http://www.faz.net/-gum-7h789
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 04.09.2013, 20:09 Uhr

Neues Hochhaus in London Kratzt an den Wolken und setzt Autos in Brand

Es sollte nur ein schickes, neues Bürogebäude in London werden. Doch die Glasfassade des „Walkie Talkie“ sorgt für Wirbel: Sie reflektiert die Sonne und gibt so viel Hitze ab, dass Autos schmelzen.

von
© AFP Das blendet: Das Hochhaus 20 Fenchurch Street, wegen seiner Form auch „Walkie Talkie“ genannt

Sonne und Hitze sind die letzten Faktoren, die Architekten in ihre Entwürfe einbeziehen, wenn sie in London bauen. Doch in diesem Jahr erlebt die Hauptstadt des schlechten Wetters einen Jahrhundertsommer, und schon treten unerwartete Schwierigkeiten auf. Eines der neuen, gerade entstehenden Wahrzeichen der Stadt - das gläserne „Walkie Talkie“ an der Fenchurch Street - mutierte in den vergangenen Tagen zu einem Sonnenspiegel, der nicht nur Passanten blendet.

Jochen Buchsteiner Folgen:

Geschäftsbesitzer in der Umgebung beklagen, dass die von der Glasfassade abgegebene Hitze Kacheln und Fliesen platzen lässt, Stoffe versengt und Blasen auf frisch gestrichene Wände zaubert.

Die Krümmung lässt Autos brutzeln

Jüngstes Opfer ist ein in der Nähe geparkter Sportwagen, dessen Außenspiegel und Armaturenbrett in der Hitze dahinschmolzen. Pfiffige Reporter bewiesen, dass sich in der Nähe der Glasfassade sogar Spiegeleier braten lassen.

Der starke Brenneffekt wird mit der halb-konkaven Krümmung des Baukörpers erklärt, die dem Hochhaus auch seinen Kosenamen eingetragen hat. Von weitem sieht das Gebäude des Architekten Rafael Vinoly aus, als könne man es am schmalen unteren Rumpf packen und sich ans Ohr halten. Aus der Nähe fällt der Gedanke schwerer. Mit 37 Stockwerken wird das Gebäude eine Höhe von 160 Metern erreichen. Nach der Fertigstellung im kommenden Jahr soll es als Bürohaus öffnen.

London's Walkie Talkie building © dpa Vergrößern So lässt sich Strom sparen: Bei Sonne kann die Reflexion des „Walkie Talkie“ auch Eier braten.

Die Bauträger, die „Land Securities“ und die „Canary Wharf Group“, haben eingestanden, dass der Seng-Effekt wegen des saisonalen Sonneneinfallswinkels noch Wochen anhalten wird - und schützen die Umgebung einstweilen mit schattenspendenden Planen. Die betreffenden Parkplätze wurden gesperrt, die angefallenen Schäden anstandslos ersetzt. Wie dem unerfreulichen Effekt in Zukunft vorgebeugt werden soll, lassen die Bauträger bislang offen.

Womöglich setzen sie einfach auf die Rückkehr des schlechten Wetters. Der „Sky Garden“, der für die Spitze des Gebäudes geplant ist, wird jedenfalls vorsichtshalber überdacht. Dort oben sollen die Besucher nicht nur seltene Pflanzen bewundern, sondern auch auf die älteren Wahrzeichen Londons blicken können: die Tower Bridge, St. Paul’s Cathedral, Norman Fosters Gherkin und natürlich Big Ben. Letzterer inspiriert vielleicht zur fälligen Umbenennung des strahlenintensiven Neubaus: „Ray Ben“.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bis zu 37 Grad Hitzefinale zum Sommerausklang

Noch einmal richtig Sommer. Viele freuen sich über das tolle Wetter, doch für ältere Menschen ist die Hitze eine Belastung. Und in Schleswig-Holstein brach der Betonbelag einer Autobahn auf. Mehr

26.08.2016, 15:18 Uhr | Gesellschaft
Thabet Azzawi Ein Flüchtling macht Musikkarriere

Er floh vor den Terroristen des Islamischen Staats und landete auf dem neuen Album des weltberühmten Rockstars Sting. Die wundersame Geschichte des syrischen Flüchtlings Thabet Azzawi. Mehr

28.08.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Elbphilharmonie Luxuswohnen 110 Meter über der Elbe

Anfang 2017 wird die schlagzeilenträchtige Elbphilharmonie in Hamburg eröffnet. Was mancher nicht weiß: In dem Gebäude gibt es bald auch die 44 teuersten Wohnungen der Stadt. Wie wird es dort wohl aussehen? Mehr Von Carsten Germis, Hamburg

27.08.2016, 11:42 Uhr | Wirtschaft
Finnland Weltmeisterschaft der Luftgitarristen

Zum 21. mal trafen sich in Finnland die Luftgitarren-Champions aus verschiedenen Ländern, um den Besten ihres Fachs zu küren. Die Höchstnote in diesem Jahr ging an den Amerikaner Matt Burns mit dem Künstlernamen Airistotle. Als Belohnung für den Sieg durfte er eine echte Gitarre mit nach Hause nehmen. Mehr

27.08.2016, 16:34 Uhr | Gesellschaft
Oldtimer-Weltreise Heidi Hetzer gibt wieder Gas

70.000 Kilometer hat Heidi Hetzer mit ihrem Oldtimer schon zurückgelegt. Jetzt tritt die 79 Jahre alte Berlinerin die vorletzte Etappe ihrer Weltumrundung an. Mehr Von Claudia Bröll, Kapstadt

26.08.2016, 22:27 Uhr | Gesellschaft

Samuel Koch Hochzeit in seinem Heimatort

Der Schauspieler Samuel Koch feiert drei Tage lang, Dwayne Johnson steigt auf zum bestbezahlten Schauspielstar und „Ghostbusters“-Schauspielerin Leslie Jones ist abermals angegriffen worden – der Smalltalk. Mehr 11

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden