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Mythos und Technik Arme Trojaner

14.09.2007 ·  Was können die Trojaner dafür, dass die Griechen sie einst mit einem hinterlistigen Geschenk hinters Licht geführt haben? Dass Jahrhunderte später, im Mythos nicht firme Techniker ihnen die Rolle des Bösewichts zuteilen, findet Roswin Finkenzeller jedenfalls ungerecht.

Von Roswin Finkenzeller
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Die Trojaner können sich nicht mehr wehren. Da sie von der Bildfläche verschwunden sind, der Welt aber ihren guten Namen hinterlassen haben, wird dieser nach Herzenslust verunglimpft.

Schon vom „Trojanischen Krieg“ zu sprechen ist eine abendländische Bosheit. Auch für schrecklich schöne Bildungserlebnisse sollte der Merksatz gelten, dass zur Kriegsführung mindestens zwei gehören. Das „Trojanische Pferd“ aber war nicht einmal zur Hälfte ein trojanisches, weshalb Lexika mit Anstand im Leib das Ungetüm unter dem Stichwort „Hölzernes Pferd“ besprechen. Es handelte sich um ein griechisches Fabrikat, einen Hohlraum, in den mehrere Griechen schlüpften und kein einziger Trojaner. Der Bestimmungsort, schon recht, war Troja, doch wird ein russisches U-Boot nicht schon deshalb zu einem amerikanischen, weil es sehr gern vor der Ostküste herumfährt.

Da mal was läuten gehört ...

Von jenem antiken Gaul, der ganz nett aussah, alsbald aber für Troja eine einzige Enttäuschung war, müssen einige im Mythos nicht bewanderte Techniker läuten gehört haben, als sie für ungebetene, ja bösartige Gäste im Computer die verkehrte Bezeichnung „Trojaner“ wählten. Die Europäer, die bereits zwei Rufmorde auf dem Gewissen haben, den an der menschenfreundlichen Philosophenschar der Zyniker und den am gesitteten Volk der Vandalen, leisten sich den dritten an den Trojanern.

Sie sollten lieber „Paris“ auf der ersten Silbe betonen und sich einen Liebling der Frauen vorstellen, ein Bild von einem Mann, einen nicht nur hübschen, sondern auch klugen Experten für die Schönheit von Göttinnen. Paris - er war wirklich Trojaner.

Quelle: F.A.Z., 15.09.2007, Nr. 215 / Seite 9
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Jahrgang 1934, schreibt die Schachkolumne im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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