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Netztechnik Hauptknotenpunkte - die Achillesferse des Internets

27.04.2001 ·  Experten streiten über die Folgen eines mutwilligen Angriffs auf das weltweite Datennetz.

Von Ulrich Hottelet
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Das Internet - ein unzerstörbares Netzwerk der Superlative, das nach der Planung seiner Erfinder im US-Verteidigungsministerium selbst atomaren Angriffen trotzt? Diese landläufige Vorstellung ist wohl eine Illusion. Gestern waren Tausende von Websites in Deutschland stundenlang nicht erreichbar. Der Grund: Im zentralen deutschen Netz-Knotenpunkt DE-CIX (Deutsche Commercial Internet Exchange) in Frankfurt war es zu technischen Problemen gekommen war.

„Wenn das DE-CIX ausfällt, wird es Stunden dauern, bis der ganze Datenverkehr umgeleitet wird zu anderen Knotenpunkten“, warnte schon vor einiger Zeit Andy Müller-Maguhn, der Sprecher des Chaos Computer Club (CCC), einer Organisation aus der Hacker-Szene, die sich für freie elektronische Kommunikation weltweit einsetzt. Für Unternehmen, die umfangreiche Datenmengen in Echtzeit mit dem Ausland austauschen, kann diese Zeitverzögerung sehr teuer werden.

Müller-Maguhn wurde im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit von der Internet-Gemeinde zum europäischen Direktor der Organisation ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) gewählt. Sie verwaltet weltweit das zentrale Namensregister des Internet und übt damit erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Netzes aus. Die stürmische Entwicklung des Internet machte den Ausbau des DE-CIX erforderlich.

DE-CIX zentrales Datendrehkreuz

Rund 85 Prozent des Datenverkehrs in Deutschland - und damit 35 Prozent in Europa - werden über das zentrale „Datendrehkreuz" in Frankfurt geschleust. Sein Standort ist im Telekommunikations- und Internet-Zentrum der Firma InterXion. Das DE-CIX ist durch mehrere im Stadtgebiet flächendeckend tätige Leitungsanbieter an das Internet angebunden.

WWW durchaus verwundbar

Eine Studie, die drei US-Forscher im vergangenen Jahr im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlicht hatten, kam zu dem Ergebnis, dass das Internet bei gezielten Angriffen auf seine Hauptknotenpunkte weitaus verwundbarer sei als bisher angenommen. Die US-Forscher stellten die Theorie auf, dass bereits eine terroristische Attacke auf vier Prozent der größten Internet-Knotenpunkte das „Netz der Netze“ lahmlegen oder in mehrere Teile aufspalten könnte.

Sie gingen dabei von der Tatsache aus, dass die Verbindungen im Internet keineswegs so dezentral und beliebig ersetzbar sind wie allgemein angenommen. Ein großer Teil des Datenverkehrs, zum Beispiel zwischen Europa und Amerika, wird über zentrale Leitungen und Knotenpunkte abgewickelt. Rund 140 Hauptknotenpunkte sind über die Kontinente verteilt.

Knoten sollen beschleunigen

Der Vorteil dieses Systems liegt darin, dass die Knoten die Kommunikation im Internet beschleunigen. Datenpakete werden nicht mehr zeitaufwendig und kostspielig über internationale Leitungen um den Globus geschleust, sondern auf kurzem Wege transportiert. Das Prinzip ähnelt der traditionellen Briefpost, deren Briefkästen über einen Einwurf für innerstädtische und für nationale Sendungen verfügen. Dabei kann der Postkunde erwarten, innerhalb einer Stadt einen Brief schneller zu erhalten als aus den großen Sortieranlagen.

Die Experten sind über die Folgen eines Ausfalls des Knotenpunkts DE-CIX geteilter Ansicht (siehe Links).

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