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Nach Amoklauf von Winnenden : Merkel will mehr Waffenkontrollen

  • Aktualisiert am

Warum? Bild: AP

In die Debatte über die Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden haben sich Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Schäuble eingeschaltet. Merkel mahnt verstärkt Waffenkontrollen an, auch unangemeldete.

          Die Debatte über Konsequenzen aus dem Amoklauf in einer Schule in Winnenden geht vier Tage nach dem tragischen Ereignis weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte, die sichere Aufbewahrung von Waffen und Munition müsse kontrolliert werden. Denkbar seien auch unangemeldete Kontrollen. Vor wenigen Tagen hatte der 17-jährige Tim K. an seiner früheren Schule und dann auf der Flucht insgesamt 15 Menschen erschossen.

          Nach den schrecklichen Geschehnissen forderte Merkel die Bürger zu mehr Wachsamkeit auf. „Wir müssen aufmerksam sein (...) auf alle jungen Menschen“, sagte Merkel am Sonntag im Deutschlandfunk. Das gelte sowohl für Eltern als auch für Erzieher. „Wir müssen alles tun, um zu schauen, dass Kinder nicht an Waffen kommen, dass ihnen auch sicherlich nicht zu viel Gewalt zugemutet wird.“

          Zur Diskussion über ein Verbot von Gewaltvideos sagte die Kanzlerin, man dürfe nicht nur mit der Freiheit des Internets argumentieren. „Ich gehöre, ehrlich gesagt, zu denen (...), die immer wieder überlegen: Kann man nicht doch etwas tun?“

          Blumen über Blumen vor der Realschule
          Blumen über Blumen vor der Realschule : Bild: ddp

          Schäuble gegen voreilige Gesetzesänderungen

          Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat nach dem Amoklauf von Winnenden davor gewarnt, schnell mit Gesetzesinitiativen vorzupreschen. „Ich bin ausdrücklich nicht der Meinung, dass man zwei Stunden nach einem solchen Ereignis sicher wissen kann, welche Gesetze es braucht, um so etwas zu verhindern“, sagte Schäuble der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei einem für Sonntag angesetzten Treffen mit europäischen Innenministern wolle er auch über Erfahrungen mit Jugendgewalt sprechen und darüber, was man voneinander lernen könne. „Wir müssen uns genauer ansehen, wie wir mit den rasanten Entwicklungen in der Kommunikation in unseren Gesellschaften umgehen.“

          Die amerikanische Heimatschutzministerin Janet Napolitano, die zurzeit Deutschland besucht, sagte, Amokläufe wie in Winnenden oder zuletzt im amerikanischen Alabama seien schwer zu verhindern. „Wir wissen aber, worauf es bei jungen Leuten zu achten gilt, beispielsweise, ob sie in ihren Schulen isoliert sind oder ob sie mit Freunden oder anderen über Todesgedanken reden“, sagte Napolitano der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (lesen Sie dazu Können Amokläufe verhindert werden?).

          Ein intensiver Nutzer gewaltverherrlichender Videospiele

          Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass Tim K. ein intensiver Nutzer gewaltverherrlichender Videospiele gewesen ist. So soll er nach Angaben des „Spiegel“ noch am Dienstagabend bis 21.40 Uhr das Killerspiel „Far Cry 2“ benutzt haben. Im Internet soll er unter dem Pseudonym „Jaws Predator 1“ gesurft und sich schon Monate vor der Tat in Winnenden über Massaker informiert haben. Ein Sprecher der Polizei Waiblingen sagte am Samstag dieser Zeitung: „Diese Namen sind gefallen. Die Auswertung des Computers gestaltet sich aber im Moment schwieriger als zunächst vermutet.“

          Die Wahrscheinlichkeit, dass der Chat-Beitrag des Amokläufers doch von Tim K. stammen könnte, wird indes immer geringer. Allerdings war der Server des Internetforums am Samstag noch nicht ausgewertet. Behauptungen des Anwalts des Tätervaters, Tim sei nie in psychiatrischer Behandlung gewesen, widersprachen Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag. Der Amokläufer sei vom April 2008 bis September 2008 im Klinikum am Weissenhof in Weinsberg mehrmals vorstellig geworden.

          Noch keine Ermittlung gegen Tims Vater

          Bislang ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart noch nicht gegen Tims Vater, der die Tatwaffe im Schlafzimmer offen hatte herumliegen lassen. (Siehe auch: Welche Strafe droht Tim K.s Vater?) Sobald die Staatsanwaltschaft nachweisen kann, dass der Vater von einer „Amokneigung“ seines Sohnes gewusst haben könnte, ist mit Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung zu rechnen. Die Eltern des Amokläufers leben derzeit an einem unbekannten Ort.

          Unvermindert drohen im Rems-Murr-Kreis, in dem Winnenden liegt, Trittbrettfahrer mit Amokläufen. Am Freitag gab es zwei Verhaftungen, die Beschuldigten sollen schon an diesem Mittwoch vor Gericht gestellt werden. Am Samstag meldete die Polizei drei weitere Amokdrohungen. (siehe auch: Gymnasiast nach Amokdrohung in Psychiatrie)

          Inzwischen wird nun immer häufiger die Fahndung und Verfolgung des Täters kritisiert: Die Polizisten konnten Tim K. in der Schule in Winnenden nicht festnehmen. Er flüchtete, nahm eine Geisel und tötete drei Menschen. Etwa zwei Stunden verfolgte die Polizei den Täter, allerdings konzentrierte sie sich auf die S-Bahn-Linien, zeitweise verlor sie den gefährlichen Täter sogar komplett aus den Augen.

          In Winnenden ist am Samstag das erste Opfer des Amoklaufs beerdigt worden, mehrere hundert Trauernde nahmen an dem Gottesdienst teil. In der Region werden mittlerweile hundert Fachleute zur seelischen Betreuung der Schüler der Schulen eingesetzt. Die Albertville-Schule soll 13 zusätzliche Lehrer bekommen.

          Quelle: FAZ.NET

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