Die 23-jährige Rachel Corey wurde am Sonntag im Gazastreifen von einer Planierraupe der israelischen Armee überrollt und getötet. Die Amerikanerin gehörte der Internationalen Solidaritätsbewegung (ISM) mit den Palästinensern an, einer kleinen, aber sehr engagierten Gruppe. Sie starb während einer Protestaktion gegen die Zerstörung palästinensischer Häuser.
Die israelische Armee bedauerte den Tod der Amerikanerin und gab als Ursache einen Unfall an. Der Fahrer des Bulldozers hätte die Frau nicht gesehen und die Aktivistin sei sehr unvorsichtig gewesen. ISM antwortete, dass es sich keineswegs um einen Unfall gehandelt habe. Corey sei mit einer leuchtend orangen Sicherheitsweste bekleidet als unbewaffnete internationale Zivilistin zu erkennen gewesen und habe mit einem Megafon mit dem Fahrer gesprochen. ISM forderte die rückhaltlose Aufklärung der Umstände und plant eine Klage gegen den Fahrer der Planierraupe, da er oder seine Kollegen Rachel gesehen haben müssen.
Internationale Bekanntheit
ISM wurde im April letzten Jahres international bekannt. Eine Gruppe von Aktivisten auch aus Deutschland überwand damals den Belagerungsring um das Hauptquartier Jassir Arafats und verbrachte dort mehrere Wochen unter heftigem Beschuss. In Bethlehem hatten sich damals Zivilisten und Militante in der Geburtskirche verschanzt. ISM schaffte es auch hier, den Belagerungsring zu durchlöchern und Lebensmittel und Medikamente zu den Eingeschlossenen zu bringen.
Friedliche Demonstrationen gegen israelische Soldaten und Siedler zählen zu den gemäßigten Protestformen, an denen sich auch Palästinenser beteiligen können. Aufgeteilt auf verschiedene Orte begleiten derzeit etwa 30 internationale Aktivisten während der Ausgangssperre Kinder zur Schule oder verteilen Medikamente.
Mehrere Verletzte bei Aktionen
Gefährlichere Maßnahmen schließt die Beseitigung von Straßensperren oder das Wohnen in zur Zerstörung bestimmter Häuser ein. Dabei verließen sich die Aktivisten bisher auf ihre weiße Hautfarbe zum Schutz vor Übergriffen der Soldaten.
Blonde Haare sind aber kein Garant für körperliche Unversehrtheit. Mehrere Demonstranten wurden bereits verletzt, unter anderem durch scharfe Munition. Prügel sind nach Auskunft des ISM-Büros an der Tagesordnung. Nach dem April 2002 wurden die Kontrollen an Israels Grenzen verstärkt. Hunderte von Aktivisten wurden erst gar nicht ins Land gelassen. Israelische Polizei verhaftete Aktivisten aber auch schon in den besetzten Gebieten.