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Veröffentlicht: 14.12.2014, 14:43 Uhr

Verpfuschte Hinrichtung „Es war eine blutige Sauerei“

Nach einer verpfuschten Hinrichtung kämpfte Clayton Lockett 43 Minuten lang gegen den Tod. Neue Dokumente zu der Trägodie stellen den Arzt als schlimmen Pfuscher dar, der obendrein noch geschmacklose Sprüche klopfte.

© AP Die Todeszelle in einem Gefängnis in Oklahoma

Neue Dokumente zur verpfuschten Hinrichtung von Clayton Lockett im April dieses Jahres haben weitere grausame Details über das Geschehen in der Todeszelle offenbart. Demnach hat der anwesende Arzt, als sich Lockett schon im Todeskampf befand, einen letzten, hektischen Versuch unternommen, diesem einen Zugang in der Leiste zu legen. Dabei traf er aber eine Arterie und wurde mit Blut bespritzt. Eine anwesende Gefängniswärterin wird in den Dokumenten mit den Worten zitiert: „Es war eine blutige Sauerei“. Wie die Wärterin gegenüber Ermittlern berichtete, soll der Arzt später gesagt haben, er müsse für die Exekution zumindest genug Geld bekommen, um sich einen neuen Kittel zu kaufen. Dies berichten unter anderem der „Guardian“ und die „New York Times“.

Das zuständige Bezirksgericht hatte im Frühjahr eine Untersuchung von Clayton Locketts Tod angeordnet, nachdem der Fall großes Entsetzen hervorgerufen hatte. Der 38 Jahre alte Lockett, der unter anderem eine 19 Jahre alte Frau getötet hat, sollte im April in Oklahoma City per Giftspritze exekutiert werden. Der Arzt legte jedoch den Zugang falsch, sodass sich das Gift nicht im gesamten Körper sondern lediglich lokal verbreitete. Lockett blieb bei Bewusstsein, wälzte sich minutenlang auf der Bahre, rang um Luft und starb schließlich 43 Minuten nach der ersten Spritze an einem Herzinfarkt.

Clayton Lockett © AP Vergrößern Kämpfte 43 Minuten lang gegen den Tod: Clayton Lockett

Das Versagen des Arztes endete dem neuen Bericht zufolge aber keineswegs mit der verpfuschten Injektion. Beim anschließenden Versuch, über die Leiste weiteres Gift zu verabreichen, bei dem dann das Blut spritzt, ließ er sich laut Aussage des damaligen Assistenten zuerst nicht davon überzeugen, dass er die Nadel an der falschen Stelle gesetzt hatte. Außerdem beachtete er nicht, dass er überhaupt keine Medikamente mehr hatte, die er hätte verabreichen können. Zudem benutzte er eine Nadel, die kürzer war als solche, mit denen üblicherweise die Oberschenkelvene erreicht werden soll.

Keine Wiederbelebung

Mehrere Staatsbedienstete sagte den Dokumenten zufolge aus, dass es keinen Alternativplan für den Fall gab, dass Lockett nicht wie vorgesehen stirbt. Als die Exekution kurz nach dem letzten Versuch, dem verurteilten Mörder doch noch eine tödliche Dosis Gift zu spritzen, abgebrochen wurde, stellte das medizinische Personal seine Arbeit ein. Als Locketts Herz stehen blieb, erfolgten keine Wiederbelebungsmaßnahmen.

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Die neuen Dokumente wurden im Rahmen einer Klage öffentlich, mit der eine Gruppe von Anwälten versucht, die Hinrichtungen von vier Todeskandidaten in den ersten Monaten des kommenden Jahres zu verhindern. Unter den Männern ist auch Charles Warner, der ursprünglich nur wenige Stunden nach Lockett hingerichtet werden sollte. Doch der Staat Ohio setzte nach Locketts Tod alle Hinrichtungen aus und ließ den Fall untersuchen. Nun, da der Staat die notwendigen Schlüsse aus der Panne gezogen haben will – das Gift soll in höherer Dosis verabreicht werden, die beteiligten Mediziner besser ausgebildet sein –, soll die Todesstrafe aber wieder vollstreckt werden.

Die nun klagenden Anwälte glauben aber nicht, dass es mit den bisherigen Maßnahmen getan ist. Sie wollen nachweisen, dass Midazolam, eines von drei Medikamenten des Giftcocktails, einen Todeskandidaten nicht so zuverlässig betäuben kann, dass eine schmerzfreie Exekution gewährleistet ist. Deshalb halten sie die Hinrichtungen damit nicht mit der amerikanischen Verfassung vereinbar.

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