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Neue Dienstkleidung bei der Bahn Keine Nadelstreifen für den Zug

Nach zehn Jahren frischt die Deutsche Bahn die Dienstbekleidung ihrer Zugbegleiter, Lokomotivführer und Kundenberater auf. Bis Ende November dürfen ausgewählte Mitarbeiter sie im Alltag testen.

© Peter Thomas Vergrößern Sitzt, passt, hat Luft: Siegrid Zscherneck testet neue Kleidung für die Bahn-Mitarbeiter

Der Schnitt ist neu, das Material auch. Nur die Farbe ist dasselbe dunkle Uniformblau geblieben. Wohl auch deshalb wurde Siegrid Zscherneck bislang noch nicht von den Fahrgästen auf ihre neue Dienstkleidung angesprochen. Dabei gehört die Lokomotivführerin im Fernverkehr der Deutschen Bahn zu den wenigen Mitarbeitern des Mobilitätskonzerns, die schon in diesem Herbst die künftige Unternehmensbekleidung tragen.

Als Fokusgruppe sollen die 48 Frauen und Männer testen, wie sich die Entwürfe der kommenden „Corporate Fashion“ tragen – so wird Dienstkleidung in der Textilbranche heute genannt. Noch bis Ende November dauert die Testphase.

Positive, neue Details

Insgesamt 900 Stücke sind zur Zeit im Umlauf. Sie werden von Zugbegleitern, Lokomotivführern, Kundenberatern und weiteren Bahn-Mitarbeitern im Alltag erprobt: Wie fühlen sich Jacken und Hosen, Hemden und Westen, Mützen und Tücher bei der Arbeit an? Halten tailliertere Schnitte und atmungsaktivere Stoffe, was die Designer versprechen? Wie robust sind die Stoffe, wie gut lässt sich die Kleidung waschen und bügeln? Gefällt die Umstellung auf Kent-Kragen statt „button-down“? Die Liste der Fragen ist lang.

Siegrid Zscherneck hat schon seit Ende August 20 Prototypen der neuen Unternehmensbekleidung im Schrank hängen. Ihr erster Eindruck? Höheren Tragekomfort durch neue Schnitte, aber auch die pflegefreundlichen Materialien nennt die Lokomotivführerin, die vor allem ICE und TGV sowie Lokomotiven der Baureihen 101 und 120 im Fernverkehr steuert.

Positiv aufgefallen sind ihr bislang auch Details wie das in die Oberbekleidung integrierte Schlüsselband, der feinere Blusenstoff und die bessere Aufteilung und Anordnung von Taschen. Ein Lob gibt es schließlich für die neue 3-in-1-Jacke mit zwei verschiedenen Futtern, von denen das Fleece auch einzeln getragen werden kann.

„Corporate Fashion“ statt Uniformen

„Unternehmensbekleidung“ – seltsam sperrig klingt dieses Wort. Doch Uniformen trügen die Eisenbahner der privatisierten Deutschen Bahn schon lange nicht mehr, sagt Bettina Melzer, die im Unternehmen für die Dienstkleidung der Mitarbeiter mit Kundenkontakt verantwortlich ist.

Uniformen zeigen nämlich nicht nur die Zugehörigkeit zu einer Gruppe an, sondern bilden durch Rangabzeichen auch den Status des Einzelnen darin ab. Corporate Fashion soll stattdessen vor allem durch ein einheitliches Design die Mitarbeiter des Unternehmens identifizieren. Das gilt sowohl für die Fremdwahrnehmung durch die Kunden als auch für die Identifikation der Beschäftigten mit dem Arbeitgeber.

Nach Abschluss der Testphase werden die Erfahrungen der Tester in Befragungen und Workshops gesammelt. Diese Detailkritik ist Basis für das Ausarbeiten der endgültigen Schnittbögen und das Festlegen der Stoffqualitäten. Die Herstellung schreibe die Bahn dann in ganz Europa aus, sagt Bettina Melzer. Im Juni 2013 sollen die ersten Artikel zur Verfügung stehen. Bei einigen Artikeln wird das Lager schon jetzt langsam heruntergefahren.

Fließendes Ersetzen der alten Garnitur

Die Auftragsvergabe, die Koordination der Produktion und vor allem die Logistik besorgt ein Generalunternehmer für die Bahn. Von München aus verschickt der Dienstleister die Unternehmenskleidung an die 40.000 Eisenbahner mit Kundenkontakt in Deutschland sowie etwa 200 Kollegen in Schweden und Mitarbeiter des DB-Vertriebs in Frankreich und der Schweiz. Eine komplett neue Unternehmensbekleidung hat die Bahn zuletzt vor zehn Jahren eingeführt. Deren Design – uniformblaue Oberbekleidung mit weißen und roten Akzenten – wird weiter den Auftritt des Bahn-Personals prägen.

Dabei hätte es auch ganz anders kommen können. Dann hätte weicher grauer Wollstoff mit feinen Nadelstreifen in schlank geschnittenen Formen die neue Dienstkleidung dominiert. Die Prototypen hängen im Büro Bettina Melzers auf dem Kleiderständer. Da weht der Wind der Geschichte durch die Räume – schließlich stand Deutschlands erster Lokomotivführer William Wilson im Jahr 1835 mit Frack und Zylinder auf der „Adler“-Lokomotive.

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Doch der Zwirn für die Deutsche Bahn des 21. Jahrhunderts wird nicht in Serie gehen – unter anderen aus ökonomischen Gründen. Die stilistische Nähe der neuen Bekleidung zur bestehenden Kollektion erlaubt das fließende Ersetzen alter Garnituren durch neue. Sonst hätte man auf einen Schlag alle 40.000 Mitarbeiter neu einkleiden müssen.

Zudem werden nicht sämtliche 80 Artikel im Katalog überarbeitet, sondern nur gut die Hälfte. An der Dienstmütze etwa wird sich kaum etwas ändern, so selten wie die Kopfbedeckung heute getragen wird. Ganz darauf verzichten kann man aber nicht. Im Frankreichverkehr etwa ist die Mütze mit Flügelrad für Zugbegleiter sogar vorgeschrieben.

Quelle: F.A.Z.

 
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