07.01.2010 · Schnee und Frost bestimmen die Wetterlage in Europa. Auch in Florida ziehen sich Strandspaziergänger fröstelnd zusammen. In China wird der Strom knapp. Für Deutschland erwarten die Meteorologen in den nächsten Tagen eine neue Schneefront mit starkem Sturm.
Schnee und Eis haben weite Teile Europas lahmgelegt. Das Tief „Daisy“ zog am Donnerstag vom Mittelmeer Richtung Polen und brachte Deutschland massive Schneefälle. Auch in anderen Ländern Europas bibbern die Menschen. In England fielen die Temperaturen in der Nacht zu Donnerstag auf bis zu minus 18 Grad. In Frankreich wurde in einem Drittel aller Départements vor Schnee und Eis gewarnt. Noch schlimmer hat es Teile Asiens erwischt: In China wurde nach Rekordschneefällen und den niedrigsten Temperaturen seit Jahrzehnten in großen Teilen des Landes der Strom rationiert oder sogar abgestellt.
Großbritannien hat das Schneechaos gerade überwunden, nun hält die bittere Kälte das Land im Griff. Besonders tief sanken die Temperaturen in der Grafschaft Oxfordshire, teilte der Wetterdienst mit. Auf den vereisten Straßen und Flughäfen gab es weiter Behinderungen. Der Billigflieger Easyjet strich etwa 70 Flüge. Auch British Airways kündigte Streichungen und Verspätungen an den Londoner Flughäfen Gatwick und Heathrow an. Daneben blieben weiter hunderte Schulen geschlossen. Rund 20.000 Menschen waren zudem von einem Stromausfall in der südenglischen Grafschaft Hampshire betroffen.
Wieder Eurostar-Chaos
Am Morgen blieb knapp drei Wochen nach dem Eurostar-Chaos erneut ein Hochgeschwindigkeitszug im Tunnel unter dem Ärmelkanal liegen. Der Zug mit knapp 240 Passagieren sei mit einer Lokomotive in den Bahnhof Ashford nach England geschleppt worden, sagte ein Sprecher. Die Ursache der Panne war zunächst unklar, die Fahrt der Züge wurde vorerst gestoppt. Wenige Tage vor Weihnachten hatten mehrere Eurostar-Züge im Kanaltunnel festgesteckt, weil schmelzender Schnee ihre Technik beschädigt hatte.
Selbst in Spanien behinderten Schnee und Eisglätte in weiten Teilen des Landes den Verkehr. Betroffen war nach Angaben der Behörden vor allem die Nordhälfte. Mehrere Landstraßen und Bergpässe mussten gesperrt werden oder waren nur mit Ketten befahrbar. Auch in der Hauptstadt Madrid schneite es. In der Gegend um Cádiz im Süden setzten heftige Regenfälle Straßen, Keller und Tiefgaragen unter Wasser.
Im Norden Albaniens sorgte eine ungewöhnlich frühe Schneeschmelze in den ohnehin überfluteten Gebieten für zusätzliche Probleme. Rettungsmannschaften mussten tausende Familien aus überschwemmten Häusern retten, berichteten die Behörden. Das Land stehe vor einer Katastrophe, hatte Regierungschef Sali Berisha am Mittwoch gesagt und den Einsatz der Armee angekündigt. Aus Bulgarien wurden nach dem Schneechaos vom Dienstag frühlingshafte Temperaturen um 17 Grad gemeldet.
Strom in China wird rationiert
In China war der Stromverbrauch wegen der fortgesetzten Kälte rasant angestiegen. In den zentralchinesischen Provinzen Hunan und Hubei war am Mittwoch so viel Strom verbraucht worden wie noch nie zuvor an einem Tag. Die Vorräte in den staatlichen Kohlelagern schwinden zusehends. Damit es in Wohnhäusern, Schulen und Krankenhäusern warm bleibt, wurde der Strom vor allem für Betriebe und öffentliche Gebäude rationiert, wie chinesische Medien berichteten.
Auch im Süden der Vereinigten Staaten friert es Stein und Bein, in Florida hängen Eiszapfen an den Orangenbäumen, und am Strand schnattern die Touristen. Wo ist die Erderwärmung geblieben? Der strenge Winter in vielen Gegenden der Erde scheint nicht zu den Warnungen der Wissenschaft zu passen, dass Treibhausgase das Klima immer weiter anheizen. Doch Fachleute versichern, dass die derzeitigen Kälterekorde die globale Erwärmung nicht infrage stellen: Sie sind nur Ausreißer in einem langfristigen Trend.
Mit Neuschnee und eisigem Sturm in Deutschland rechnen die Metereologen von diesem Freitag an. Bis zum Sonntag können in ganz Deutschland örtlich bis zu 20 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Die größten Probleme werde aber nicht der Schnee, sondern der starke Wind bereiten, sagte Meteorologe Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Donnerstag. Der DWD gab für mehrere Bundesländer in der Mitte und im Osten Deutschlands Vorwarnungen vor starken Schneeverwehungen am Samstag aus.
Neue Schneefront naht
An den frostigen Temperaturen ändert sich mindestens bis Mitte der kommenden Woche nichts. Am Freitag beginnt es im Süden leicht zu schneien, bis zum Mittag erreicht die Schneefront eine Linie zwischen Rhein-Main-Gebiet und Dresden. „Schritt für Schritt geht es dann nach Norden weiter“, sagte Jonas. Bis zum Samstagmorgen kommen die Schneewolken bis zu einer Linie zwischen Niederrhein und Ostsee voran, vorerst halten sich die Neuschneemengen in Grenzen. „Der Schneefall wird aber stärker“, prognostizierte Jonas. Und mit zunehmender Stärke werde der Nordostwind am Samstag auffrischen. Selbst in tiefen Lagen seien Böen der Stärke acht zu erwarten, auf den Bergen und an der Küste werde der Wind noch stärker.
Betroffen seien Gebiete nördlich des Mains, vor allem die Region nördlich des Erzgebirges, „der Süden kommt mit einem blauen Auge davon“, sagte Jonas. Der Sturm werde den trockenen Schnee vielerorts zu Schneewehen auftürmen. Erst im Lauf des Sonntags soll es in den meisten Regionen aufhören zu schneien. Eine Ausnahme ist die Lausitz, wo warme Luft in der Höhe für Schneeregen sorgen kann. Sonst bleibt es beim Dauerfrost, tagsüber liegen die Höchstwerte zwischen minus 1 und minus 8 Grad, nur an der Küste kann der Gefrierpunkt einmal überschritten werden. Nachts können auch zweistellige Minus-Werte erreicht werden, aber die dichte Wolkendecke verhindert extreme Kälte: „Minus 20 Grad wird es nicht“, versicherte Jonas.
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