Bei höherer Gewalt sind wir von allen Haftungen frei.“

Gestrandete Flugzeuge gebe es bei der Air Berlin mittlerweile jedoch keine mehr, wie Noack sagt. „Es standen rund ein Dutzend Flugzeuge nicht da, wo sie seien sollten, davon je eins auf den Kanaren und eins auf Mallorca. Durch Positionierungsflüge konnten wir diese aber schnell zurück bringen und noch einige Passagiere ausfliegen.“ Bei Air Berlin sind am Mittwoch nach eigenen Angaben von durchschnittlich 700 täglichen Flügen rund 600 erfolgt, für den Donnerstag plant die Gesellschaft eine Zahl zwischen 600 und 700. „Mittlerweile kehrt langsam wieder Flugnormalität ein“, so Noack.

Ausgestanden ist es noch nicht“

Auch Noacks Kollege bei der Lufthansa ist zuversichtlich, am Donnerstag wieder den normalen Flugverkehr aufnehmen zu können - obwohl man auch dort noch mit den Folgen der Aschewolke kämpft. Denn neben dem normalen Flugplan bleibe nur wenig Raum, um die Folgen des Flugverbots auszugleichen, wie Sprecher Lamberty sagt. „Eine Möglichkeit ist, die Flugzeugkapazität zu ändern, um Gestrandete mitzunehmen, also einen Airbus A319 durch einen größeren Airbus A312 zu ersetzen.“ Wie viele Lufthansa-Fluggäste noch an Flughäfen feststecken, dazu macht die Fluggesellschaft keine Angaben. Doch sei der Eindruck, den manche Medien derzeit hinterließen, falsch, so Lamberty: „Es müssen aktuell nicht mehr hunderte von Menschen an den Fluhäfen stehen. Kein Transitgast der Lufthansa ist jetzt noch gestrandet.“ So habe die Airline frühzeitig davon abgeraten, sich zum Flughafen zu begeben oder ihre Gäste auf die Bahn umgebucht. Doch bei allem Optimismus bleibt Lamberty weiter vorsichtig: „Ausgestanden ist es noch nicht.“

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