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Neujahr 2009 : Trotz Krieg und Krise: Millionen feiern ausgelassen

  • Aktualisiert am

Über dem Brandenburger Tor in Berlin Bild: dpa

Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben in der Nacht mit Feuerwerk, Tanz und Gesang das neue Jahr begrüßt. In Berlin versammelten sich rund eine Million Menschen am Brandenburger Tor. Angesichts des Gaza-Konflikts wurden in vielen arabischen Ländern die Feierlichkeiten abgesagt.

          Mit Lichtfontänen, Raketen, Böllern und Partys haben Millionen Menschen weltweit das Jahr 2009 begrüßt. In Berlin feierten auf Deutschlands größter Silvesterparty eine Million Menschen mit reichlich Sekt und einem riesigen Feuerwerk den Jahreswechsel.

          Als erste überhaupt hatten die Bewohner der Kiribati Inseln im Südpazifik gestern um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) ins neue Jahr gefeiert. Danach ließen die Neuseeländer die Sektkorken knallen, die Australier folgten. In den verschiedenen Teilen der Welt wurde das neue Jahr je nach Zeitzone früher oder später als in Deutschland gefeiert. Um 12.00 Uhr (MEZ) begrüßten am Donnerstag als letzte auch die Menschen im Pazifik-Inselstaat Samoa das neue Jahr. Samoa liegt in der Nähe der Datumsgrenze.

          Festmeile in Berlin überfüllt

          In Berlin wurden wegen des Andrangs zwei Stunden vor Mitternacht die Eingänge zur Festmeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule geschlossen. Um Mitternacht stiegen Leuchtkugeln und Raketen in den frostklaren Nachthimmel. Dazu erklang als Eröffnungsmusik für das Jahr 2009 „What A Wonderful World“ von Louis Armstrong.

          Über dem Brandenburger Tor in Berlin Bilderstrecke
          Neujahr 2009 : Trotz Krieg und Krise: Millionen feiern ausgelassen

          Die Feiernden prosteten sich mit Sekt in Bechern zu, da Flaschen auf der Partymeile verboten waren. Nach dem Feuerwerk ging die Feier als Open-End-Disco unter freiem Himmel weiter. Rund 20 Künstler wie die deutsche Popsängerin LaFee oder die Rocker von Ooomph! sorgten auf Bühnen und in Zelten für Stimmung.

          In Frankreich brennen wieder Autos

          Bei klirrender Kälte begrüßten eine Million New Yorker im Herzen Manhattans das neue Jahr. Der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton und seine Frau, die künftige Außenministerin Hillary Clinton, drückten eine Minute vor Mitternacht den Knopf, der nach alter Tradition die leuchtende „Zeitkugel“ über dem Times Square herabschweben ließ. Der Kristallball erreichte den Boden um 24.00 Uhr - sechs Stunden nach der deutschen Zeit. Die Zeremonie geht auf eine Seefahrertradition zurück, bei der die Zeit durch eine an einer Stange herabsinkende Kugel gemessen wurde.

          Auch Minustemperaturen hinderten im historischen ersten Wiener Bezirk 650.000 Feierwillige aus dem In- und Ausland nicht daran, mit einem zünftigen Wiener Walzer ins neue Jahr zu tanzen. Wie in den vergangenen Jahren hatte die Stadtverwaltung auf allen großen Plätzen Podien aufgebaut, auf denen Bands aller Stilrichtungen musizierten.

          In der Silvesternacht wurden in Frankreich nach Polizeiangaben mindestens 440 Autos in Brand gesteckt. Im vorigen Jahr waren es 370. Rund 550 000 Menschen feierten auf der Pariser Prachtstraße Champs Élysées. Größere Zwischenfälle gab es der Polizei zufolge nicht. Frankreich hatte die Zahl der Polizisten in der Silvesternacht auf 35 000 erhöht. Etwa 220 Menschen kamen in Polizeigewahrsam, etwa 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Friedlicher Jahreswechsel in Holland

          Mit einem großen Feuerwerk begrüßte London das Jahr 2009. Rund 400 000 Nachtschwärmer hatten sich in der Silvesternacht bei frostigen Temperaturen rund um den Westminister Palast und am Themse- Ufer versammelt, um das 12 Minuten dauernde Feuerwerk vor der Kulisse des Riesenrads „London Eye“ zu sehen. Die ersten Raketen stiegen pünktlich zu den mitternächtlichen Glockenschlägen von Big Ben in die Luft.

          In den Niederlanden verlief die Silvesternacht dank eines Großeinsatzes von Polizei und Feuerwehr friedlicher als vor einem Jahr. Vor dem Königlichen Schloss in Amsterdam begrüßten Zehntausende fröhlich das Neue Jahr. In Utrecht allerdings standen 30 Autos in Flammen. Insgesamt wurden mehr als 300 meist junge Menschen festgenommen - oft wegen Schlägereien und Messerstechereien sowie wegen der Zündung illegaler Feuerwerkskörper. Es habe deutlich weniger Schäden als in der „Horror-Silvesternacht“ vor einem Jahr gegeben, als unter anderem mehr als 20 Schulen brannten, hieß es.

          In Italien stieg vom „Pincio“-Hügel im historischen Zentrum Roms um Punkt Zwölf ein gigantisches Feuerwerk auf. Venedig begrüßte unter dem Motto „LoVe 2009“ das neue Jahr mit einem „kollektiven Kuss“. In Neapel wurde ein 24-Jähriger durch einen Kopfschuss getötet: Er hatte auf seinem Balkon gestanden, um das Feuerwerk zu bewundern. Die Ermittler gehen davon aus, dass er von einem Querschläger getroffen wurde.

          Viele Absagen in arabischer Welt

          In Madrid begrüßten tausende Menschen das neue Jahr an der Turmuhr der Puerta del Sol (Sonnenpforte) im Zentrum der Hauptstadt. Zu jedem der zwölf Glockenschläge schluckten sie eine Weintraube, dies soll Glück im neuen Jahr bringen. Die Tradition, zu Silvester zwölf Weintrauben als Glücksbringer zu essen, ist angeblich rund 100 Jahre alt. Um Ernteüberschüsse abzubauen, sollen clevere Winzer die Tradition 1909 ins Leben gerufen haben.

          In Thailands Hauptstadt Bangkok wurde die Silvesternacht von einem Brandunglück überschattet, bei dem mindestens 59 Menschen starben. (Siehe auch: Nachtclub in Flammen: 59 Tote bei Silvesterparty in Bangkok).

          Arabische Konzertveranstalter sagten als Zeichen ihrer Solidarität mit den Palästinensern im Gazastreifen ihre für die Silvesternacht geplanten Feiern ab. Unzählige Japaner baten am Neujahrsabend in Tempeln und Schreinen um Glück und Segen für das neue Jahr. Punkt Mitternacht erklangen im ganzen Land 108 Mal die Glocken der Heiligtümer, um die 108 Begierden des Menschen oder die 108 Übel des alten Jahres zu vertreiben.

          In Russland sorgten mehr als 100.000 Sicherheitskräfte dafür, dass Angetrunkene in der eiskalten Nacht wohlbehalten nach Hause kamen. Die neuen Kulturhauptstädte Europas, Linz und Vilnius, feierten mit Festen für die Bevölkerung ihren neuen Status.

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