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Veröffentlicht: 04.09.2013, 20:09 Uhr

Neues Hochhaus in London Kratzt an den Wolken und setzt Autos in Brand

Es sollte nur ein schickes, neues Bürogebäude in London werden. Doch die Glasfassade des „Walkie Talkie“ sorgt für Wirbel: Sie reflektiert die Sonne und gibt so viel Hitze ab, dass Autos schmelzen.

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© AFP Das blendet: Das Hochhaus 20 Fenchurch Street, wegen seiner Form auch „Walkie Talkie“ genannt

Sonne und Hitze sind die letzten Faktoren, die Architekten in ihre Entwürfe einbeziehen, wenn sie in London bauen. Doch in diesem Jahr erlebt die Hauptstadt des schlechten Wetters einen Jahrhundertsommer, und schon treten unerwartete Schwierigkeiten auf. Eines der neuen, gerade entstehenden Wahrzeichen der Stadt - das gläserne „Walkie Talkie“ an der Fenchurch Street - mutierte in den vergangenen Tagen zu einem Sonnenspiegel, der nicht nur Passanten blendet.

Jochen Buchsteiner Folgen:

Geschäftsbesitzer in der Umgebung beklagen, dass die von der Glasfassade abgegebene Hitze Kacheln und Fliesen platzen lässt, Stoffe versengt und Blasen auf frisch gestrichene Wände zaubert.

Die Krümmung lässt Autos brutzeln

Jüngstes Opfer ist ein in der Nähe geparkter Sportwagen, dessen Außenspiegel und Armaturenbrett in der Hitze dahinschmolzen. Pfiffige Reporter bewiesen, dass sich in der Nähe der Glasfassade sogar Spiegeleier braten lassen.

Der starke Brenneffekt wird mit der halb-konkaven Krümmung des Baukörpers erklärt, die dem Hochhaus auch seinen Kosenamen eingetragen hat. Von weitem sieht das Gebäude des Architekten Rafael Vinoly aus, als könne man es am schmalen unteren Rumpf packen und sich ans Ohr halten. Aus der Nähe fällt der Gedanke schwerer. Mit 37 Stockwerken wird das Gebäude eine Höhe von 160 Metern erreichen. Nach der Fertigstellung im kommenden Jahr soll es als Bürohaus öffnen.

London's Walkie Talkie building © dpa Vergrößern So lässt sich Strom sparen: Bei Sonne kann die Reflexion des „Walkie Talkie“ auch Eier braten.

Die Bauträger, die „Land Securities“ und die „Canary Wharf Group“, haben eingestanden, dass der Seng-Effekt wegen des saisonalen Sonneneinfallswinkels noch Wochen anhalten wird - und schützen die Umgebung einstweilen mit schattenspendenden Planen. Die betreffenden Parkplätze wurden gesperrt, die angefallenen Schäden anstandslos ersetzt. Wie dem unerfreulichen Effekt in Zukunft vorgebeugt werden soll, lassen die Bauträger bislang offen.

Womöglich setzen sie einfach auf die Rückkehr des schlechten Wetters. Der „Sky Garden“, der für die Spitze des Gebäudes geplant ist, wird jedenfalls vorsichtshalber überdacht. Dort oben sollen die Besucher nicht nur seltene Pflanzen bewundern, sondern auch auf die älteren Wahrzeichen Londons blicken können: die Tower Bridge, St. Paul’s Cathedral, Norman Fosters Gherkin und natürlich Big Ben. Letzterer inspiriert vielleicht zur fälligen Umbenennung des strahlenintensiven Neubaus: „Ray Ben“.

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Quelle: F.A.Z.

 

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