Der spanische König Juan Carlos, seit seinem afrikanischen Jagdausflug daheim auch „König des Dschungels“ genannt, hat sein Volk um Verzeihung gebeten. An Krücken und mit ziemlich zerknirschter Miene sagte er am Mittwoch bei der Entlassung aus dem Krankenhaus: „Es tut mir sehr leid. Ich habe mich getäuscht. Es wird nicht wieder vorkommen.“ Was vorkam war, dass der Monarch in der vergangenen Woche die heimische Wirtschaftskrise und seine Familienmisshelligkeiten für ein paar Tage hinter sich lassen wollte. Um weder etwas von seinem der Korruption beschuldigten Schwiegersohn hören, noch zu dem Enkel, der sich in den Fuß schoss, ins Krankenhaus zu müssen, reiste er heimlich zur Elefantenjagd nach Botswana. Vermutlich hätte die Öffentlichkeit nie davon erfahren, wenn er nicht auf der Treppe der Jagdhütte gestürzt wäre, das Hüftgelenk gebrochen und in einem langen Nachtflug nach Madrid hätte zurückgebracht werden müssen.
Dann hatte er Glück im Unglück. Die Operation verlief glatt. Doch in den fünf Tagen Krankenhaus, an denen er, wie es aus dem Königshaus hieß, intensiv die Zeitungen las und fernsah, wurde ihm wohl klar, dass eine reuige Geste angezeigt wäre. Und in der Tat: Zum ersten Mal seit der Thronbesteigung vor 37 Jahren folgte ein königliches Mea culpa.
Inzwischen wurde auch bekannt, wer Juan Carlos eingeladen und die Safari bezahlt hat. Es ist ein spanisch-saudischer Magnat syrischer Herkunft, der Geschäftsmann, Jagdkumpan und Altersgenosse des 74 Jahre alten Königs, Mohammed Eyad Kayali. Dieser Millionär mit Villen in Madrid und Marbella ist zugleich Vertrauensmann des saudischen Prinzen Salman, mit dessen Hilfe Juan Carlos unlängst ein Milliardengeschäft für die spanische Industrie auf den Weg brachte: den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke für Züge von Mekka nach Medina.
Als sogar die spanischen Medien, die das Königshaus eigentlich seit Jahrzehnten vor Indiskretionen zu schützen pflegen, außer dem Elefanten noch andere royale Eskapaden ins Gespräch brachten, begann der Patient Schadensbegrenzungsgespräche mit seinen Ratgebern. Und nachdem sogar ein deutsches Adelsfräulein als Gespielin und Jagdgefährtin namentlich erwähnt worden war, ließ es Königin Sofiá nicht bei ihrer kursorischen viertelstündigen Visite vom Montag bewenden, sondern verbrachte tags darauf volle drei Stunden am Krankenbett.
Mit der Entschuldigung dürfte sich nun zumindest der politische Staub wieder legen. Für Freitag ist ein Gespräch des Königs mit Ministerpräsident Mariano Rajoy verabredet. Konservative und Sozialisten zollten Juan Carlos derweil kräftiges Lob für sein offenes Wort. Und auch ein vorlauter Madrider Funktionär der Arbeiterpartei nahm nicht noch einmal den Begriff „Abdankung“ in den Mund. Ungemach droht dem Monarchen indes noch vom spanischen World Wildlife Fund, dessen Ehrenpräsident ist. Die Ökologen ließen schon wissen, dass sie nun die Statuten überprüfen würden, alles natürlich wegen der Elefanten.
...bitte die Kirche im Dorf lassen...
Eric Arnesen (Offenes_Wort)
- 19.04.2012, 11:58 Uhr
Koenig enttschuldigt sich
brigitte schulze (brigitteschulze)
- 18.04.2012, 23:34 Uhr
Des kollektiven Fremdschämens unwürdig
Stephan Kaspar (SteveK)
- 18.04.2012, 19:16 Uhr