Home
http://www.faz.net/-gum-7h789
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Neues Hochhaus in London Kratzt an den Wolken und setzt Autos in Brand

Es sollte nur ein schickes, neues Bürogebäude in London werden. Doch die Glasfassade des „Walkie Talkie“ sorgt für Wirbel: Sie reflektiert die Sonne und gibt so viel Hitze ab, dass Autos schmelzen.

© AFP Vergrößern Das blendet: Das Hochhaus 20 Fenchurch Street, wegen seiner Form auch „Walkie Talkie“ genannt

Sonne und Hitze sind die letzten Faktoren, die Architekten in ihre Entwürfe einbeziehen, wenn sie in London bauen. Doch in diesem Jahr erlebt die Hauptstadt des schlechten Wetters einen Jahrhundertsommer, und schon treten unerwartete Schwierigkeiten auf. Eines der neuen, gerade entstehenden Wahrzeichen der Stadt - das gläserne „Walkie Talkie“ an der Fenchurch Street - mutierte in den vergangenen Tagen zu einem Sonnenspiegel, der nicht nur Passanten blendet.

Jochen Buchsteiner Folgen:    

Geschäftsbesitzer in der Umgebung beklagen, dass die von der Glasfassade abgegebene Hitze Kacheln und Fliesen platzen lässt, Stoffe versengt und Blasen auf frisch gestrichene Wände zaubert.

Die Krümmung lässt Autos brutzeln

Jüngstes Opfer ist ein in der Nähe geparkter Sportwagen, dessen Außenspiegel und Armaturenbrett in der Hitze dahinschmolzen. Pfiffige Reporter bewiesen, dass sich in der Nähe der Glasfassade sogar Spiegeleier braten lassen.

Der starke Brenneffekt wird mit der halb-konkaven Krümmung des Baukörpers erklärt, die dem Hochhaus auch seinen Kosenamen eingetragen hat. Von weitem sieht das Gebäude des Architekten Rafael Vinoly aus, als könne man es am schmalen unteren Rumpf packen und sich ans Ohr halten. Aus der Nähe fällt der Gedanke schwerer. Mit 37 Stockwerken wird das Gebäude eine Höhe von 160 Metern erreichen. Nach der Fertigstellung im kommenden Jahr soll es als Bürohaus öffnen.

London's Walkie Talkie building © dpa Vergrößern So lässt sich Strom sparen: Bei Sonne kann die Reflexion des „Walkie Talkie“ auch Eier braten.

Die Bauträger, die „Land Securities“ und die „Canary Wharf Group“, haben eingestanden, dass der Seng-Effekt wegen des saisonalen Sonneneinfallswinkels noch Wochen anhalten wird - und schützen die Umgebung einstweilen mit schattenspendenden Planen. Die betreffenden Parkplätze wurden gesperrt, die angefallenen Schäden anstandslos ersetzt. Wie dem unerfreulichen Effekt in Zukunft vorgebeugt werden soll, lassen die Bauträger bislang offen.

Womöglich setzen sie einfach auf die Rückkehr des schlechten Wetters. Der „Sky Garden“, der für die Spitze des Gebäudes geplant ist, wird jedenfalls vorsichtshalber überdacht. Dort oben sollen die Besucher nicht nur seltene Pflanzen bewundern, sondern auch auf die älteren Wahrzeichen Londons blicken können: die Tower Bridge, St. Paul’s Cathedral, Norman Fosters Gherkin und natürlich Big Ben. Letzterer inspiriert vielleicht zur fälligen Umbenennung des strahlenintensiven Neubaus: „Ray Ben“.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Moderne Hausgemeinschaften Die Raumteiler

Wohnanlagen mit Partyräumen, Lounge und Dachgärten für alle kommen in Mode. Das soll die Gemeinschaft fördern und entspricht dem gegenwärtigen Trend zur Sharing-Kultur. Doch brauchen wir das? Mehr Von Nadine Oberhuber

22.10.2014, 16:19 Uhr | Stil
Architektur Streit um berühmtes japanisches Hochhaus

Seit 1972 gibt es in Tokio den "Nakagin Capsule Tower". Mit seinen 140 kleinen Wohnkapseln zeigt er, wie sich die Architekten der Metabolismus-Bewegung vor vier Jahrzehnten die Zukunft vorstellten. Der einzigartige, in die Jahre gekommene Schachtelbau von Kisho Kurokawa soll nun abgerissen werden. Mehr

22.10.2014, 10:51 Uhr | Feuilleton
Neues Wohnen in Japan Bonsai-Haus mit U-Boot-Küche

Jeder Quadratmeter Land ist kostbar: Die junge Generation der japanischen Architekten versucht, selbst auf kleinstem Raum lebenswerte und architektonisch anspruchsvolle Wohnräume zu schaffen. Mehr Von Ulf Meyer

24.10.2014, 22:54 Uhr | Feuilleton
Tote in Odessa

Im bislang von Kämpfen verschonten Odessa starben am Freitag mindestens 42 Menschen bei Straßenschlachten und beim Brand eines Gewerkschaftsgebäudes. Dorthin hatten sich prorussische Demonstranten zurückgezogen. Am Samstag legten Passanten Blumen vor dem ausgebrannten Gebäude nieder. Mehr

03.05.2014, 14:25 Uhr | Politik
Defekte Gasleitung Vier Häuser in Frankfurt evakuiert

Ein Leck in einer Gasleitung sorgte für Aufregung in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs. Vier Häuser mussten evakuiert und der entsprechende Straßenabschnitt gesperrt werden. Mehr

24.10.2014, 14:03 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.09.2013, 20:09 Uhr

Mark Medlock Teure Publikumsbeschimpfung

Den DSDS-Gewinner Mark Medlock kommt die Beschimpfung des Publikums teuer zu stehen, Prinz Carl Philip von Schweden heiratet und Roberto Blanco entert eine Seifenoper – der Smalltalk. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden