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Neue Vorwürfe gegen Strauss-Kahn Orgien für Freunde

 ·  Im Präsidentschaftswahlkampf taucht Frankreich tief ein in das Doppelleben eines Mannes, dem es beinahe das höchste Amt anvertraut hätte. Dominique Strauss-Kahn muss aussagen, weil er Sexorgien organisiert haben soll.

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© AFP In dieser Gendamerie-Kaserne in Lille wurde Strauss-Kahn am Dienstag vernommen

Frankreich taucht mitten im Präsidentschaftswahlkampf tief ein in das Doppelleben eines Mannes, dem es beinahe das höchste Staatsamt anvertraut hätte. Die Rede ist von Dominique Strauss-Kahn, dem früheren sozialistischen Hoffnungsträger, der seit Dienstagmorgen in Lille wegen seiner ausschweifenden Nebenaktivitäten verhört wird. Denn der frühere Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF) soll sich, wann immer es ihm sein Terminkalender erlaubte, von seinen heimlichen „amis“ in Lille Sexorgien organisiert haben lassen – nicht nur in der französischen Nordmetropole, sondern auch in Paris, Wien, Prag, Brüssel, New York oder wohin ihn seine Missionen gerade verschlugen.

Höhepunkt des Treibens bildeten vier Reisen nach Washington, zu denen sich die Freunde zwischen Dezember 2010 und Mai 2011 in Begleitung von „Sekretärinnen“ auf den Weg machten. Eine der mitgereisten Prostituierten mit dem Künstlernamen Jade berichtete in „Paris Match“, zum Abschied habe sie sich mit Dominique Strauss-Kahn in seinem Amtsbüro im IWF-Sitz fotografieren lassen.

Den Ermittlern, die im Februar vergangenen Jahres, also vor dem Sofitel-Sexskandal, auf Strauss-Kahns Spur gerieten, liegt allerhand Beweismaterial vor. Ihnen ist ein Mobiltelefon in die Hände gefallen, das Fabrice Paszkowski – ein sozialistischer Parteikader, der stolz auf den Kontakt zum bewunderten Präsidentschaftsanwärter war – dem Großbanker hinterließ. Auf dem Gerät ist eine Vielzahl der SMS gespeichert, die Strauss-Kahn versendete. „Ich bringe eine Kleine mit, um durch die Clubs zu ziehen“, zitiert „L’Express“ aus einer dieser Nachrichten, „kommst du auch mit einem Fräulein?“

Den Ermittlern liegen auch Abrechnungen von Hotelübernachtungen, Flugtickets und Restaurantbesuchen mit dem Vermerk „DSK“ vor. Denn Strauss-Kahn hat für seine geheimen Rendez-vous nie Geld ausgegeben, das hat er auch selbst in Interviews beschworen. Getragen wurden die Kosten vom Geschäftsmann Paszkowski, der mit medizinischen Geräten handelt, oder einem weiteren „Freund“, dem Filialleiter des großen französischen Bauunternehmens Eiffage, David Roquet.

Letzterer behauptete vor den Ermittlern, seine Vorgesetzten hätten die Abrechnungen immer genehmigt, schließlich versprach man sich viele staatliche Bauaufträge durch den guten Kontakt zum künftigen Präsidenten. Strauss-Kahn will von alledem nichts geahnt haben. Hurerei finde er „widerlich“, erzählte Strauss-Kahn seinem Biographen Michael Taubmann. „Wenn Ihnen jemand seine Freundin vorstellt, fragen Sie nicht, ob sie eine Prostituierte ist. Wenn Sie zu einer Soirée eingeladen werden, wollen Sie auch nicht die Rechnung sehen“, sagte Strauss-Kahn.

Ob er mit diesen Argumenten bei den ermittelnden Kriminalbeamten Gehör findet, ist fraglich. Gegen mehrere Beteiligte des Prostitutionsringes aus Lille, der das führende Hotel, das „Grand Hotel Carlton“, als Hauptstützpunkt hatte, laufen bereits Strafverfahren wegen „bandenmäßig organisierter, schwerer Zuhälterei, Mittäterschaft, Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Betrug und Veruntreuung von Betriebsvermögen“. Zu den Angeklagten zählen der ehemalige PR-Direktor des „Carlton“, René Koifer, die Unternehmer Fabrice Paszkowski und David Roquet sowie ein Zuhälter mit dem Spitznamen „Dodo, la Saumure“, der in Belgien mehrere Bordelle betreibt.

Auch ein hoher Polizeikommissar, der inzwischen vom Amt suspendierte oberste Chef der Sicherheitspolizei im Département Nord, Jean-Christophe Lagarde, soll aktiv involviert gewesen sein. Er war als vorgeblicher Sicherheitsberater bei den Lustreisen nach Washington dabei. Strauss-Kahn droht eine Anklage wegen Mittäterschaft zur Zuhälterei und Vorteilsnahme. Selbst ein Machtwechsel im Mai verspricht dem gefallenen Star der Sozialisten kein Comeback. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande hat unmissverständlich durchblicken lassen, dass er auf die Dienste Strauss-Kahns verzichten will.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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