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Suche nach Madeleine McCann : „Ein schrecklicher Markstein der Zeit“

Verzweifelter Aufruf: Seit über zehn Jahren suchen die McCanns erfolglos nach ihrer Tochter. Bild: dpa

Der Fall um die verschwundene Madeleine McCann löste weltweit eine beispiellose Welle der Anteilnahme aus. Auch zehn Jahre später wird nach dem vermissten Mädchen gesucht. Die Ermittler folgen nun einer vielversprechenden Spur.

          Als die drei Jahre alte Madeleine McCann am 3. Mai 2007 spurlos aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwand, löste das beispiellose Anteilnahme aus. Britische Geschäftsleute und Prominente wie der Fußballspieler David Beckham und die Bestsellerautorin Joanne Rowling setzten Belohnungen für Hinweise aus. Geschäfte im Königreich hängten das Foto des Mädchens in die Schaufenster. Der damalige Premierminister Gordon Brown erhöhte persönlich den Druck auf die Ermittler in Portugal. Madeleines Eltern reisten unter Anteilnahme der Presse durch europäische Länder, um die Menschen zur Hilfe bei den Ermittlungen aufzurufen. Papst Benedikt segnete die Eltern und ein Foto ihrer Tochter.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Die Hilfsorganisation „Missing Kids UK“ listet zur Zeit 255 vermisste Kinder aus dem Vereinigten Königreich auf, aber keines ist so bekannt wie Madeleine McCann. Wann immer die Polizei etwas zu „Maddie“ sagt, wann immer ihre Eltern Kate und Gerry McCann öffentlich auftreten, räumen die Boulevardzeitungen die Titelseiten frei. Der Fall hat in den vergangenen zehn Jahren Minister und Premierminister beschäftigt, Abgeordnete und höchste Gerichte. Journalisten, Detektive und ehemalige Ermittler breiteten ihre Theorien in Fernsehreportagen und Büchern aus. Keine Spur konnte bislang erhärtet werden, und doch hat die Polizei nun neue Hoffnungen geweckt.

          Mark Rowley, zuständig für Sonderermittlungen bei Scotland Yard, bestätigte in der vergangenen Woche, dass es weiterhin „keine definitive Klarheit“ darüber gebe, ob Madeleine am Leben sei oder nicht. Er wisse aber, „dass wir maßgebliche Ermittlungsspuren haben, die es wert sind, verfolgt zu werden, und weil sie es wert sind, könnten sie eine Antwort geben“. In welche Richtung die Polizei ermittelt, wollte Rowley nicht preisgeben. Eine Zeitung meinte am Wochenende zu wissen, dass sich die Ermittlungen inzwischen auf „eine Verdächtige“ konzentrierten.

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          Viele Fragen bleiben unbeantwortet

          Die Eltern Kate und Gerry McCann hatten zu Protokoll gegeben, dass sie Madeleines Verschwinden in Portugal bemerkten, nachdem sie von einem Abendessen mit Freunden in einer nahegelegenen Tapas-Bar gegen 22 Uhr ins Hotelapartment zurückgekehrt waren. Ihre beiden jüngeren Kinder, die Zwillinge Sean und Amelie, hätten schlafend in ihrem Bett gelegen, während das von Madeleine leer gestanden habe. Unzählige Fragen wurden seither gestellt. Wurde eingebrochen und das Mädchen entführt? Hatte Madeleine das Apartment verlassen, um nach den Eltern zu suchen und war auf dem Weg entführt worden? Um zu der Tapas-Bar zu gelangen, musste Madeleine eine Straße überqueren. War sie womöglich Opfer eines Unfalls geworden und wurde vom Täter an einem anderen Ort verscharrt? 14 Monate nach Madeleines Verschwinden, im Juli 2008, stellte die portugiesische Polizei die Ermittlungen ein – auch gegen die Eltern. Dass das Ärzte-Ehepaar selbst in Verdacht geraten war, empörte viele.

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          Vor allem in der britischen Presse wurde der Vorwurf laut, die portugiesische Polizei habe durch die Verfolgung einer falschen Fährte ihre eigentliche Arbeit vernachlässigt. Doch auch Reporter gingen dem Verdacht nach. Mehrere Zeitungsverlage entschuldigten sich später und leisteten Entschädigungszahlungen – Geld, das die McCanns nach eigenen Angaben in weitere Bemühungen um Aufklärung investierten.

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